Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

ILO-Report Größte Krise seit der Großen Depression: Weltweiter Arbeitsmarkt verliert 255 Millionen Vollzeitjobs

Die Arbeitseinkommen sind 2020 weltweit um 3,7 Billionen Dollar gesunken. Ein Report der Internationalen Arbeitsorganisation zeigt, wo die Pandemie die verheerenden Folgen hat.
25.01.2021 - 14:32 Uhr Kommentieren
Für Millionen Menschen wird die Corona-Pandemie zur existenziellen Frage. Quelle: dpa
Wanderarbeiter in China

Für Millionen Menschen wird die Corona-Pandemie zur existenziellen Frage.

(Foto: dpa)

Berlin Die Corona-Pandemie hat die globale Arbeitswelt in die schlimmste Krise seit der Großen Depression in den 1930er-Jahren gestürzt. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) um 8,8 Prozent zurückgegangen. Das entspricht 255 Millionen Vollzeitjobs. Die Verluste waren damit viermal so groß wie während der Finanzkrise 2009.

Wie die ILO in ihrem jüngsten Bericht zu den Auswirkungen der Pandemie schreibt, sind 33 Millionen Menschen formal arbeitslos geworden. Die tatsächlichen Beschäftigungsverluste liegen mit 114 Millionen aber deutlich höher. Denn nach Schätzungen der Arbeitsorganisation haben sich zusätzlich zu den 33 Millionen Arbeitslosen 81 Millionen Menschen vom Arbeitsmarkt zurückgezogen.

Dies betrifft beispielsweise Personen, die aufgrund der wirtschaftlichen Einschränkungen derzeit keine Chance auf einen Job sehen. Infolgedessen ist die Erwerbsbeteiligungsquote weltweit um 2,2 Prozentpunkte auf 58,4 Prozent gesunken. Die Erwerbsbeteiligungsquote beschreibt die Zahl der Beschäftigten und der registrierten Arbeitslosen im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Von 2008 auf 2009 betrug der Rückgang nur 0,2 Prozentpunkte.

Dabei sind die Beschäftigungsverluste bei den Frauen mit minus fünf Prozent stärker ausgeprägt als bei den Männern (minus 3,9 Prozent). In absoluten Zahlen haben mehr Männer als Frauen ihren Job verloren oder aufgegeben. Junge Menschen bis 24 Jahre sind von den Beschäftigungsverlusten doppelt so stark betroffen wie ältere.

Während der Abbau von Jobs etwa zur Hälfte zum eingebrochenen Arbeitsvolumen beiträgt, kommt die andere Hälfte durch reduzierte Arbeitszeiten zustande, beispielsweise durch Kurzarbeit, die in Europa verbreiteter ist als in anderen Teilen der Welt.

Leichte Verbesserung zum Jahresende

Mit der reduzierten Arbeitszeit und den weggefallenen Jobs gehen auch Einkommensverluste einher. Das globale Arbeitseinkommen ist laut ILO im vergangenen Jahr um 3,7 Billionen Dollar oder 8,3 Prozent zurückgegangen, was 4,4 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Allerdings sind dabei Unterstützungsleistungen wie beispielsweise das Kurzarbeitergeld nicht eingerechnet.

Von solchen Unterstützungsleistungen haben jüngere Arbeitnehmer, Frauen, Selbstständige und Geringverdiener oder -qualifizierte weniger stark profitiert als andere Beschäftigtengruppen, heißt es in dem ILO-Bericht.

Die Situation auf den weltweiten Arbeitsmärkten hat sich aber Ende 2020 schon wieder leicht verbessert. War die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im zweiten Quartal – also in der Anfangsphase der Pandemie – noch um mehr als 18 Prozent eingebrochen, so lag das Minus im Schlussquartal nur noch bei 4,6 Prozent.

Für das laufende Jahr erwarten die ILO-Experten noch keine durchgreifende Erholung. In einem Basisszenario, das auf der Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom Oktober 2020 beruht, gehen sie davon aus, dass das geleistete Arbeitsvolumen in diesem Jahr immer noch um drei Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegen wird. Das entspricht 90 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen. Das größte Minus wird dabei in Amerika und Europa erwartet.

In einem pessimistischen Szenario, das von einer schleppenden Impfkampagne, anhaltenden Restriktionen und einem eingebrochenen Verbrauchervertrauen ausgeht, könnte es in diesem Jahr umgerechnet sogar 130 Millionen Jobs weniger geben als vor der Krise. Im optimistischen Szenario, das von einer Überwindung der Pandemie ausgeht, würden sich die Verluste bei den geleisteten Arbeitsstunden mit 1,3 Prozent in Grenzen halten.

Um eine rasche Erholung der weltweiten Arbeitsmärkte zu ermöglichen, empfehlen die ILO-Experten eine Politik, die Einkommen unterstützt und Investitionen fördert. Gezielte Maßnahmen sollte es für besonders betroffene Beschäftigtengruppen wie Jugendliche, Frauen oder Geringqualifizierte geben. Außerdem seien Entwicklungs- und Schwellenländer auf finanzielle Unterstützung bei der Impfstoffbeschaffung angewiesen, wenn auch dort die wirtschaftliche Erholung gelingen soll.

Mehr: Der Schulausfall in der Pandemie könnte 3,3 Billionen Euro kosten

Startseite
Mehr zu: ILO-Report - Größte Krise seit der Großen Depression: Weltweiter Arbeitsmarkt verliert 255 Millionen Vollzeitjobs
0 Kommentare zu "ILO-Report: Größte Krise seit der Großen Depression: Weltweiter Arbeitsmarkt verliert 255 Millionen Vollzeitjobs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%