Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Impfkampagne Ernüchterung statt Durchbruch: Sputnik V wird vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter

Russland wollte mit seinem Corona-Impfstoff weltweit auftrumpfen. Doch nun herrscht Enttäuschung. Auch im Land selbst wird nur schleppend geimpft.
29.05.2021 - 08:06 Uhr 4 Kommentare
Das russische Vakzin hat bislang nicht gehalten, was Moskau versprochen hatte. Quelle: Reuters
Impfstoff Sputnik V

Das russische Vakzin hat bislang nicht gehalten, was Moskau versprochen hatte.

(Foto: Reuters)

Berlin Es vergeht kaum ein Tag, an dem der russische Staatsfonds RDIF keine Jubelmeldungen verbreitet, in welchem Land auf dem Globus der von ihm finanzierte Corona-Impfstoff „Sputnik V“ gerade wieder zugelassen wurde. „V“ steht für Victory. RDIF-Chef Kirill Dmitrijew sagte im Handelsblatt mit der Zulassung im Sommer 2020 einen „Sputnik-Moment“ voraus.

Wie beim Start des „Sputnik“ genannten Satelliten vor den Weltraumambitionen der USA 1957 wollte Moskau damit beweisen, wie technologisch führend es ist. Als der „erste zugelassene Covid-Impfstoff weltweit“ wurde Sputnik V betitelt. Der Spruch klebt auf jedem Karton mit den russischen Impfampullen, die Flugzeuge in alle Erdteile fliegen. Immer wieder haben Staatschefs oder Minister die ersten Pakete aus Moskau auf Flughäfen in Empfang genommen.

Doch die Hoffnung auf schnelle Hilfe weicht massiver Ernüchterung. Denn nur acht Prozent der bestellten Impfdosen des vom Moskauer Gemaleya-Zentrums für Epidemiologie und Mikrobiologie entwickelten Corona-Vakzins wurden ins Ausland geliefert. Bis zum 21. Mai hatte Russland 16,3 Millionen Dosen Sputnik exportiert, rechnet die russische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „Forbes“ vor.

Von den laut RDIF „mehr als 60 Ländern“, die Sputnik V zugelassen haben, haben 45 Länder feste Bestellungen aufgegeben. Darunter machen vier Länder die Hälfte der Orders aus: die Türkei (50 Millionen Dosen), Mexiko (24 Millionen), Argentinien und Venezuela (je 20 Millionen).

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Nur ein Bruchteil dieser Bestellungen ist bisher russischen Industriekreisen zufolge erfüllt worden: Argentinien habe gut 6,5 Millionen Sputnik-Dosen erhalten, Mexiko 2,4 Millionen und das EU-Land Ungarn trotz der fehlenden Zulassung durch die europäische Arzneimittelagentur Ema zwei Millionen.

    Andere Staaten haben nur symbolische Lieferungen bekommen, wie der eng mit Russland verbündete Iran oder Venezuela, das 430.000 von 20 Millionen bestellten Impfdosen erhalten hat. Sri Lanka bekam bisher 15.000 von 13 Millionen georderten Sputnik-Dosen.

    Zu wenig Produktionsorte, mangelndes Vertrauen

    Russlands Problem sind mangelnde Produktionskapazitäten. Das berichten russische Industrie-Insider unter der Bedingung, dass sie nicht namentlich zitiert werden.

    Denn Russlands Präsident Wladimir Putin hat am 21. April verordnet, dass als „nationale Priorität“ die 145 Millionen Russen bis Spätsommer über Massenimpfungen eine „Herdenimmunität“ erreichen sollen. Selbst dafür reiche die Produktion nicht – geschweige denn für weitere Exporte, heißt es bei Industriellen.

    Grafik

    Und so will im bayerischen Illertissen der russische Hersteller R-Pharm sein bisher Salben produzierendes Werk um eine Impfstoffproduktion erweitern. Sputnik-V-Fabriken wurden auch in Weißrussland und Kasachstan in Betrieb genommen, weitere sollen in der Türkei, in Indien und Südamerika in Betrieb gehen.

    Allerdings ist die Produktionskapazität der kasachischen und weißrussischen Fabriken gering: 1,8 Millionen beziehungsweise 300.000 Dosen haben sie bisher produziert.

    Zu den Exportengpässen kommen massive Imageprobleme: In der Slowakei und Brasilien kam es zu Skandalen nach Sputnik-Lieferungen. Die Ware habe nicht den zertifizierten Deklarationen entsprochen, hieß es bei den lokalen Behörden. Moskau reagierte gereizt und drohte mit Klagen.

    Doch auch in Russland selbst sinkt das Vertrauen in den anfänglichen Hoffnungsträger Sputnik rapide. Nur knapp elf Prozent der Russen haben sich bisher mit dem Moskauer Mittel gegen das Coronavirus immunisieren lassen. Sogar Mitarbeiter der Impfstofffabriken ließen sich nicht mit russischen Vakzinen impfen, berichten Industrievertreter unter der Hand.

    Laut einer Studie der Credit Suisse ist das Vertrauen in eine Impfung in Russland verglichen mit anderen Schwellenländern deutlich geringer: Demnach seien in China etwa 90 Prozent der Befragten bereit, sich impfen zu lassen, in Brasilien 80 Prozent, in Indien etwa 70 Prozent und in der Türkei rund 60 Prozent. In Russland hingegen waren es nur 40 Prozent.

    Sputnik-V-Lieferung an die Slowakei nun doch „in Ordnung“

    Die Skepsis hat zwei Gründe: mangelndes Vertrauen in die Sicherheit von Sputnik V und den zwei anderen russischen Vakzinen – und die lange von der russischen Regierung verbreitete Behauptung, die Corona-Pandemie sei bereits besiegt. Um auch das Vertrauen in den rivalisierenden Impfstoff von Biontech zu unterminieren, habe eine Londoner PR-Agentur für russische Auftraggeber Social-Media-Influencern in Deutschland, Brasilien und Indien Geld dafür gezahlt, in Videos über angebliche Impftote durch den deutschen Impfstoff zu berichten. Das berichteten das ARD-Magazin „Kontraste“ und die Rechercheplattform „netzpolitik.org“.

    Mehr: Wie San Marino sich mit Russlands Impfstoff aus der Pandemie befreit

    Startseite
    Mehr zu: Impfkampagne - Ernüchterung statt Durchbruch: Sputnik V wird vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter
    4 Kommentare zu "Impfkampagne: Ernüchterung statt Durchbruch: Sputnik V wird vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Als Russe sage ich: In dieser Herangehensweise an den russischen Impfstoff steckt mehr Politik als Wahrheit. Es gibt nur zwei verlässliche Aussagen - schwache Produktionskapazitäten in Russland und die mangelnde Bereitschaft der Russen, sich im Land impfen zu lassen. Das zweite ist auf Vorurteile zurückzuführen - die Menschen in Russland glauben größtenteils nicht an die Wirksamkeit von Virusimpfstoffen, wie zum Beispiel an die Wirksamkeit eines Grippeimpfstoffs. Darüber hinaus sind all diese Prozentsätze der Wirksamkeit von Impfstoffen 66 oder 95 - allzu nur bla bla. Aber die Nebenwirkungen sind offensichtlich. Und die Bevölkerung in Russland kann sich impfen lassen - kein Problem, es gibt genug Impfstoff, es gibt keine Warteschlangen oder Prioritätsgruppen wie in Deutschland (Warte mal ab). Und alles ist auch kostenlos. Dieses Virus wird nicht sterben, genauso wie das Grippevirus nicht stirbt. Wir müssen lernen, mit ihm zu leben. Eine Impfung ist erforderlich. Aber es waren die Russen oder die Chinesen, die diesen Impfstoff geteilt haben - also wird es nicht funktionieren. Obwohl seine Effizienz höher als 90% ist, und dieser ist gut, weil in Europa hergestellt , obwohl seine Wirksamkeit nur 66% beträgt und die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose hoch ist.

    • Der Umgang mit dem Impfstoff Sputnik ist eines der Dinge die mich grundlegend absolut skeptisch stimmen. Beim mrna Impfstoff argumentiert man gerne das dieser sicher ist und mit hoch wirksam. Man verweist auf die Studie aber auch auf die hohe Anzahl der bereits geimpfter Personen. Beides hat der Sputnik Impfstoff auch bewiesen. Man hält ihn jedoch aus politischen Gründen oder warum auch immer zurück. In anderen EU Ländern wird er bereits erfolgreich verimpft. Wenn doch diese Pandemie so schlimm ist das wir Lockdowns und andere Maßnhamen, welche die Freiheit drastisch einschränken, brauchen. Das Impfen überall als die Lösung postuliert wird, bei gleichzeitig knappen Impfstofflieferungen. Stellt sich einfach die Frage, wieso man ein solchen Impfstoff nicht berücksichtigt. Bei Astra lässt man doch auch die Menschen selbst entscheiden, trotz häufigerer und drastischerer Nebenwirkungen im Vergleich zu Sputnik. Wenn man dann getrost auf so einen Impfstoff verzichten kann, dann kann die Pandemie nicht so drastisch sein wie überall dargestellt? Oder wo verpasse ich da etwas in meiner Logik? Wenn wir politisches Kalkül gegen Impfstoff abwägen dann geht es uns doch gut!

    • Irgendwie passt die Überschrift nicht mit dem Inhalt. Wenn soviele Bestellungen sind, die Produktion aber nicht nachkommt, wie kann man da von Ladenhütern sprechen? Nachdem sich dt. Virologen positiv zu Sputnik V äußerten, hätte ich mich auch damit impfen lassen, weil der Vektorimpfstoff durch die 2 Varianten mehr Mutationen abdeckt anders als AZ od. J&J, doch dass konnte ich vergessen, weil sich EU-Spitzenvertreter aus pol. Gründen gg. eine Zulassung von Sp-V aussprachen. Da wurde mir klar, dass es weniger um Menschenleben als um Ideologie geht.

    • Hört sich etwas nach Russland - Bashing an. Kann ich so nicht nachvollziehen.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%