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Impressionen einer großen Flucht Der schwierige Weg nach München

Es sind die Armen unter den Flüchtlingen, die die Eisenbahnroute von Griechenland nach Westeuropa nehmen. Vielen erscheint der Weg entlang der Trasse des einst luxuriösen Orientexpresses schlicht die sicherste zu sein.
13.09.2015 - 16:57 Uhr
Die Fahrt von Mazedonien nach Serbien lässt heute eher an den Wilden Westen denken. Quelle: Reuters
Grenze zu Mazedonien

Die Fahrt von Mazedonien nach Serbien lässt heute eher an den Wilden Westen denken.

(Foto: Reuters)

Gevgelija Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Gleise des legendären Orientexpresses Zehntausenden Flüchtlinge die Richtung in ein erhofftes besseres Leben weisen. Vor mehr als 80 Jahren rollten luxuriöse Züge in die andere Richtung – von Westeuropa über den Balkan bis in die Türkei, den Nahen und Mittleren Osten. Darin reiste der Jetset der damaligen Zeit – Reiche und Superreiche. Agatha Christie verewigte 1934 die pittoreske Strecke in einem Fall für ihren Meisterdetektiv Hercule Poirot: „Mord im Orientexpress“.

Vom Glanz und Prunk der alten Zeit ist für die vielen Flüchtlinge nichts mehr übrig geblieben, die die Trasse des Orientexpresses als Orientierung auf ihren Treck in ein Land der Europäischen Union nutzen. Als glücklich gilt, wer in einem der tristen, ausgelaugten Waggons der Züge einen Platz ergattern konnte – ein Luxus im Vergleich zum Fußmarsch entlang der Schienen.

Impressionen von der Strecke: Ein kleines syrisches Mädchen streckt ihren Kopf aus dem geöffneten Zugfenster, kichert, als sie die warme Luft auf ihrem Gesicht spürt. Ein einbeiniger Mann versucht, einen Sitzplatz zu finden. Eine Frau versucht, ihr Baby in den Schlaf zu wiegen, erschöpft aber glücklich, mit ihrem Mann Deutschland ein Stück näher zu kommen. Eine andere Mutter mit zwei Kindern schluchzt hysterisch, nachdem sie ihren Mann im Chaos beim Einstieg in einem mazedonischen Ort verloren hat.

Die Fahrt von Mazedonien nach Serbien lässt heute eher an den Wilden Westen denken: Von denen, die im Bahnhof von Gevgelija keinen Platz im Zug bekommen haben, versuchen viele, das auf freier Strecke zu erzwingen. Sie legen Holzstämme und große Steine auf die Schienen, um den Halt des Zuges zu erreichen. Auch kommt es vor, dass Flüchtlinge im Zug einfach die Notbremse ziehen, um Freunden auf der Strecke den Einstieg zu ermöglichen.

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    „Das ist so verrückt wie in meinem eigenen Land“, sagt Rashid, ein Flüchtling aus Pakistan. „Ich hätte nie gedacht, so was in Europa zu sehen. Aber es ist immer noch besser, als von Schmugglern für Busfahrten ausgenommen zu werden.“

    Hunderte Kilometer weiter hüpfen zwei Mädchen in pinken T-Shirts fröhlich über ihre Schatten auf den Schienen, die über die ungarische Grenze führen. Ihre erschöpften Eltern gehen mit den Habseligkeiten der Familie hinterher. Ein Mann auf Krücken versucht, nicht über die Schienen zu stolpern. Zwei Männer helfen einem Freund in einem Rollstuhl über die holprige Trasse. Junge Männer mit Rucksäcken folgen, ein endlos wirkender Strom in der Dämmerung.

    „Wer die Nase voll hat, nimmt die Eisenbahnroute“
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