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Independence Day Trump liefert die fast perfekte Patriotismus-Show

Der US-Präsident, der nie als Soldat diente, feierte in Washington seine Liebe zur Armee. Aus dem wichtigsten US-Feiertag machte er seine ganz persönliche Militärshow.
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Kampfjets und Panzer-Show – So feiert Trump den Independence Day

Washington Als die Präsidentenmaschine Air Force One am Horizont auftaucht, die Festmeile überfliegt und sich für einen Moment im türkisblauen Becken des Reflecting Pool spiegelt, strecken sich Tausende an Telefone geklammerte Arme in die Luft. Das gleiche Spiel wiederholt sich noch ein paar Mal: Kampfflugzeuge vom Typ F-22 Raptor, die die USA im Kampf gegen den Islamischen Staat in Syrien einsetzen, donnern über die Menge.

Es folgt der Präsidenten-Helikopter Marine One, und wenig später der Tarnkappen-Kampfjet F-35. Auf ihn ist Donald Trump besonders stolz. Vor ein paar Wochen ließ er extra einen F-35 über das Weiße Haus düsen, weil Polens Präsident Andrzej Duda zu Besuch war.

Immer und immer wieder erfasst Jubel die Menge. Das Publikum, das Trumps Auftritt am Unabhängigkeitstag verfolgt, scheint verzückt von der Choreografie des Kriegsgeräts, dieser Demonstration der Stärke, dieses simplen, aber wirkungsvollen Wow-Effekts. Im Vorfeld hatte es Kritik an dem Format gegeben. Auch Trumps Vorgänger zelebrierten jährlich zum 4. Juli ein Spezialprogramm, doch eine mit Panzern geschmückte Festrede im Herzen der US-Hauptstadt hatte keiner gewagt.

Am wichtigsten Feiertag der USA, so der Konsens, sollte das Land im Mittelpunkt stehen, nicht der Präsident. Trump sieht das anders. Er hatte sich ursprünglich eine Militärparade im Stil des französischen Bastille-Tags gewünscht, wovon ihm das Pentagon abgeraten haben soll. Immerhin konnte er seine Bühne von jeweils einem Panzer vom Typ M1 Abrams flankieren lassen. Das letzte Mal, dass solche Panzer durch Washington rollten, war 1991, nach dem Ende des ersten Irak-Kriegs.

Trumps Modelle waren einige Nächte zuvor im Schneckentempo auf Spezialtransportern herangekarrt worden, damit die Ketten nicht den Asphalt zerbröseln lassen. Das Bild, das sich bot, symbolisierte einerseits die US-Militärmacht – aber wirkte zugleich beklemmend, denn von Menschenmassen umringte Panzer kennt man sonst eher von Machtdemonstrationen autoritärer Regimes. Die Anwesenden schienen derlei Assoziationen allerdings nicht zu stören, Eltern posierten mit ihren Kindern vor den Panzern, Paare schossen Selfies.

Präsident Trump servierte den Amerikanern eine gigantische Militärshow. Quelle: AFP
Zwei F-22-Raptors eskortieren einen B-2-Jet

Präsident Trump servierte den Amerikanern eine gigantische Militärshow.

(Foto: AFP)

„Ihr jungen Leute, ihr solltet alle in die Armee eintreten“, rief Trump unter Applaus. Es sollte eine bemerkenswerte Erkenntnis des Tages werden: Ausgerechnet Trump, der nie selbst diente und sich über den inzwischen verstorbenen Senator und Vietnam-Gefangenen John McCain echauffierte, hat die Liebe zum Militär zu einem seiner Markenzeichen gemacht.

Er fühlt sich wohl zwischen Uniformen und Kriegshelden, das spürt man bei Veteranen-Veranstaltungen im Weißen Haus, oder bei seinen Kundgebungen in der Provinz, wenn er auf der Bühne ohne Hemmungen mit der US-Flagge schmust. Den Unabhängigkeitstag, der an die Lossagung der 13 amerikanischen Kolonien von Großbritannien im Jahr 1776 erinnert, nutzte Trump nun für seine ganz persönliche Show aus Patriotismus, Stolz und Macht.

Trump, den Provokateur ohne Teleprompter, sollte man auf der Bühne vor dem Lincoln Memorial nicht erleben. Wenn der Präsident sonst vor seinen Anhängern auftritt, schimpft er auf Flüchtlinge und badet in Hassrufen gegen Hillary Clinton. Doch dieser Auftritt sollte eine andere Funktion erfüllen. Er sollte den präsidialen Trump zeigen, einen von Redenschreibern und Beratern gezähmten Trump, entschlossen und souverän im Amt.

Entscheidend war die Optik, die für Trump arrangiert wurde: Er, der Anti-Politiker, sprach vor der in Marmor gehauenen Silhouette eines der bedeutendsten Präsidenten der US-Geschichte. Das Bild führte vor Augen, dass selbst ein Trump in den Geschichtsbüchern in einer Reihe mit Abraham Lincoln stehen wird, selbst wenn er im kommenden Jahr die US-Wahl verlieren sollte.

„Ihr jungen Leute, ihr solltet alle in die Armee eintreten.“ Quelle: AP
Trump vor einer Schutzscheibe

„Ihr jungen Leute, ihr solltet alle in die Armee eintreten.“

(Foto: AP)

Was man im Fernsehen nicht sehen konnte, war, wie gekonnt die Organisatoren das Publikum in Szene setzte. Blamable Lücken, wie sie bei Trumps Amtseinführung teilweise sichtbar waren, sollten nicht entstehen. Tickets konnte man über das Internet kaufen, Kongressabgeordnete verteilten Einladungen in ihren Wahlkreisen. Der Platz vor Trumps Bühne, die an ein Militärorchester grenzte, wurde eine Stunde vor Redebeginn mit Anhängern gefüllt.

Am Ende lohnten sich die Mühen für Trump: In Washington wird überwiegend demokratisch gewählt, doch am Ufer des Reflecting Pools verteilten sich viele Menschen gleichmäßig, trotz Dauerregens und langer Wartezeit. Anhänger kamen nicht nur aus den angrenzenden Bundesstaaten Maryland und Virginia angereist, sondern auch aus Indiana oder Florida. Viele waren in Gruppen organisiert: Latinas for Trump, Bikers for Trump, Veterans for Trump, Armenians for Trump.

„Er ist der erste Präsident, für den ich ein Schild in meinem Vorgarten aufgestellt habe“, sagte ein Besucher aus Ohio. Trump schaffe Jobs und schütze das Land vor illegalen Einwanderern. Der Mann hat Trump schon öfter auf der Bühne gesehen, aber noch nie in Washington, noch nie in solch staatstragendem Rahmen.

Der Nationalfeiertag erinnert an die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776. Quelle: Reuters
Tausende Zuschauer am Ufer des Reflecting Pools

Der Nationalfeiertag erinnert an die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776.

(Foto: Reuters)

Von Trumps Ansprache selbst blieb nur wenig hängen: Trump streifte den Unabhängigkeitskrieg, die Bürgerrechtsbewegung, die Mondlandung. Er pries den amerikanischen Geist, der „bis zum heutigen Tag durch die Adern jedes amerikanischen Patrioten fließt“. Die USA seien „die außergewöhnlichste Nation in der Geschichte der Welt“, und jetzt gerade sei „Nation stärker als je zuvor“, so Trump.

Er schwärmte von „Rock „n Roll, Wolkenkratzern, wunderschönen Automobilen“, und er würdigte Helden des Alltags, darunter einen Leukämie-Arzt, oder eine Nonne, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Hilfe leistete, dazu Feuerwehrleute, Polizisten, Grenzschützer.

Beinahe hätte man denken können, Trump habe eine Rede für die ganze Nation gehalten. Doch nur wenige Kilometer weiter, zwischen dem berühmten Obelisken des Washington Monument und dem US-Kongress, sollten jene Menschen feiern, die mit Trump überhaupt nichts anfangen können. Wie jedes Jahr trafen sie sie zum Picknick und lauschten Konzerten, viele hielten Anti-Trump-Plakate in der Hand und Miniatur-Ballons des „Trump-Babys“, das durch Proteste in London bekannt wurde.

Das Fest für alle war damit in zwei Parallelveranstaltungen geteilt: ein Symbol für die politische und gesellschaftliche Spaltung der USA, die nicht erst seit Trump existiert, aber durch ihn offensichtlich wie nie wurde.

Mehr: Trump liegt vielleicht richtig damit, den Diktator Kim Jong Un zum Staatsmann aufzuwerten. Er könnte mit seinem Handeln Weltgeschichte schreiben, kommentiert Handelsblatt-Korrespondent Martin Kölling.

Kampfjets am Independence Day: So feierte Washington den 4. Juli
Unabhängigkeitstag in den USA
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US-Präsident Donald Trump hat die Feiern zum Unabhängigkeitstag in Washington für eine umstrittene militärische Machtdemonstration genutzt.

(Foto: AFP)
Fourth-of-July-Festlichkeiten in Washington
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Das Militär zeigte Waffenübungen. Die Kosten für das Spektakel hat die Regierung bislang nicht beziffert. Trump hatte auf Twitter geschrieben, sie würden „sehr gering sein im Vergleich zu dem, was es wert ist“.

(Foto: AFP)
Wartende Menschenmassen
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Trotz zeitweise starken Regens versammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Lincoln Memorial, wo US-Präsident Donald Trump seine Ansprache hielt.

(Foto: AP)
Donald und Melania Trump
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Um 18:30 Uhr Ortszeit betrat der US-Präsident mit seiner First Lady die Bühne vor dem Lincoln Memorial...

(Foto: AFP)
Donald und Melania Trump
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...und begrüßte die im Regen wartenden Menschenmassen.

(Foto: AFP)
Donald Trump
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Es ist ungewöhnlich, dass der Präsident sich bei den Feierlichkeiten auf der National Mall in Washington am Unabhängigkeitstag an die Bevölkerung wendet. Die Veranstaltung ist eigentlich unpolitisch.

(Foto: AP)
Lincoln Memorial
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Das Podium, auf dem US-Präsident Donald Trump hinter schusssicherem Glas sprach, wurde vor das Lincoln Memorial aufgebaut, das in Washington an den 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten erinnert.

(Foto: AFP)
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5 Kommentare zu "Independence Day: Trump liefert die fast perfekte Patriotismus-Show"

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  • - Fortsetzung -

    Das heißt, dass unter ansonsten gleichen Bedingungen die intern "liberaleren" Staaten mit vergleichsweise geringen Steuern und zurückhaltenderer Gesetzgebung den Sieg über weniger "liberale", das heißt repressivere Staaten davontragen werden und ihr Territorium oder ihre Reichweite hegemonialer Kontrolle ausweiten werden." (Hans-Hermann Hoppe: Eine kurze Geschichte der Menschheit. Fortschritt und Niedergang, Grevenbroich: Lichtschlag Verlag, S. 122)
    Und genau deshalb war die repressive, diktatorische Sowjetunion (zumal sie auch noch kommunistisch und nicht marktwirtschaftlich war) der USA letztendlich im Kampf um die Welt-Hegemonie unterlegen - und das werden auch China und Russland letztendlich sein, wenn sie intern nicht "liberaler" werden...

  • @ Hans Schönenberg
    "Ich bin gegen jeglichen Militär-Pomp, egal ob Moskau, Peking oder Paris. Sowas passt nicht mehr in die Welt, auch nicht in die USA."

    Wer von diesen drei (und wenn wir die EU als vierte Möchtergern-Großmacht hinzu zählen: von diesen vier) glauben Sie, wird den Kampf um die Weltherrschaft gewinnen? ;-))
    Entscheidend ist es, das grundsätzliche WESEN von Staaten zu erkennen - und die Zwangsläufigkeit, die mit diesem Wesen einhergeht. Die Erzeugung von "Patriotismus" oder "Nationalismus" bei den Staats-Bürgern dient letztendlich auch nur der einfacheren Durchsetzung dieses Wesens.
    Und halten Sie sich fest - jetzt wird es richtig, richtig gut:
    "Jeder Staat muss territorial 'klein' anfangen. Aufgrund dessen ist es ein Leichtes für produktive Menschen, wegzulaufen und seiner Besteuerung und Gesetzgebung zu entkommen. Natürlich gefällt es dem Staat nicht, seine produktiven Menschen weglaufen zu sehen [die ehemalige DDR musste aus genau diesem Grund auch eine Mauer errichten!!!; der Kommentator], und er versucht sie einzufangen, inden er sein Territorium ausdehnt. Je mehr produktive Menschen der Staat unter seiner Kontrolle hat, desto besser wird es ihm gehen. In seinem Expansionsbestreben [genau dieses Expansionsbestreben sehen wir heute bei der vierten Möchtegern-Weltmacht EU!!!; der Kommentator] trifft er auf Widerstand von anderen Staaten. (...) Der Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Staaten ist eliminativ. Entweder gewinnt A und kontrolliert das Territorium, oder B. WER GEWINNT? Zumindest langfristig wird jener Staat gewinnen (...), der von einer produktiveren Wirtschaft parasitär zehren kann.

  • "Das Bild, das sich bot, symbolisierte einerseits die US-Militärmacht – aber wirkte zugleich beklemmend, denn von Menschenmassen umringte Panzer kennt man sonst eher von Machtdemonstrationen autoritärer Regimes."

    Fragen dazu:
    1. Wessen Eindruck war das? Welcher vor Ort anwensende US-Amerikaner, dem sich dieses Bild tatsächlich bot, bekam ein beklemmendes Gefühl? (Oder wäre die Texterin beklemmt gewesen, wenn sie vor Ort gewesen wäre und fühlt sich daher beim Schreiben beklemmt.) Der Satz hört sich für mich nach szenischer Rekonstruktion an und löst daher bei mir ein sehr beklemmendes Gefühl aus.

    2. Ist bspw. Frankreich auch ein autoritäres Regime?

  • Ich bin gegen jeglichen Militär-Pomp, egal ob Moskau, Peking oder Paris. Sowas passt nicht mehr in die Welt, auch nicht in die USA. Hoffentlich streicht das ein späterer Präsident wieder. Great again bedeutet in den USA Unterdrückung von schwächeren Völkern (siehe Libyen, Irak, Afghanistan und vielen anderen. Das das auch nicht funktioniert, hat man spätestens in Korea und Vietnam gesehen. Da sind die ganzen politischen Umstürze, verursacht durch den CIA, noch gar nicht eingerechnet. Ich weiß natürlich: Russland macht das nicht kleinerem Umfang auch, siehe Krim und Ukraine. Die Chinesen machen es in wirtschaftlicher Hinsicht.

  • Ich bin kein Fan weder vonTrump noch von Militaerparaden, aber was in Frankreich und
    anderen Laendern normal ist, wird Trump angekreidet. Quod licet jovit, non licet bovit.

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