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Indiens Bangalore Härtetest für das High-Tech-Paradies

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Das war lange explosiv. Die Wirtschaftsleistung der Stadt wuchs im vergangenen Jahrzehnt im Schnitt mit zwölf Prozent pro Jahr. 1991 war in der Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka erst ein Dutzend IT-Firmen ansässig. Heute sind es 1 500. Rund 40 Prozent aller exportierten Dienstleistungen und 15 Prozent der Warenausfuhren Indiens stammen aus Bangalore. Die Stadt verbreitet noch immer Aufbruchstimmung und zieht Glücksritter aus dem ganzen Land an, von Ingenieuren bis zu Wanderarbeitern. Dafür opfert die Metropole ihr durchaus attraktives Stadtbild ohne Wimpernzucken einem wild wuchernden Fortschritt. Über Nacht weichen Gärten und bonbonfarbige Kolonialbungalows gesichtslosen Hochhäusern, Einkaufszentren oder Apartmentblocks. Die Einwohnerzahl hat sich innerhalb von 25 Jahren auf 6,5 Millionen verdoppelt – aber die öffentliche Infrastruktur wuchs nicht mit.

Globalisierungsgewinner flüchten vor den Folgen in noble Stadtviertel mit Namen wie „Palm Meadows“, „Prestige Vista“ oder „Paradise Nest“, autarke Wohngebiete mit eigener Strom- und Wasserversorgung. Von Palmen beschattete Bungalows hinter hohen Mauern, Schwimmbecken und akkurat gepflegte Vorgärten wirken dort wie Kulissen eines Hollywoodfilms.

Auch Firmen müssen elementare Infrastruktur teuer selbst beschaffen. „Hier kommt unser Wasser“, sagt SAP-Manager Neumann und zeigt auf einen feuerroten Tankwagen, der im Hof vorbeirollt, „da ist wohl wieder mal die Leitung trocken.“ Der Strom fällt bei ihm jeden zweiten Tag aus, riesige Generatoren stehen für solche Fälle bereit. Um ihre Angestellten ins Büro zu transportieren, ist die deutsche Softwareschmiede zu einem Fuhrunternehmen geworden und hat mit 50 eigenen Bussen 25 Linien quer durch die Stadt eingerichtet.

Bereits Staatsgründer Nehru wollte Bangalore in „Indiens Stadt der Zukunft“ verwandeln. Jahrzehntelang investierte die Regierung massiv in Spitzenuniversitäten und wissensintensive Branchen. Dabei förderte die Politik vor allem staatseigene Betriebe in Luft- und Raumfahrt. Liberalisierung, ausländisches Kapital und lokale Unternehmer haben dazu beigetragen, dass die Saat seit zehn Jahren aufgeht. Nun versäumt es die Regierung aber, den kometenhaften Aufstieg der Stadt zu einem der führenden Technologiezentren der Welt abzusichern.

An der Mahatma Gandhi Road im Zentrum rostet ein Schild vor sich hin, das den Bau einer U-Bahn an-kündigt. Doch bei dem Projekt, das 2003 seinen Betrieb aufnehmen sollte, geht es nicht voran. Auch ein versprochener Biotech-Park kommt nicht aus den Startlöchern, und Pläne für eine überfällige Ringautobahn vergilben genauso in den Schubladen der Verwaltung wie die Entwürfe für Hochstraßen zu wichtigen IT-Parks.

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