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Industriestrategie Milliarden-Förderung: Deutschland und Frankreich starten Batterieprojekt

Die Wirtschaftsminister Altmaier und Le Maire haben das erste europäische Batteriekonsortium vorgestellt. Mit dabei sind auch Siemens und die Opel-Mutter PSA.
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Deutschland und Frankreich wollen die erste Batterie-Initiative mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro fördern. Quelle: AFP
Peter Altmaier, Maros Sefcovic und Bruno Le Maire (v.l.)

Deutschland und Frankreich wollen die erste Batterie-Initiative mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro fördern.

(Foto: AFP)

Paris Europa kommt industriepolitisch voran: Die Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Bruno Le Maire haben gemeinsam mit EU-Kommissions-Vizepräsident Maros Sefcovic am Donnerstag in Paris offiziell das europäische Projekt für die Herstellung von Batterien für E-Autos gestartet. „Das ist eine wichtige Etappe in der europäischen Wirtschaftsgeschichte, die zeigt, dass Europa seine wirtschaftliche und technologische Souveränität aufbauen kann und nicht abhängig ist von den USA und China“, sagte Le Maire.

Die drei Politiker nannten zunächst nur ein Konsortium, das aus dem französischen Batteriehersteller Saft, Siemens, dem deutschen Batteriespezialisten Manz, dem Autohersteller Peugeot-Citroën-Opel (PSA) und dem belgischen Chemiekonzern Solvay besteht. „Saft-PSA ist das erste, weitere Konsortien werden folgen“, sagte Altmaier.

Deutschland und Frankreich wollen die erste Initiative mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro fördern. 2020 soll eine Pilotfabrik in Frankreich entstehen, in den Jahren 2022 und 2023 jeweils ein Werk in Deutschland und Frankreich. Von den Plänen hatte das Handelsblatt am Montag berichtet.

Die genauen Standorte der Werke gaben die Minister nicht bekannt. Im Falle von Opel ist ein Werk in Kaiserslautern in der Diskussion. Auch die Zusammensetzung der weiteren Konsortien ließen sie offen. BMW und die schwedische Northvolt hatten im März eine Kooperation angekündigt, bei der aber die Forschung im Vordergrund stehen soll. „Über 30 deutsche Unternehmen haben Interesse bekundet, aber es ist ihre unternehmerische Entscheidung, sich zusammenzuschließen und das bekanntzugeben“, erklärte Altmaier.

Die EU-Kommission hat die staatlichen Beihilfen von zunächst 1,2 Milliarden Euro abgesegnet. Deutschland und Frankreich verstießen damit nicht gegen das Wettbewerbsrecht, auch die Gründung des ersten Konsortiums sei juristisch unbedenklich.

Die Bundesregierung hat eine Förderung bis zu einer Milliarde Euro für die Batteriezellenfertigung in Deutschland in Aussicht gestellt. Für die erste Gruppe von Unternehmen werden es 500 Millionen Euro sein, aus Frankreich fließen dafür 700 Millionen Euro. EU-Hilfen aus den Strukturfonds könnten dazukommen. „Insgesamt werden fünf bis sieben Milliarden Euro investiert“, kündigte Le Maire an.

Bekanntgabe überrascht Opel-Mutter PSA

Die europäischen Nachbarn stellten ihre gemeinsame Initiative in den vergangenen Tagen unter großem Zeitdruck fertig. Das wird auch daran deutlich, dass PSA von der Bekanntgabe des Konsortiums überrascht wurde. Der Autokonzern hat noch nicht endgültig beschlossen, sich an der Initiative zu beteiligen, wie er nach der Pressekonferenz der drei Politiker bekanntgab. „Aber wir sind bei seiner Vorbereitung mit von der Partie und haben eine Beschlussvorlage“, sagte ein Sprecher in Paris. Die EU müsse allerdings deutlicher machen, welche Hilfen sie zur Verfügung stellen werde.

Die PSA-Tochter Opel zählt in diesem Rahmen als deutsches Unternehmen, bestätigte Altmaier dem Handelsblatt: „Selbstverständlich, Opel ist seit über 100 Jahren ein deutscher Hersteller“, bekräftigte der Minister. Le Maire sagte, dass auch Polen, Finnland, Belgien, Österreich und Schweden sich für eine Mitarbeit interessierten.

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Die EU-Kommission werde die detaillierte, formelle Genehmigung vor dem Ende ihrer Amtszeit im Herbst ausstellen, versicherte Sefcovic. Darin sollen auch die exakten Bedingungen für die Förderwürdigkeit präzisiert werden, darunter auch eine höhere Leistungsfähigkeit der Batterien und ihre Recycelbarkeit.

Sefcovic sagte, dass die Entwicklung eines „neuen Standards für die Software zur Ladung und Entladung der Batterien“ Teil des Projekts sei. Das solle die Vereinbarkeit mit dem europäischen Stromnetz gewährleisten. „Elektroautos werden auf diese Weise auch eine wichtige Funktion als Stromspeicher erhalten“, erklärte der EU-Kommissar.

Deutsche Industrie will sich von China lösen

Die deutschen Autohersteller sind derzeit von chinesischen und koreanischen Batterielieferanten abhängig. Angesichts verschärfter Abgasnormen ab 2023 müssen sie deutlich mehr E-Autos anbieten als in der Vergangenheit. „Sie wollen aber verhindern, dass sie technisch und wirtschaftlich allein von China abhängig werden“, sagte Le Maire. Deshalb habe die Industrie den Anstoß zum europäischen Batterieprojekt gegeben. „Wir betreiben hier keinen russischen Kollektivismus, dies ist ein privates Projekt mit staatlicher Unterstützung“, erklärte der französische Wirtschaftsminister.

Anfangs werde an Flüssigtechnologie-Batterien gearbeitet, anschließend an Feststoff-Batterien, erläuterte der Minister. Es gehe um die gesamte Wertschöpfungskette, von den Rohstoffen über Fertigung, Einsatz in der Autoindustrie bis zum Recycling. „Wir wollen die besten Batterien bauen, weil wir weiter die besten Autos der Welt in Europa bauen wollen“, sagte Sefcovic. Der Weg dahin sei aber noch weit: „Derzeit stellen die Europäer nur drei Prozent der weltweiten Batteriefertigung.“

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3 Kommentare zu "Industriestrategie: Milliarden-Förderung: Deutschland und Frankreich starten Batterieprojekt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nur so kann man und muss man den Europäischen Gedanken fordern und fördern. Nur Erfolg gibt einem Recht.

  • In diesem Fall glaube ich auch, dass staatliche Foerderung notwendig ist. Das Problem liegt
    in der sehr schwer vorhersehbaren technischen Entwicklung. Wenn da ein Durchbruch kommt, sind die Milliarden der derzeitigen Technologie in den Sand gesetzt.

  • Schön, dass endlich etwas vorangeht:
    Bei Airbus hat es in der Anfangsphase auch gedauert - bis heute ein weltweit SPITZENUNTERNEHMEN entstanden ist.
    Scheinbar muss die Politik Unterstützung leisten, damit sich in der Wirtschaft die Unternehmen zusammenfinden (dürfen - vgl Kartellrecht).

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