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Inflation Indiens Zwiebelkrise bringt Regierungschef Modi in Bedrängnis

Der Preis für Indiens Grundnahrungsmittel hat sich fast verfünffacht. Im Kampf gegen die Inflation stoppt die Zentralbank nun die Lockerung der Geldpolitik.
12.12.2019 - 09:19 Uhr Kommentieren
Um die Probleme einzudämmen, verhängte Regierungschef Modi im September einen Exportstopp für Zwiebeln. Quelle: dpa
Zwiebeln in einem Großhandel

Um die Probleme einzudämmen, verhängte Regierungschef Modi im September einen Exportstopp für Zwiebeln.

(Foto: dpa)

Bangkok In den meisten indischen Currys sind Zwiebeln ein unverzichtbarer Bestandteil. Nun entwickelt sich das beliebteste Gemüse des Subkontinents auch zur Grundzutat für eine wirtschaftliche Krise. Die Lage ist ernst: Am Dienstag nahm der zuständige Ernährungsminister von Regierungschef Narendra Modi im Parlament offiziell Stellung zur Zwiebelkrise, die sich in dem Land seit Wochen zuspitzt.

Die durchschnittlichen Preise hätten sich seit März von umgerechnet 20 Cent pro Kilo auf über einen Euro mehr als verfünffacht, erklärte das Kabinettsmitglied. In einzelnen Gegenden, etwa im Bundesstaat Goa, würden gar mehr als zwei Euro fällig.

Der starke Preisanstieg besorgt nicht nur Inder, die beim Vorratskauf nun knapp bei Kasse sind. Er entwickelt sich auch zu einem ernstzunehmenden Problem für Modis Regierung: Zum einen schlachtet die Opposition das Aufregerthema aus – sie sieht darin einen weiteren Beleg dafür, dass sich der Premier nicht genug um die Interessen der Armen kümmert.

Zum anderen sind die explodierenden Zwiebelpreise für Modi auch ein erheblicher Rückschlag im Kampf gegen den Konjunktureinbruch, für den der Premier bisher noch kein Gegenmittel gefunden hat.

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    Seit anderthalb Jahren geht das Wirtschaftswachstum auf dem Subkontinent stetig zurück. Von dem Titel der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft der Welt musste sich Indien längst verabschieden. Zuletzt lag die Zuwachsrate nur noch bei 4,5 Prozent – angesichts von Indiens Entwicklungsgrad ist das sehr wenig.

    Leitzinsen werden doch nicht gesenkt

    Mit Blick auf den Abwärtstrend zeigten sich Analysten unisono überzeugt davon, dass Indiens Zentralbank die Leitzinsen weiter senken würde, um die Wirtschaft damit anzuschieben. Das sorgte vergangene Woche aber für eine Überraschung, indem Notenbankchef Shaktikanta der Erwartung nicht folgte und die Zinsen unverändert ließ. Einer seiner Hauptgründe dafür: Indiens schnell steigende Inflation.

    Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Ökonomen ist die Teuerungsrate im November auf 5,3 Prozent gestiegen. Einen Monat zuvor lag sie noch bei 4,6 Prozent. Lebensmittelpreise sind der wichtigste Bestandteil des indischen Verbraucherpreisindex – und während auch andere Nahrungsmittel teurer wurden, fallen die Zwiebelpreise besonders ins Gewicht.

    Für Narendra Modi bedeutet das, dass er sich in der nahen Zukunft wohl kaum noch auf die Unterstützung der Notenbanker verlassen kann, wenn es darum geht, die indische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Die Hälfte der von Reuters befragten Ökonomen glaubt, dass es auch bei der nächsten Zentralbankentscheidung im Februar keine Lockerung der Geldpolitik geben wird.

    Der indische Regierungschef fürchtet den Unmut seinem Volkes über die hohen Lebensmittelpreise. Quelle: Reuters
    Narendra Modi

    Der indische Regierungschef fürchtet den Unmut seinem Volkes über die hohen Lebensmittelpreise.

    (Foto: Reuters)

    Hauptgrund für den Gemüsepreisanstieg ist das Wetter: Erst litten die Bauern an einer Dürre, dann zerstörten extreme Regenfälle ihre Pflanzen. Am Ende fiel die Ernte deutlich geringer aus als sonst. Für Politiker sind solche Situationen in Indien gefährlich: Die durch hohe Lebensmittelpreise ausgelöste Unzufriedenheit in der Bevölkerung brachte in der Vergangenheit bereits mehrere indische Regierungen zu Fall.

    So wird etwa Indira Gandhis Rückkehr an die Macht Anfang der 80er-Jahre ihrer damaligen Kampagne gegen hohe Zwiebelpreise zugeschrieben. Auch Modis Vorgänger, Manmohan Singh, hatte 2013 mit hohen Zwiebelpreisen zu kämpfen – und wurde im Jahr darauf abgewählt.

    Auch ein Exportstopp hilft nicht

    Um die Probleme einzudämmen, verhängte Modi im September einen Exportstopp für Zwiebeln. Eine spürbare Preissenkung erzielte er damit aber nicht. Stattdessen zog er den Ärger der Bauern auf sich, die sich um eine wichtige Einnahmequelle gebracht fühlen. Gleichzeitig wird seiner Regierung vorgeworfen, unsensibel auf das Thema zu reagieren.

    Finanzministerin Nirmala Sitharaman erklärte vergangene Woche bei einer Parlamentsdebatte, dass sie selbst ohnehin nur wenig Zwiebeln esse und sie keinen Grund zur Sorge sehe. In sozialen Medien wurde ihr daraufhin vorgeworfen, das Problem nicht ernst genug zu nehmen.

    Der indischen Presse kann man unterdessen keineswegs vorwerfen, das Thema zu vernachlässigen. Die Zeitungen des Landes liefern seit Wochen beinahe täglich Geschichten über die kuriosen Auswüchse der Zwiebelkrise: So seien einerseits die Fälle von Zwiebelraub massiv angestiegen, andererseits gilt das Gemüse inzwischen offenbar als gefragter Wertgegenstand: Ein indisches Paar machte Schlagzeilen, nachdem es anstelle von teurem Schmuck mit einem Teller Zwiebeln für ein Hochzeitsfoto posierte.

    Auch in Indiens internationalen Beziehungen macht sich die Zwiebelkrise bemerkbar: Eigentlich ist Modis Regierung gerade nicht gut auf die Türkei zu sprechen, nachdem deren Präsident Recep Tayyip Erdogan Indiens Verhalten in der Kaschmirkrise kritisiert hatte.

    Doch angesichts der Zwiebelknappheit will man in Neu Delhi die Kontakte nach Ankara nicht abreißen lassen: Die Türkei könnte die Lage nämlich zumindest ein wenig lindern. Vor wenigen Wochen bestellten Indiens Behörden bei den Türken 11.000 Tonnen Zwiebeln. Wenn alles gut geht, sollen sie Anfang Januar in Indien eintreffen.

    Mehr: Indiens Konjunktureinbruch könnte für Modi ein heilsamer Schock sein, kommentiert Mathias Peer.

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