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Infrastrukturprogramm Japan und China investieren in Asien um die Wette

China will sich mit dem Jahrhundertprojekt „One Belt, One Road“ Einfluss in Asien kaufen. Doch jetzt zeigt sich, dass Japan ein starker Gegner bleibt.
26.01.2020 - 10:56 Uhr Kommentieren
Ein Boot der chinesischen Küstenwache, fotografiert von einem Schiff der indonesischen Marine. Quelle: via REUTERS
Zusammentreffen nördlich der Natuna-Inseln

Ein Boot der chinesischen Küstenwache, fotografiert von einem Schiff der indonesischen Marine.

(Foto: via REUTERS)

Tokio Geopolitische Rangeleien der Wirtschaftsmächte haben für Schwellenländer mitunter auch ihr Gutes. Wenn es mit dem einem Geldgeber für Infrastrukturprojekte nicht recht funktioniert, kann man sich an den nächsten wenden. Von diesem Luxus machte gerade Indonesiens Präsident Joko Widodo Gebrauch.

China überschüttet die Region zwar im Rahmen seines riesigen Infrastrukturprogramms „One Belt, One Road“ mit Geld. Nur schickte die Großmacht gerade seine Küstenwache und eine kleine Fischerflotte in ein Seegebiet, das auch Indonesien beansprucht. Und so bat der erzürnte Widodo vorige Woche Chinas Rivalen Japan um Geld für Fischereiprojekte auf den Natuna-Inseln. „Ich möchte Japan einladen, in Natuna zu investieren“, sagte er laut Medienberichten zu seinem Gast, Japans Außenminister Toshimitsu Motegi.

Geht es nach Widodo, würde Japan ein Investitionsprogramm für Häfen und Fischmärkte in der Region aufstocken, deren Bau noch nicht einmal begonnen hat. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass Japans Regierung dem Wunsch nachkommt. Immerhin erklärte Motegi, dass Japan und Indonesien ernsthafte Sorgen über Chinas Versuche teilten, mit Gewalt den Status Quo im Südchinesischen Meer zu ändern.

Die Episode unterstreicht die zunehmende Rivalität zwischen China und westlichen Staaten in Asien und auch Afrika. Bis vor wenigen Jahren war Japan in Asien unbestritten Geldgeber Nummer Eins, entweder direkt oder indirekt mit der von Japan initiierten Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). Doch dann öffnete das Reich der Mitte seine prall gefüllte Staatskasse, um sich selbst zur Großmacht zu kaufen.

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    2013 kündigte Chinas Regierung an, mit großen Infrastrukturprojekten eine neue „Seidenstraße“ zu bauen. „One Belt, One Road“ war geboren. Anders als die historische Seidenstraße will sich China allerdings nicht nur zu Lande mit Europa verbinden, sondern auch zu See. Zudem liegt auch Afrika im Visier. 2016 folgte Chinas ADB-Kopie, die Asiatische Infrastruktur-Investment Bank (AIIB).

    Es wird nicht nur Geld für Infrastruktur benötigt

    Beide Ideen kamen gut an. Denn die Region benötigt mehr Geld für Verkehrswege, Schulen, Krankenhäuser und andere Infrastruktur als bisher zur Verfügung steht. Aber es geht es eben nicht nur um Infrastruktur, sondern auch geopolitischen Einfluss: die Kontrolle von Ressourcen, militärischen und zivilen Häfen, Bahnverbindungen und Regierungen.

    Japan trat daher der AIIB nicht bei, sondern konterte von Beginn an. Bereits 2013 gab Japans Ministerpräsident Shinzo Abe den Auftrag, die Entwicklungshilfe seines Landes auf den neuen Rivalen einzustellen. Und so entstand bis 2016 die Strategie der „hochqualitativen Infrastruktur“ und des „freien und offenen Indo-Pazifiks“. Durch den verlaufen Japans wichtigste Seewege.

    Für Purnendra Jain, Wirtschaftsprofessor der australischen Universität von Adelaide, ist der Grund klar: „Der Anstoß zum Handeln stammt hauptsächlich von China.“ Der neue Rivale schien mit seiner „Scheckbuchdiplomatie“ die Oberhand zu gewinnen. Und mit jedem Sieg Chinas senkte Japan frühere Beschränkungen und erhöhte die Summen.

    Für Jain ist 2015 ein wichtiger Wendepunkt in Japans Strategie. Damals verlor das Land den Bau des indonesischen Hochgeschwindigkeitszugs an China, das weniger Auflagen an den Auftrag band. Danach gab Japan seine Sanktionen gegen Indien auf, um wenigstens dort seine Technik zu verbauen.

    Neben einer wirtschaftlichen Auswirkung habe dies natürlich auch eine „strategische Dimension“, meint Jain, der gerade Indien bereist. Japan habe erkannt, dass das Land durch den Verkauf von Hardware die Fähigkeit schaffe, den Bau von Infrastruktur in der Region zu steuern oder wenigstens dabei zu sein. Und diese Fähigkeit lässt sich Japan viel kosten.

    Finanzielle Nachhaltigkeit im Fokus

    Dabei will Japan mit seinem Qualitätsversprechen besonders darauf achten, dass Projekte vor allem finanziell nachhaltig sind, also die Länder die Projekte selbst verwalten und finanzieren können. Und weil Qualität und Einfluss bekanntlich Geld kosten, verdoppelte Abe die Exporthilfe im Jahr 2017 nahezu – auf 200 Milliarden Dollar pro Jahr.

    Für Tobias Harris vom Sicherheitsberater Teneo Intelligence zahlt sich diese Kombination aus Geld und Konzept aus: „Japan blieb eine wichtige alternative Finanzquelle für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten.“ Trotz Chinas „Belt-and-Road“-Initiative und der AIIB. Denn neben Chinas aggressiven Gebietsansprüchen im Südchinesischen Meer werden viele Länder auch von Chinas mitunter aggressiver Investitionspolitik erschreckt, der „Schuldenfallendiplomatie“.

    Als Paradebeispiel gilt der Hambantota-Hafen in Sri Lanka. China nutzte eine Zahlungskrise des Landes, um gegen die Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar 70 Prozent der Anteile am Riesenhafen für 99 Jahre zu leasen. Damit kontrolliert China einen Standort, der nicht nur am wichtigsten Wasserweg der Region liegt, sondern auch in der Interessensphäre seines regionalen Rivalen Indien.

    Doch das Wettrennen um die Entwicklungsländer ist längst kein Duell mehr, sondern ein Mix aus Kooperation und Konkurrenz vieler Mächte. So kooperiert Japan seit 2017 offiziell mit vielen „chinesischen“ Projekten, erzählt Martin Schulz, Volkswirt am Wirtschaftsforschungsinstitut von Fujitsu. Denn beide Seiten ergänzten sich. „Chinas Firmen bauen die Häfen, Japans liefern die ‚smarte Infrastruktur‘ wie Logistik und Software“, so Schulz.

    Doch rasch bemerkte Japan, dass auch diese Projekte über China liefen, so Volkswirt Schulz. „Japan suchte daher nach Alternative und fand sie in der Europäischen Union (EU).“ Im September 2019 beschlossen Japan und die EU, in „dritten Märkten“ zu kooperieren, konkret auf dem Balkan, in Osteuropa, Zentralasien, Afrika und dem indo-pazifischen Raum. Es sei zwar schwer, europäische und japanische Unternehmen zur Zusammenarbeit zu bringen, sagt der Experte. Deutsche Mittelständler müssten dann mit japanischen Großkonzernen verhandeln, so Schulz. „Aber in der Kooperation steckt Potenzial.“

    Mehr: Der Chef der Asiatischen Entwicklungsbank erwartet ein schwächeres Wachstum Chinas und der USA. Der Japaner empfiehlt Peking den Aufbau eines besseren Sozialsystems.

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