Innenpolitische Risiken Karadzic-Verhaftung Fluch und Segen für Serbien

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Die Regierung wird von den Demokraten des Staatspräsidenten Boris Tadic geführt und ist eine fragile Koalition aus Marktreformern und populistischen Pensionärsfunktionären - und eben Dacics Sozialisten. Schon weil er statt mit den starken Radikalen ein Bündnis mit Tadics Demokraten (DS) einging, hat sein Ansehen laut Umfragen stark gelitten. Die Verhaftung Karadzics lässt ihn nun endgültig als "Verräter" dastehen, als den ihn Aleksandar Vucic, Generalsekretär der Radikalen, brandmarkt.

Noch in der Nacht demonstrierten sie vor dem Untersuchungsgefängnis gegen "Tadics Verräterbande", die Serbien zur "Geisel der USA" mache. Ein Großaufgebot der Polizei riegelte Kerker und US-Botschaft ab, nachdem im März bereits nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos aufgebrachte Demonstranten in Belgrads Innenstadt Botschaften und Läden geplündert hatten. Die geplante Auslieferung Karadzics nach Den Haag werde so zur innenpolitischen Zerreißprobe, warnen serbische Zeitungen.

Doch die politische Führung ließ keinen Zweifel daran, dass sie Karadzic ausliefern will - wie von der EU als Voraussetzung für eine Annäherung an Brüssel gefordert: "Serbien macht damit ganz klar, dass es ernsthaft nach Europa will", sagte Außenminister Vuk Jeremic (DS). Als weiteres Zeichen des guten Willens Belgrads will Jeremic nun auch die nach der Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos aus vielen Hauptstädten - darunter Berlin - abgezogenen serbischen Botschafter zurückschicken. Präsident Tadic bekräftigte dies. Vor einer Woche bestätigte er gegenüber dem Handelsblatt, er werde in Kürze darüber entscheiden. So solle klargemacht werden, dass Serbien nun alles getan habe für EU-Beitrittsverhandlungen.

Auch Sozialistenchef Dacic unterstrich nochmals: "Serbiens Weg führt nach Europa, nicht in die Isolation." Aber genau dorthin wollen die noch immer mächtigen knappen Verlierer der Parlamentsneuwahl vom Mai, die Radikalen und Nationalisten, die Sozialisten ziehen - und so eine erneute Regierungskrise in Belgrad heraufbeschwören.

Den Pro-Europäern in Serbien jedenfalls kommt Karadzics Festnahme sehr gelegen: Gestern kam der Chefankläger des Haager Tribunals, Serge Brammertz, planmäßig nach Belgrad. Er sollte für die EU erkunden, ob Serbien mit seiner Behörde auch wirklich kooperiere. Gestern stellte er zufrieden fest: "Das ist ein wichtiger Tag für die Opfer, die seit über einem Jahrzehnt auf diese Festnahme gewartet haben." Zudem sei dies eine Warnung an alle Kriegsverbrecher, "dass niemand außerhalb des Gesetzes steht und dass alle Flüchtigen früher oder später der Justiz überstellt werden".

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