International Crisis Group kritisiert Verfassungsentwurf Karsai für starken Präsidenten in Afghanistan

Vor der Verfassunggebenden Versammlung in Kabul hat Präsident Karsai gefordert, dass die Rolle des Staatschefs gestärkt wird.

HB BERLIN. In Afghanistan hat die Ratsversammlung am Sonntag ihre Beratungen über eine Verfassung aufgenommen. Präsident Hamid Karsai hält eine starke Rolle des Staatschefs für unabdingbar. «Wir sind ein Nachkriegsland, wie brauchen Stabilität sowie einen dauerhaften und nachhaltigen Frieden», sagte Karsai vor den etwa 5 000 Delegierten in Kabul.

Zuvor hatte der frühere afghanische König, Mohammed Sahir Schah, die Loja Dschirga eröffnet. Wenn der vorliegende Verfassungsentwurf gebilligt werde, stehe dem Land Wohlstand bevor, sagte der 89-Jährige.

Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde der moderate Mudschaheddin-Führer Sebghatullah Mudschadadi gewählt.

Der Verfassungsentwurf sieht eine islamische Republik mit einem direkt gewählten Präsidenten an der Spitze vor. Wenn die Verfassung verabschiedet wird, sollen im nächsten Juni Wahlen stattfinden.

Die in Brüssel ansässige International Crisis Group (ICG), ein renommierter Think-Tank, der von verschiedenen Regierungen finanziert wird, kritisierte den Entwurf jedoch scharf. Er habe «bedeutende Fehler», hieß es. So fehle es wie in allen vorausgegangenen afghanischen Verfassungen an Möglichkeiten, die Verfassung auch durchzusetzen und ihr Legitimität zu verschaffen.

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