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Internationale Beziehungen Israel und die Golfstaaten: Das neue diplomatische Kalkül im Nahen Osten

Der Besuch einer Delegation aus den Emiraten in Tel Aviv zeigt, wie ernst es mit der neuen Freundschaft ist. Nicht alle Länder profitieren davon.
21.10.2020 - 15:34 Uhr Kommentieren
In der arabischen Welt dominiert die Überzeugung, dass ein Frieden mit Israel im Weißen Haus gern gesehen und entsprechend honoriert wird. Quelle: dpa
Emiratische Delegation zu Besuch in Israel

In der arabischen Welt dominiert die Überzeugung, dass ein Frieden mit Israel im Weißen Haus gern gesehen und entsprechend honoriert wird.

(Foto: dpa)

Tel Aviv Die politische Landschaft des Mittleren Ostens könnte sich in den kommenden Jahren deutlich ändern. Zwei Golfstaaten – die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain – bauen mit hohem Tempo ihre wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Israel aus. Weitere Regimes könnten folgen, zum Beispiel Kuwait und Oman, später vielleicht sogar Saudi-Arabien.

Israels Liaison mit den VAE und Bahrain ist an sich nicht neu. Aber sie war über die letzten Jahre hinweg geheim. Weder die Emirate noch Bahrain wollten ihre Beziehung zu Jerusalem an die große Glocke hängen – auch um Rücksicht auf die arabischen Palästinenser zu nehmen. Doch nun ist der israelische Konflikt mit ihrem Brudervolk kein Argument mehr, keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu führen: Die neue Freundschaft mit Jerusalem wird am Golf gepriesen und gelobt.

Erstmals besuchte am Dienstag eine hochrangige Delegation von Regierungsvertretern aus den Emiraten Israel. Zwischen Abu Dhabi und Tel Aviv sollen tägliche Flüge für Touristen, Geschäftsleute und Investoren angeboten werden, gemeinsame Forschungs- und Investitionsprojekte sind bereits in Angriff genommen worden, und bis Ende des Jahres wollen die neuen Partner Botschaften in Abu Dhabi, der bahrainischen Hauptstadt Manama und Tel Aviv eröffnen.

Die Emirate und Bahrain denken nicht nur ans Geschäft, sondern auch an ihre eigene Sicherheit. Künftig wollen sie sich auf das militärisch und technologisch starke Israel stützen. Der neue Alliierte soll den Regimes bei der Abwehr einer für sie existentiellen Gefahr helfen: die Islamisten in der Region und außerdem der Iran mit seinen Milizen im Jemen, Syrien, im Irak und im Libanon.

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    Die Annäherung an Israel ist vor allem von der Angst getrieben, dass sich die USA aus der Region zurückziehen könnten, wie es US-Präsident Donald Trump bereits deutlich gemacht hat. In den letzten Monaten gab es mehrere Beispiele für die fehlende Bereitschaft der USA, sich militärisch für die Interessen der Golfstaaten einzusetzen. So verzichtete Trump auf eine Reaktion, als im September 2019 saudi-arabische Ölanlagen vom Iran angegriffen wurden. Er reagierte nicht einmal, als einige Monate zuvor eine US-Aufklärungsdrohne über der Straße von Hormus abgeschossen wurde.

    In der arabischen Welt dominiert die Überzeugung, dass ein Frieden mit Israel im Weißen Haus gern gesehen und entsprechend honoriert wird. So erhält Ägypten von den USA seit dem Friedensvertrag mit Israel, der 1979 geschlossen wurde, bis heute eine Militärhilfe von zwei Milliarden Dollar pro Jahr. Jordanien wurde für seine Versöhnung mit Jerusalem mit einem erleichterten US-Marktzugang entschädigt.

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    Die Emirate brauchen zwar kein Geld – aber sie werden anderweitig belohnt. Zusammen mit Bahrain gehen sie davon aus, dass gute Beziehungen zum engsten Freund Amerikas helfen, ihre Anliegen in den Washingtoner Entscheidungszentren leichter durchzubringen. So soll Abu Dhabi von den USA F-35 Kampfjets erhalten: hochmoderne Maschinen, die derzeit nur die USA und Israel besitzen. Sobald diese Jets ausgeliefert sind, werden es sich die USA nicht erlauben können, ihre Unterstützung für die Emirate aufzugeben.

    Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Golfstaaten und Israel ist auch ein klares Signal an den Iran, der aus seinen regionalen Machtambitionen kein Geheimnis macht. Künftig muss Teheran die neue Machtkonstellation in sein Kalkül miteinbeziehen.

    Unmissverständliches Zeichen an die Palästinenser

    Die Normalisierung ist aber auch ein unmissverständliches Zeichen an die Palästinenser, die diese natürlich als Verrat betrachten. Während Jahrzehnten war die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und arabischen Staaten stets an die Bedingung geknüpft gewesen, dass die Israelis und die Palästinenser eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung für ihren Konflikt finden. Jetzt haben sich mindestens zwei sunnitischen Staaten von diesem Paradigma verabschiedet, andere dürften folgen.

    So hat ein einflussreicher und dem saudischen Kronprinzen nahestehender Politiker Verständnis für die neue Außenpolitik seiner Nachbarstaaten gezeigt. Prinz Bandar, der früher Saudi-Arabien in Washington vertrat, dann in Riad Chef des Nationalen Sicherheitsrats wurde und bis 2014 Geheimdienstchef war, warf kürzlich den Palästinensern in einer mehrteiligen saudischen Fernsehserie vor, mit ihrer Politik gescheitert zu sein. Man werde jetzt nicht länger auf sie warten, sondern sich um die eigenen Interessen kümmern, so der Saudi.

    Mit seiner Medienoffensive, spekulieren Beobachter in Riad, habe Bandar die Bürger des Wüstenreichs darauf vorbereitet, dass zukünftig ein friedlicherer Ton gegenüber Israel herrschen wird.

    Mehr: Mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Jerusalem und Abu Dhabi entsteht in der Region eine ökonomische Kraft-Achse. Davon profitieren beide Länder.

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