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Internationale Wirtschaftspolitik Chinas Unternehmen bekommen Gegenwind – Börsengang in Hongkong dürfte attraktiver werden

Peking verschärft die Regeln für Börsengänge chinesischer Firmen im Ausland. Washington verhängt auch neue Sanktionen, bleibt aber von China abhängig.
11.07.2021 - 17:58 Uhr Kommentieren
China: Unternehmen bekommen Gegenwind – Börsengang in Hongkong attraktiver  Quelle: AP
Chinesen schauen auf ihr Smartphone

Chinas Datenschätze: Peking will gesondert auf Datensicherheit achten, bevor IPOs im Ausland genehmigt werden.

(Foto: AP)

Peking, New York, Washington Die chinesischen Aufsichtsbehörden setzen ihre Tech-Firmen weiter unter Druck. Wie die mächtige Cyberspace-Aufsicht Chinese Administration of Cyberspace (CAC) am Samstag mitteilte, werden Unternehmen mit Daten von mehr als einer Million Nutzern künftig gesondert auf ihre Sicherheit geprüft, bevor sie an einer ausländischen Börse Aktien ausgeben dürfen.

Dabei werde im Fokus stehen, ob die Daten nach einem Börsengang im Ausland von ausländischen Regierungen „beeinflusst, kontrolliert oder manipuliert“ werden könnten. Die Grenze von einer Million Nutzern ist in dem 1,4 Milliarden Einwohner großen Land schnell erreicht.

Der Schritt dürfte daher die meisten der chinesischen Tech-Unternehmen betreffen, die an die Börse gehen wollen. Experten glauben, dass künftig mehr chinesische Firmen einen IPO in Hongkong einem Börsengang im Ausland vorziehen werden – und so das Decoupling der Finanzmärkte voranschreitet.

Die neuen Prüfungen der Aufsicht kommen am Ende einer aufregenden Woche für chinesische Unternehmen in den USA. Zudem sind die Beziehungen zwischen Washington und Peking ohnehin stark angespannt. Statt sich anzunähern, entwickeln sich die beiden Finanzplätze und Ökonomien weiter auseinander.

An der Wall Street waren die erst kürzlich gelisteten Aktien des chinesischen Fahrdienstes Didi diese Woche dramatisch eingebrochen, weil China den Vertrieb der App online verboten hatte. Als Grund nannte die Aufsichtsbehörde Verstöße bei der Sammlung und Nutzung von Daten.

Am Freitag hatte Peking das Verbot auf 25 weitere mit Didi verbundene Apps ausgeweitet.

Das Vorgehen gegen Didi und die Ankündigungen einer stärkeren Regulierung für IPOs chinesischer Firmen im Ausland verunsichern auch die Investoren: Der Börsenindex für in den USA gelistete chinesische Unternehmen, der S&P/BNY Mellon China Select ADR Index, verlor diese Woche fast acht Prozent. Didi allein büßte knapp 20 Prozent ein.

Trübe Aussichten für weitere chinesische IPOs in den USA

Damit haben sich auch die Aussichten für künftige IPOs eingetrübt. Das chinesische Unternehmen Linkdoc hat den in den USA geplanten IPO bereits verschoben. Das Start-up, das medizinische Daten für die Krebsbehandlung analysiert, wollte ursprünglich am Donnerstag nach Börsenschluss 10,8 Millionen Aktien im Wert von insgesamt bis zu 210 Millionen Dollar ausgeben.

Laut Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg könnten von dem strengeren Vorgehen der chinesischen Regulierer noch etwa 70 andere private Firmen mit Sitz in Hongkong und China, betroffen sein, die in New York an die Börse wollen. „Diese Regeln werden chinesische Internetfirmen dazu bewegen, lieber in Hongkong an die Börse zu gehen als in einem anderen Land, um diese Prüfungen zu vermeiden“, kommentierte Feng Chicheng, Partner des Research-Unternehmens Plenum.

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Insbesondere für Start-ups ist bisher ein IPO in New York oft attraktiver als in Hongkong, da in der chinesischen Sonderverwaltungszone höhere Hürden mit Blick auf die Größe und Profitabilität der Unternehmen gelten als an der Wall Street.

Die chinesische Staatsführung war in den vergangenen Monaten generell scharf gegen Technologie-Unternehmen vorgegangen. Sie will die Macht der in weiten Teilen unregulierten riesigen Konzerne über Milliarden von Daten brechen, Monopole stärker regulieren und unter die Kontrolle der Kommunistischen Partei bringen.

Die chinesischen Aufsichtsbehörden schauen künftig nicht nur bei Börsengängen genauer hin. Auch bei Genehmigungen von Fusionen in der Tech-Branche gehen sie seit einiger Zeit restriktiver vor. So verbot die Marktregulierungsbehörde State Administration for Market Regulation (SAMR) dem chinesischen Technologieriesen Tencent am Samstag die Zusammenlegung der in der Volksrepublik führenden Videodiensten Huya und Douyu.

Wenn es um China geht, setzt der US-Präsident den harten Kurs seines Vorgängers Donald Trump fort. Quelle: AP
Joe Biden

Wenn es um China geht, setzt der US-Präsident den harten Kurs seines Vorgängers Donald Trump fort.

(Foto: AP)

Die Aufregung um die in den USA gehandelten chinesischen Unternehmen fällt in eine Zeit, in der die Beziehungen zwischen Washington und Peking bereits äußerst gespannt sind. Daran hat sich auch mit dem Wechsel im Weißen Haus nicht viel geändert. Wenn es um China geht, setzt US-Präsident Joe Biden den harten Kurs seines Vorgängers Donald Trump fort.

So verurteilte das Weiße Haus die Inhaftierung von Millionen Uiguren in China schon früh in Bidens Amtszeit als „Völkermord“. Der US-Präsident bekräftigt zudem bei jeder Gelegenheit, der Wettbewerb mit China um Zukunftstechnologien werde „das 21. Jahrhundert bestimmen“. Die Strafzölle gegen China bleiben in Kraft, eine Fortsetzung der Handelsgespräche ist nicht in Sicht. Erst auf dem G20-Gipfel im Herbst, so heißt es in Washington, könnten Biden und Xi Jinping erstmals wieder aufeinandertreffen.

Dazu kommen die jüngsten Blockademaßnahmen wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen und Überwachung in Xinjiang. Am Freitag setzte die US-Regierung 14 Unternehmen aus der Region im Westen Chinas auf eine sogenannte Entity List. Das ist eine schwarze Liste, die mit hohen Hürden für den amerikanischen Markt verbunden ist.

Das US-Handelsministerium begründete den Schritt mit „Menschenrechtsverletzungen, Repressionen, Massenhaft und Hightech-Überwachung gegen Uiguren, Kasachen und andere Mitglieder muslimischer Minderheitengruppen“. Mehrere Dutzend Firmen aus Russland und dem Iran, die Chinas Militärprogramm unterstützen sollen, landeten ebenfalls auf der Liste.

Unternehmen, die auf der amerikanischen Entity List stehen, müssen neue Lizenzen beim US-Handelsministerium beantragen und werden einer strengen Prüfung unterzogen. Das kann etwa die Lieferung von Komponenten um Monate verzögern oder dauerhaft stoppen.

Vor wenigen Wochen hatten die USA bereits einige chinesische Firmen aus Xinjiang auf die schwarze Liste gesetzt und so einen Teil der Solarimporte blockiert. Die Region produziert etwa die Hälfte des weltweiten Angebots an Polysilizium, das für Halbleiter und Solarmodule verwendet wird.

China droht mit Strafmaßnahmen

Nach Berichten von UN-Experten und Menschenrechtsgruppen wurde in Xinjiang in den letzten Jahren mehr als eine Million Menschen inhaftiert. China weist Vorwürfe des Völkermords und der Zwangsarbeit zurück und kündigte nicht näher definierte Gegenmaßnahmen an. Die Staatsführung hatte jüngst ein Gesetz verabschiedet, das es auf dem Papier legalisiert, Firmen in China zu bestrafen, wenn sie sich an ausländische Sanktionen halten. Auch Peking hat eine schwarze Liste „unzuverlässiger“ Firmen, jedoch steht dort bisher keine.

Die jüngsten Maßnahmen aus Washington könnten erst der Anfang weiterer Strafen sein. Washington und Peking geraten regelmäßig aneinander, etwa im Konflikt um Taiwan oder die Untersuchungen amerikanischer Geheimdienste zur Theorie, das Coronavirus sei in einem chinesischen Labor gezüchtet worden. Allerdings muss der US-Präsident viele Interessen gegeneinander abwägen.

So ist der globale Kampf gegen den Klimawandel kaum ohne China zu schaffen. Auch die grüne Energiewende in den USA ist von China abhängig: Die US-Industrie ist auf chinesische Rohstoffe und Komponenten angewiesen, von Seltenen Erden für Autobatterien bis hin zu Photovoltaikzellen für Solarmodule. Bidens Regierung will noch im Sommer eine detaillierte Chinastrategie vorlegen.

Das Weiße Haus will die Abhängigkeit von chinesischen Importen reduzieren. Dafür hat die Biden-Regierung zuletzt die Lieferketten Hunderter kritischer Produkte untersuchen lassen, darunter Batterien für Elektroautos, Pharmazeutika, Seltene Erden, Halbleiter, Mobiltelefone, militärische Ausrüstung und andere Güter.

Auch bei seiner Europareise drängte Biden unlängst auf eine geschlossene Front gegenüber China. Einige europäische Länder, allen voran Deutschland, sind jedoch besorgt, dass zu viel Abgrenzung Handel und Investitionen mit Peking gefährden könnte. Die EU müsse „wirtschaftliche Interessen“ im Verhältnis mit China berücksichtigen, sagte der EU-Botschafter in den USA, Stavros Lambrinidis, kürzlich.

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