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Internet zensiert Bizarrer Polit-Krimi um Chinas Parteispitze

Aus dem Stoff werden Hollywood-Filme gemacht: Ein toter Brite im Hotel, ein Polizeichef verrät im US-Konsulat seinen Mordverdacht. Über einen ehrgeiziger Spitzenpolitiker stolpert die Staatspartei mit in den Skandal.
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Bo Xilai während einer Pressekonferenz in seiner Zeit als Amtsträger. Quelle: Reuters

Bo Xilai während einer Pressekonferenz in seiner Zeit als Amtsträger.

(Foto: Reuters)

PekingDer Skandal an der Spitze der Kommunistischen Partei Chinas schlägt große Wellen. Mit den bislang schärfsten Einschränkungen für Diskussionen im Internet versucht die Zensur seit dem Wochenende, wilde Putschgerüchte und Spekulationen über Risse in der Führung einzudämmen.

Viele der 200 Millionen Nutzer der Twitter-ähnlichen „Weibo“-Kurznachrichtendienste waren geschockt. Einige Beobachter werteten die konzertierte Zensuraktion aber auch als Signal, dass die Parteispitze nach langem Tauziehen vielleicht endlich Einigkeit über das weitere Vorgehen erzielt hat.

Die Ermittlungen in dem schier unglaublichen Politkrimi um den vor zwei Wochen gestürzten Spitzenpolitiker Bo Xilai wurden noch ausgeweitet. Der mysteriöse Tod eines britischen Unternehmensberaters mit engen Beziehungen zu Bos Familie löste neue Verdächtigungen aus.

Neil Heywood soll um seine Sicherheit gefürchtet haben, nachdem er sich mit Bo Xilais Frau überworfen habe, berichtete das „Wall Street Journal“. Der 41-Jährige wurde Mitte November tot in seinem Hotelzimmer in Chongqing gefunden. Die Polizei attestierte „übermäßigen Alkoholkonsum“ und äscherte ihn ohne Autopsie ein. Das britische Außenministerium bat um eine nähere Untersuchung.

Der als Parteichef von Chongqing abgesetzte Spitzenpolitiker Bo Xilai sowie seine Frau Gu Kailai sollen derweil in Peking unter Hausarrest stehen. Der „Prinzling“ ist Sohn des Revolutionsveteranen Bo Yibo, der einst zu den „acht Unsterblichen“ der kommunistischen Machtelite gehörte. Die Absetzung des charismatischen Polit-Stars, der in dem Generationswechsel im Herbst eigentlich in das höchste Machtgremium - den Ständigen Ausschuss des Politbüros - aufrücken sollte, löste schwere Spannungen in der Führung aus.

Mindestens ein Mitglied im Ständigen Ausschuss, der mächtige und für den Sicherheitsapparat zuständige Zhou Yongkang, soll dagegen gestimmt haben. Beobachter glauben, dass dieser seltene Dissens und Bo Xilais gute Kontakte zum Militär die Putschgerüchte ausgelöst haben könnten.

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