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Interview Anleihebesitzer müssen helfen

Der Mannheimer Ökonomie-Professor Hans Peter Grüner fordert im Gespräch mit Handelsblatt-Chefökonom Dirk Heilmann, die Anleihebesitzer an einer möglichen Hilfsaktion für Griechenland zu beteiligen. Der Volkswirt über mögliche Lösungen, Staatsschuldtitel und wichtige Voraussetzungen für die Rettung.
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Quelle: Pressebild
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Handelsblatt: Falls die Euro-Partner Griechenland retten müssen, wie sollten sie das anpacken?

Hans Peter Grüner: Vorab müssen sie sicherstellen, dass ein möglicher Default auf griechische Staatsschuldtitel nicht zu neuem Misstrauen in Europas Interbankenmarkt führt. Kurz: Es muss vermieden werden, dass wir wieder im Herbst 2008 landen.

HB: Wie kann das gelingen?

Grüner: Erstens müssen in systemrelevanten Banken die Risiken durch griechische Staatsschuldtitel vorab begrenzt werden. Das heißt, es muss eine verlässliche Obergrenze für Verluste solcher Banken aus ihrem Engagement in Griechenland geben. Zweitens sollten Kosten aus stabilisierenden Maßnahmen so weit wie möglich von den Gläubigern Griechenlands getragen werden. Und drittens muss die EU sicherstellen, dass Griechenland eine Politikwende vollzieht.

HB: Wie kann es gelingen, die drei Forderungen zugleich zu erfüllen?

Grüner: Eine denkbare Möglichkeit ist, dass die EU-Staaten für den Rest des Jahres anbieten, griechische Staatsschuldtitel mit einem Abschlag von sagen wir 20 Prozent am Markt zu erwerben. Bei ausstehenden Schulden von 300 Milliarden Euro würde das maximal 240 Milliarden Euro kosten. Damit würden die EU-Staaten zum Hauptgläubiger Griechenlands. Die Banken würden an den Verlusten beteiligt, verlören aber höchstens 20 Prozent der eingesetzten Summe, wenn Griechenland nicht zahlte. Das schützt den Interbankenmarkt, weil diese Verluste noch überschaubar sind.

HB: Der Steuerzahler wird aber nicht gerne hören, dass er mit 240 Milliarden im Risiko steht.

Grüner: Die Banken würden den Staaten ja nur Anleihen verkaufen, wenn sie erwarten, dass sie mehr als 20 Prozent deren Wertes verlieren. Möglicherweise müsste also gar kein Geld eingesetzt werden.

HB: Und wie würden die EU-Staaten die Papiere wieder los?

Grüner: Am Markt, nachdem Griechenland seinen Haushalt konsolidiert hat. Falls die EU-Staaten griechische Staatsanleihen erwerben müssten, würden sie nur einen Teil dessen bezahlen, was sie von Griechenland zurückfordern dürfen. Verzichtete die EU im Austausch gegen Sparmaßnahmen auf einen Teil der Forderung, dann sänke der Anteil der Staatsschulden am Bruttoinlandsprodukt entsprechend.

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