Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Interview Deutschlandchef der amerikanischen Handelskammer Sportolari warnt vor Schnellschüssen im Handelsstreit

Der Deutschlandchef der Amerikanischen Handelskammer lobt den Ton in der USA-Strategie der Bundesregierung. Einige Punkte sieht er trotzdem sehr kritisch.
Kommentieren
„Ich liebe Amerika, ich liebe Deutschland, ich liebe Europa. Ja, ich bin richtiger Amerikaner, aber ich bin auch Europäer, meine sechs Kinder sind in Europa geboren.“
Frank Sportolari

„Ich liebe Amerika, ich liebe Deutschland, ich liebe Europa. Ja, ich bin richtiger Amerikaner, aber ich bin auch Europäer, meine sechs Kinder sind in Europa geboren.“

BerlinIm Handelsstreit zwischen der EU und den USA herrscht gerade relative Ruhe. Für Frank Sportolari, der die amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham) leitet und Deutschland-Chef des Logistikunternehmens UPS ist, eine gute Gelegenheit, um Versäumnisse aus der Vergangenheit aufzuholen.

Herr Sportolari, Bundesaußenminister Heiko Maas fordert eine neue Balance in den transatlantischen Beziehungen. Ist es an der Zeit für Europa, sich von den USA zu emanzipieren?
Wir müssen besonnen bleiben, schon aus wirtschaftlichem Interesse: Die USA sind unser wichtigster Partner. Das transatlantische Verhältnis ist eine der wichtigsten Beziehungen, die wir haben. Das darf jetzt nicht über den Haufen geworfen werden, weil es seit 18 Monaten kriselt. Aber unter Freunden muss man sich mal die Meinung sagen können. Mir hat gefallen, dass der Ton des Ministers sehr positiv, sehr freundschaftlich war. Einzelne Punkte sehe ich kritisch. 

Dann gehen wir die durch. Was halten Sie von der Idee, ein europäisches Zahlungssystem aufzubauen?
Ich warne hier vor Schnellschüssen. Das Swift-System funktioniert gut, es hat sich global bewährt. Bevor wir eine europäische Alternative aufbauen, sollten wir überlegen, was die Konsequenzen sind – wirtschaftlich wie politisch.

Maas schlägt zudem eine Steuer auf Gewinne von Internetkonzernen wie Amazon und Google vor.
Das ist etwas unüberlegt. Die Firmen haben kein Gesetz gebrochen. Das muss man einmal festhalten. Man kann es Firmen nicht übel nehmen, wenn sie ihre Steuerlast optimieren wollen. Wir haben uns in Europa teils direkt dafür angeboten.

Aber ist es nicht durchaus legitim, diese Trickserei nun einzuschränken?
Firmen brauchen Planbarkeit und Transparenz. Unser Steuersystem ist in seinem Fundament mehr als 100 Jahre alt. Globalisierung, Internet gab es damals natürlich nicht. Territorial und physisch – so war die Wirtschaft damals. Wir könnten Folgendes fordern: Wir müssen unsere Steuersysteme anpassen, um auch Internetkonzerne dazu zu verleiten, ihre Geschäfte auf transparente Weise zu machen. Überall in Europa gibt es Steuerparadiese. Wir sind nicht einmal in der Lage, diese Form des Steuerwettbewerbs in Europa zu unterbinden.

Verstehen Sie, warum sich die Europäer von Trump so provoziert fühlen?
Der Präsident macht kein Geheimnis daraus, was er erreichen will. Die Art und Weise, wie er sich durchsetzen will, ist natürlich völlig neu. Daher gibt es jetzt diese Unsicherheit.

Ist eine USA-Strategie überhaupt die richtige Antwort auf die Trump-Krise?
Eine Strategie sollte doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, auch dann, wenn die Dinge gut laufen. Eine Strategie zu haben ist per se nichts Negatives. Das ist ja gerade das Problem: Wir kamen jahrelang gut miteinander aus, und jetzt, wo es diese Reibungen gibt, merken wir, dass wir vieles versäumt haben. Wir haben ja auch nie ein Handelsabkommen geschlossen. Das rächt sich nun.

Sie sagen also: besser spät als nie?
Es ist gut, dass sich Europa seiner Stärke und seiner Interessen bewusst wird. Europa ist nicht das geworden, was man sich versprochen hat: eine starke, selbstbewusste Macht, die mit den USA verbündet ist, aber auch mal sagt: „Das sehen wir anders.“ Wir haben viel Zeit verloren, unsere Prioritäten nicht immer richtig gesetzt. Wir haben uns zu lange auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht. Dabei wissen wir doch, dass das nicht funktioniert. Wie viele Firmen gibt es, die so gedacht haben – und heute nicht mehr existieren.

Trauen Sie der momentanen Waffenruhe im Handelsstreit?
Nein, zu viel ist noch unklar. Wäre Präsident Trump wirklich bereit, alle Zölle auf null zu senken? Auch die für Kleinlaster und SUVs, die für das Geschäft der amerikanischen Autobauer so wichtig sind? Der Truck-Markt in den USA ist bisher sehr geschützt, der Zoll beträgt 25 Prozent. In Europa ist es der Agrarbereich. Ein beidseitiger Zollverzicht wäre für viele Anbieter ein Schock, einige würden ihn nicht überleben. Das ist alles sehr schwierig zu regeln. Daher sollten wir daran anknüpfen, was in den jahrelangen TTIP-Verhandlungen besprochen wurde.

Sie sind Amerikaner, leben aber seit Jahrzehnten in Europa. Wie gehen Sie persönlich mit der transatlantischen Krise um?
Ich liebe Amerika, ich liebe Deutschland, ich liebe Europa. Ja, ich bin richtiger Amerikaner, aber ich bin auch Europäer, meine sechs Kinder sind in Europa geboren. Ich hoffe, dass unsere Regierungen wieder zueinanderfinden. Wir müssen immer noch auf Dialog setzen und versuchen, einander zu verstehen.

Machen Sie sich manchmal Sorgen um ihre Heimat?
Lassen Sie es mich so ausdrücken: Ich mache mir Sorgen um unser gesamtes westliches System. Wir sind sehr fixiert auf Amerika, aber es gibt auch den Brexit. Überall in westlichen Demokratien breitet sich der Populismus aus. Es ist eine Zeit, in der wir uns alle damit beschäftigen müssen, wie wir unser System, das uns großen Wohlstand gebracht hat, zukunftssicher machen.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Interview - Deutschlandchef der amerikanischen Handelskammer Sportolari warnt vor Schnellschüssen im Handelsstreit

0 Kommentare zu "Interview: Deutschlandchef der amerikanischen Handelskammer Sportolari warnt vor Schnellschüssen im Handelsstreit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.