Interview Ian Lesser „Für die Nato ist der Gipfel ein Erfolg“

Der Vize-Präsident des German Marshall Fund Ian Lesser sieht in den Nato-Beschlüssen eine Stärkung des Bündnisses und kritisiert das Zwei-Prozent-Ziel.
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Nato: „Für die Nato ist der Gipfel ein Erfolg“ Quelle: AFP
Treffen der Nato-Außenminister in Brüssel

Auf Arbeitsebene ein Erfolg.

(Foto: AFP)

Ian Lesser beobachtet in Brüssel die Zusammenarbeit der Alliierten in der Nato.

Herr Lesser, wie würden Sie die Ergebnisse des Nato-Gipfels bewerten? War der erste Tag ein Erfolg oder überflüssig?
Wir wissen ja noch nicht, wie es weitergeht, sobald der US-Präsident abgereist ist und sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin trifft. Die Unsicherheit bleibt.

Aber die Beschlüsse für moderne Nato-Strukturen und für eine künftig noch stärkere Militärpräsenz im Osten Europas wurden ja getroffen…
Ja, was die Substanz dieses Arbeitsgipfels angeht, ist der Gipfel ein Erfolg, jedenfalls aus Sicht der Nato. Sie kann nun alles, was sie in den letzten Jahren an Stärkung des Bündnisses angeschoben hat, auch umsetzen. Vor allem für die Osteuropäer schafft dies mehr Sicherheit.

Der GMF-Vize ist nicht vom Sinn des Zwei-Prozent-Ziels überzeugt. Quelle: picture alliance / AA
Ian Lesser

Der GMF-Vize ist nicht vom Sinn des Zwei-Prozent-Ziels überzeugt.

(Foto: picture alliance / AA)

War das zu erwarten gewesen?
Zumindest hatten in der Vorbereitung gerade die USA eine starke Rolle gespielt. Sie haben in den letzten Jahren ja auch erheblich stärkere militärische Ressourcen in Europa aufgebaut. Auf Arbeitsebene funktioniert die Nato ja sehr gut. Es bleibt eben die politische Unsicherheit darüber, wie die US-Regierung handeln will.

Wie könnte den Streit zwischen den USA und Europa über die Lastenteilung und das Zwei-Prozent-Ziel gelöst werden?
Es sieht ja so aus, dass das Zwei-Prozent-Ziel für Trump im Mittelpunkt steht, er soll ja sogar noch mehr von seinen Partnern verlangen. Dabei ist ein solches an der Wirtschaftsentwicklung orientiertes Ziel natürlich fragwürdig.

Was wäre denn stattdessen ein guter Maßstab?
Ich halte es für sinnvoll, auch andere Anstrengungen für mehr Sicherheit stärker einzubeziehen. Zum Beispiel eine Stärkung der Polizei im Kampf gegen Terrorismus. Da passiert in Europa ja aktuell auch sehr viel. Im Pentagon werden andere Argumente, auch jenes, dass Deutschland ja viel zu Nato-Missionen beiträgt, durchaus gehört. Nur eben nicht im Weißen Haus.

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