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Interview Laurence Boone Ökonomin: „Regierungen müssen alles tun, um Unternehmen am Leben zu erhalten“

Die OECD-Chefökonomin empfiehlt den europäischen Regierungen, mit Hilfskrediten zu klotzen – und auf EU-Ebene die Schuldenregeln zu lockern.
13.03.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
In der EU haben verschiedene Länder Hilfsprogramme gegen die Folgen des Coronavirus veranlasst. Quelle: AFP
EU-Kommission

In der EU haben verschiedene Länder Hilfsprogramme gegen die Folgen des Coronavirus veranlasst.

(Foto: AFP)

Berlin Es ist erst zehn Tage her, dass die Industrieländerorganisation OECD davor warnte, dass das Corona-Virus die Weltkonjunktur dämpfen und Europa in eine Rezession stürzen könnte. Am 2. März, dem Tag der Veröffentlichung, erschien das Basisszenario mit einer Abkühlung der Weltkonjunktur auf 2,4 Prozent noch pessimistisch.

Doch nach tausenden neu Infizierten in Europa fürchtet OECD-Chefökonomin Laurence Boone, dass womöglich auch ihr pessimistisches Szenario – nach dem sich das Weltwirtschaftswachstum auf 1,5 Prozent halbieren könnte, von der Realität noch unterboten wird.

Umso dringlicher mahnt Boone im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass jetzt alle Regierungen großzügige Hilfspakete schnüren, um den Konjunkturabsturz zu bremsen. „Wenn es nicht gelingt, die Corona-Krise einzudämmen, fürchte ich, dass unsere nächste Prognose noch schlechter ausfallen wird als das pessimistische das Downside-Szenario der vergangenen Woche“, sagt sie.

Sie setzt dabei auch auf die EU. „Sie könnte vor allem die nationalen Maßnahmen koordinieren, sowohl im Gesundheitswesen als auch für die Wirtschaft.“ Und: „Ich würde es aber auch begrüßen, wenn diese nationalen Maßnahmen durch europäische Maßnahmen ergänzt würden.“

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    Gemeint ist etwa eine Erlaubnis für die EU-Mitgliedstaaten, in der Krise erheblich mehr Schulden aufzunehmen. Es müsse ein großes Fiskalpaket geben, aus dem Bürgschaften und Kurzarbeitergeld für schwächere EU-Staaten gestärkt werden könnten.

    Die OECD-Chefökonomin mahnt, dass jetzt alle Regierungen großzügige Hilfspakete schnüren, um den Konjunkturabsturz zu bremsen. Quelle: Bloomberg
    Laurence Boone

    Die OECD-Chefökonomin mahnt, dass jetzt alle Regierungen großzügige Hilfspakete schnüren, um den Konjunkturabsturz zu bremsen.

    (Foto: Bloomberg)

    Lesen Sie hier das vollständige Interview im Wortlaut:

    Frau Boone, vor zehn Tagen rechnete die OECD noch mit ein einer geringfügigen Abkühlung der Weltkonjunktur. Inzwischen hat sich das Virus weiter ausgebreitet. Wie sähe Ihre Prognose aus, wenn Sie sie heute veröffentlichen würden?
    Wir hatten ja in unserem Wirtschaftsausblick zwei Szenarien beschrieben. Und leider müssen wir feststellen, dass wir inzwischen sehr viel näher am pessimistischeren Szenario sind, bei dem sich das Coronavirus nicht nur in Asien, sondern auch in Europa und Amerika ausbreitet.

    In diesem Szenario halbiert sich das Weltwirtschaftswachstum, Japan, die Euro-Zone und auch Deutschland rutschen in die Rezession. Was müssen die Regierungen jetzt tun, um der Wirtschaft zu helfen?
    Wir empfehlen noch dringlicher, dass die Regierungen alles tun, den Gesundheitssektor zu stärken. Die dort Beschäftigten sollten beste Arbeitsbedingungen bekommen. Die Regierungen könnten für sie Steuern stunden oder senken. Pensionierte Ärzte und Krankenschwestern sollten zurückgeholt werden, und es sollten möglichst schnell Betten, Masken und Beatmungsgeräte beschafft werden.

    Und was würde der Wirtschaft helfen? Sie leidet ja durch fehlende Zulieferungen und die Absage von Veranstaltungen…
    Es muss alles getan werden, Unternehmen in dieser Krise am Leben zu erhalten. Es wichtig, Kreditlinien bereitzustellen und Bürgschaften. Steuerstundungen könnten ebenfalls dazu beitragen, dass die Firmen liquide bleiben. Und für die Beschäftigten sind Kurzarbeitsregeln enorm wichtig. Ich freue mich, dass viele Staaten bei der Kurzarbeit dem deutschen Vorbild aus der Finanzkrise von 2009 jetzt folgen.

    Bisher scheint jede Regierung rein national zu handeln, anstatt ihre Aktivitäten europäisch zu koordinieren. Was könnte die EU übernehmen?
    Sie könnte vor allem die nationalen Maßnahmen koordinieren, sowohl im Gesundheitswesen als auch für die Wirtschaft. Ich würde es aber auch begrüßen, wenn diese nationalen Maßnahmen durch europäische ergänzt würde. 

    Darauf können sich die EU-Regierungschefs ja meist nicht einigen, schon gar nicht schnell…
    Deshalb wäre es jetzt als erstes ein wichtiges Signal, wenn die EU-Kommission in dieser Ausnahmesituation höhere Defizite im Rahmen des Stabilitätspakts zuließe. Hilfspakete sollten nicht an Schuldenregeln scheitern. Das würde die Rezessionen nur verstärken. Was wir jedenfalls aktuell nicht brauchen, ist ein die Nachfrage stimulierendes Konjunkturprogramm.

    Was wäre denn besser?
    Die Regierungen sollten nicht vergessen, dass nach der Pandemie die Wirtschaft möglichst schnell wieder auf den Wachstumspfad kommen muss. Es wäre gut, für diese Zeit bereits ein großes europäisches Investitionspaket zu schnüren, das dann schnell genutzt werden kann.

    Während der Finanzkrisen haben die G20-Staaten, die 20 größten Volkswirtschaften, ihr Vorgehen gegen die Rezession koordiniert. Das hat damals gut geklappt, aber wo sind die G20 jetzt?
    Das ist eine gute Frage. Sie sollten ein gemeinsames Vorgehen auch jetzt koordinieren, da würde ich mir mehr Engagement wünschen. Umso wichtiger ist, dass die Europäer jetzt zusammenhalten und untereinander helfen. Vor allem dürfen sich die Regierungen nicht, wie in der Finanzkrise, vor allem auf die Notenbanken verlassen. Wenn es nicht gelingt, die Corona-Krise einzudämmen, fürchte ich, dass unsere nächste Prognose noch schlechter ausfallen wird als das pessimistische Szenario der vergangenen Woche. Aber es gibt ja auch Hoffnung. Viele Regierungen handeln. Sie schnüren bereits milliardenschwere Hilfspakete.

    Mehr: Das Coronavirus ist die größte Krise seit Jahrzehnten: Der wirtschaftliche Schaden ist immens. Politik und Unternehmen sollten nun gemeinsam handeln.

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