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Interview mit „Breitbart News“ Der neue US-Botschafter Grenell gibt den Mini-Trump in Berlin

Der neue US-Botschafter in Deutschland will ganz undiplomatisch die konservative Gegenrevolution in Europa befördern. Kritik daran lässt ihn kalt.
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„Ich stehe zu meinen Kommentaren.“ Quelle: dpa
Richard Allen Grenell

„Ich stehe zu meinen Kommentaren.“

(Foto: dpa)

Ein Diplomat im klassischen Sinne ist Richard Grenell nicht. Kaum im Amt, ließ er die deutschen Unternehmen ganz undiplomatisch wissen, sie sollten sich schleunigst aus dem Iran zurückziehen. Mit den Mullahs mache man keine Geschäfte.

Jetzt erklärte der neue US-Botschafter in Deutschland seine politische Mission ausgerechnet der rechten US-Nachrichtenplattform „Breitbart News“: „Ich möchte andere Konservative in Europa stärken.“ Es gebe eine breite konservative Bewegung als Reaktion auf die gescheiterte Politik der Linken. Er wolle die Anführer unbedingt unterstützen.

Für die Bundesregierung gehört die Unterstützung einer konservativen Bewegung offenbar nicht zu den Aufgaben eines US-Botschafters. „Wir haben die US-Seite um Aufklärung gebeten“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Den 51-jährigen ehemaligen PR-Berater Grenell ficht das nicht an, er gefällt sich als undiplomatischer Disruptor.

Seine Verstöße gegen die diplomatische Etikette sind deshalb auch keine Unfälle, sondern bewusste Provokationen. Er habe einen „anderen Stil“, sagte der US-Botschafter kürzlich in einem Interview der Funke Mediengruppe. Diplomat zu sein bedeute für ihn, Klartext zu sprechen. Grenell sieht sich selbst zwar als „begierigen Zuhörer“.

Bislang scheint er jedoch vor allem damit beschäftigt, seine Botschaften möglichst laut unters Volk seines Gastgebers bringen. Der ehrgeizige „Undiplomat“ sieht sich dabei nicht nur als Donald Trumps Statthalter in Berlin, sondern als Stimme seines Herrn in ganz Europa.

Dass er im britischen Ableger von „Breitbart“ die deutsche Flüchtlingspolitik und die ungenügenden Verteidigungsausgaben Deutschlands scharf kritisiert, verstärkt in Berlin den Eindruck, dass Grenell lieber über seine Gastgeber als mit ihnen spricht.

Kritik an seinen Äußerungen hagelte es von links bis rechts: „Mit seiner Ankündigung, konservative Kräfte stärken zu wollen, outet sich US-Botschafter Richard Grenell als Regime-Change-Beauftragter seines Präsidenten“, sagte Sevim Dagdelen, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke. Sie forderte Außenminister Heiko Maas (SPD) auf, Grenell ins Auswärtige Amt einzubestellen.

SPD-Politiker Kahrs will Grenell des Landes verweisen

Der SPD-Politiker Johannes Kahrs ging sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn das so gewesen ist, hat dieser Herr das Land zu verlassen“, twitterte der Sprecher des rechten Seeheimer Kreises.

Und SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel legte nach – ebenfalls per Twitter: „Europas Bürgerinnen und Bürger lassen sich von einem Trump-Vasallen nicht sagen, wie sie wählen sollen. Ein US-Botschafter, der sich derart in demokratische Auseinandersetzungen einmischt, ist einfach fehl am Platz.“

Auch in seiner Heimat kam Grenells Einmischung nicht gut an. Chris Murphy, demokratischer US-Senator aus Connecticut, beschwerte sich via Twitter: „Als ich Grenell gegenüber Bedenken äußerte, er dürfe seinen Posten nicht politisieren, versicherte er mir persönlich, dass er sich aus der Politik heraushalten würde. Seine Aussagen sind schrecklich. Botschafter sollen keine politische Partei im Ausland ‚ermächtigen‘.“

Tom Wright von der Denkfabrik Brookings sagte, Grenell widerspreche „direkt der Linie des US-Außenministeriums, dass die Trump-Regierung im Ausland neutral ist“.

Grenell selbst zeigte sich nach der Schelte jedoch keineswegs kleinlaut, sondern rüstete verbal nach: „Die Idee, dass ich Kandidaten/Parteien unterstützen würde, ist lächerlich“, twitterte er. „Ich stehe zu meinen Kommentaren, dass wir ein Erwachen der schweigenden Mehrheit erfahren – von denjenigen, die die Eliten und ihre Blase ablehnen. Sie werden angeführt von Trump.“

Wenn der amerikanische Botschafter in der deutschen Hauptstadt das Gespräch sucht, dann vor allem mit Leuten, von denen er glaubt, sie liegen auf seiner Wellenlänge. Dazu gehört zum Beispiel Jens Spahn, der mit erzkonservativen Sprüchen gerne mal die CDU aufmischt oder gegen Kanzlerin Angela Merkel stänkert.

Einen Gesinnungsfreund sieht Grenell auch in Sebastian Kurz, der in Österreich mit der rechten FPÖ regiert. Kurz sei für ihn ein „Rockstar“, sagte der Amerikaner im „Breitbart“-Interview, „ich bin ein großer Fan“.

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