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Interview mit dem SWP-Direktor Volker Perthes: „Keiner will einen Krieg in der Region“

Der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik warnt vor einer Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Der Konflikt könnte außer Kontrolle geraten.
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Der Direktor der SWP hat lange Zeit die Vereinten Nationen im Syrienkonflikt beraten und gilt als Experte für den Nahen Osten. Quelle: dpa
Volker Perthes

Der Direktor der SWP hat lange Zeit die Vereinten Nationen im Syrienkonflikt beraten und gilt als Experte für den Nahen Osten.

(Foto: dpa)

Der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gilt als ausgewiesener Experte für den Nahen Osten. Er hat außerdem lange die Vereinten Nationen im Syrienkonflikt beraten.

Herr Perthes, wem nutzen die Angriffe auf die Tanker im Golf von Oman?
Kurzfristig nutzen sie den Hardlinern im Iran und den Ölexporteuren im Persischen Golf.

Warum den Hardlinern in Teheran?
Weil es für die konservativen Kräfte dort ein weiterer Beleg dafür ist, dass der Iran nur bestehen kann, wenn er selbst auf Härte setzt. Die Hardliner leben davon, dass sie in den vergangenen Jahren die hybride Kriegsführung ausgebaut haben. Und jetzt hat man möglicherweise gezeigt, dass man diese Mittel auch nutzen kann.

Donald Trump sagt, dass der Iran verantwortlich für die Attacken ist. Können wir dem US-Präsidenten glauben?
Vermutlich wird man stichhaltige Belege nie liefern können. Es spricht vieles dafür, dass das Video der Amerikaner echt ist. Aber wie bei den grünen Männchen in der Ukraine wird man das erst mit historischem Abstand wirklich wissen.

Wie gefährlich sind die Ereignisse in der Golfregion?
Sie sind enorm gefährlich. Wir haben mit dem Iran und den USA zwei Konfliktparteien, die beide großen Druck aufbauen, sich an vielen Orten im Mittleren Osten gegenüberstehen und riskieren, dass die gewollte Eskalation durch solche Ereignisse außer Kontrolle gerät.

Wie könnte das geschehen?
Stellen Sie sich vor, ein iranisches Schnellboot rast aus Provokation mit hoher Geschwindigkeit auf ein amerikanisches Kriegsschiff zu. Kein amerikanischer Kapitän wird in der explosiven Lage sagen: Schauen wir mal, wie weit sie sich herantrauen. Er wird vorher reagieren, und dann ist die Lage nur noch schwer zu kontrollieren.

Sehen Sie eine unmittelbare Kriegsgefahr?
Beide Seiten wollen keinen Krieg – weder Trump noch die Führung in Teheran. Aber beide Seiten lassen es auf eine Eskalation ankommen in der Hoffnung, dass der andere einknickt.

Wird der Iran einknicken?
Trump glaubt, wenn der Druck groß genug ist, werden die Iraner verhandeln. Das hat Teheran jedoch gerade zurückgewiesen. Dort glaubt man, nur wenn der Iran sich wehrt, werden die USA die Schraube nicht noch weiter anziehen. Es gibt im Moment keinen Mechanismus, der zu einer Deeskalation führt.

Sind die USA und ihre Verbündeten bereit, in den Krieg zu ziehen, um eine atomare Aufrüstung des Irans zu verhindern?
Israel und Saudi-Arabien wollen zwar den Druck auf den Iran erhöhen, haben aber kein Interesse an einer militärischen Eskalation. Sie würden sich vermutlich wegducken, wenn es dazu käme. Auch Trump will die USA nicht in einen Krieg führen, wie George W. Bush es im Irak getan hat. Dennoch könnte er bereit sein, mit ein paar Cruise-Missiles Härte zu demonstrieren.

Was kann Europa tun, um die Lage zu entspannen?
Bislang lässt sich die Eskalation von außen nicht bremsen. Bundesaußenminister Heiko Maas hat es versucht, und auch der japanische Premier Abe hat es gerade probiert.

Ist Europa also machtlos?
Europa kann so wenig tun wie alle anderen auch. Aber es ist wichtig, wenn die Europäer zusammen mit den anderen Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den USA sagen: Bitte gießt nicht noch mehr Öl ins Feuer. Europa kann viel dafür tun, dass es eine internationale Einheit gibt, die auf Entspannung drängt.

Wie kann das aussehen?
Die Europäer können auf die Israelis und die Saudis einwirken. Europa könnte zum Beispiel zusammen mit den Japanern und Indern die Golfstaaten ermutigen, durch ein Treffen ihrer Außenminister nach einer friedlichen Lösung des Konflikts zu suchen.

Warum war der jüngste Besuch von Bundesaußenminister Maas in Teheran dennoch erfolglos?
Das große Thema, das den Maas-Besuch überschattet und dann auch zu Enttäuschungen geführt hat, ist die Frage, wie die Europäer den enormen Druck der Sanktionen auf den Iran lindern können, die das Land in eine sehr schwierige wirtschaftliche Lage gebracht haben.

Kann Europa sich gegen die Sanktionen stemmen?
Das hängt zum Beispiel davon ab, ob mithilfe des neuen Finanzmechanismus Instex Handelstransaktionen mit dem Iran möglich werden.

Ist Instex nicht eher ein Symbol der Machtlosigkeit?
Wir können sicher keine Unternehmen zwingen, Geschäfte mit dem Iran zu machen, wenn sie damit ihr US-Geschäft aufs Spiel setzen würden. Aber vielleicht können wir iranisches Öl als Sicherheit für Kredite akzeptieren, die dann Instex bestimmten Exporteuren gewährt. Hier gibt es bestimmt noch Raum für mehr Fantasie.

Welche Rolle spielen die Chinesen im Golfkonflikt?
China wie auch Russland verhalten sich so, als hätten sie mit dem ganzen Problem nichts zu tun. Dabei haben beide Länder wie die Europäer und Amerikaner das Atomabkommen mit dem Iran unterzeichnet. China und Russland positionieren sich als lachende Dritte und hoffen, dass der Iran sich ihnen zuwendet, wenn Europa nicht helfen kann. Sie können die US-Sanktionen leichter umgehen, weil sie Unternehmen haben, die ohnehin keine Geschäfte mit den USA machen.

Werden regionale Konflikte wie jetzt am Golf zu Puzzleteilen der Rivalität zwischen den USA und China?
Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Rivalität der beiden Großmächte immer mehr Bereiche der internationalen Politik dominiert. Dabei geht es nicht nur um Handel, sondern auch um eine geopolitische Konkurrenz und einen Systemwettbewerb.

Herr Perthes, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Noch ist unklar, wer für die Explosionen auf zwei Öltankern im Golf von Oman verantwortlich ist. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben einen Verdacht.

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