Interview mit James Comey: Ex-FBI-Chef über die Trump-Jahre: „Wir Amerikaner waren zu arrogant“
Im Amtsantritt Joe Bidens sieht der frühere FBI-Chef James Comey eine Chance. Doch es werde Jahre dauern, das zu Recht verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen
Foto: ddp images / Breuel-BildWashington. James Comey blickt mit Sorge auf die Gewaltbereitschaft rund um den Präsidentenwechsel. „Es ist bedrückend, dass ein so fortschrittliches Land wie die USA derartige Maßnahmen ergreifen muss“, sagt der frühere Chef der US-Bundespolizei FBI im Skype-Gespräch mit dem Handelsblatt. „Das, was in den vergangenen vier Jahren passiert ist, ist auch für die USA eine schmerzhafte Lektion.“ Die Amerikaner seien zu arrogant gewesen und hätten geglaubt, sie seien nicht anfällig für die großen Schwächen der Menschheit.
Im Amtsantritt Joe Bidens sieht Comey eine Chance. Der Demokrat müsse das Land zunächst heilen, indem er das Impfprogramm vorantreibe und die Wirtschaft bei ihrer Erholung stütze. Doch es werde Jahre dauern, das zu Recht verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen.
Trump werde weiter versuchen, die Öffentlichkeit zu beeinflussen, er hoffe aber, dass die USA klüger würden und ihm nicht mehr zuhörten – und eine Amtsenthebung des Kongresses eine erneute Kandidatur verhindere.
Comey geriet 2016 in die Kritik, weil er kurz vor den Präsidentschaftswahlen eine Untersuchung zu Hillary Clintons E-Mail-Skandal eröffnete. Nach den Wahlen wurde er von Trump gefeuert, weil Comey in Trumps Umfeld ermittelte, ob es durch Russland eine Beeinflussung der Präsidentschaftswahlen gab.