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Interview mit Shamika Ravi Ökonomin warnt vor indischer Wachstumsschwäche

Das indische Wirtschaftswachstum hat sich deutlich verlangsamt. Shamika Ravi schlägt Alarm: Vor allem im Bankensektor und beim Arbeitsrecht seien Reformen nötig.
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Bis vor Kurzem gehörte die Ökonomin zum engsten Beraterkreis von Premierminister Modi. Quelle: Brookings India
Shamika Ravi

Bis vor Kurzem gehörte die Ökonomin zum engsten Beraterkreis von Premierminister Modi.

(Foto: Brookings India)

Neu Delhi Shamika Ravi ist Forschungsleiterin der Denkfabrik Brookings in Indien. Bis vor Kurzem gehörte sie zum engsten Beraterkreis von Premierminister Modi. Nach öffentlicher Kritik an der Regierung wurde die Ökonomin im September abberufen. Vor allem kritisiert Ravi, dass die Regierung oft nach dem „Pi-mal-Daumen-Prinzip“ entscheide.

Indien brauche einen Neustart in der Wirtschaftspolitik, meint Ravi. Vor allem der Bankensektor bereitet ihr Sorgen: „Der Bankensektor muss aufgeräumt werden, der geplante Zusammenschluss von Staatsbanken ist richtig, aber noch nicht genug.“

Lesen Sie hier das ganze Interview.

Frau Ravi, Ihre Analyse scheint Indiens Premier nicht mehr zu gefallen. Sie wurden aus dem Beraterkreis entfernt, nachdem Sie Mängel in der Wirtschaftspolitik beklagten.
Die Mutmaßung, dass es da einen Zusammenhang gibt, lässt sich weder belegen noch widerlegen. Ich ziehe es vor, nicht zwischen den Zeilen zu lesen.

Kann Modi keine Kritik vertragen?
Die Regierung bekommt viele Ratschläge aus vielen Richtungen. Aber es gibt einen Mangel an empirisch fundierter Analyse. Entscheidungen werden deshalb oft nach dem Pi-mal-Daumen-Prinzip getroffen.

Sie haben mit Ihrer jüngsten Warnung vor einem Konjunktureinbruch für große Aufmerksamkeit gesorgt. Wie schlimm ist die Lage?
Die Probleme haben sicher auch eine zyklische Komponente. Diese lässt sich wohl mit Konjunkturprogrammen lösen. Es gibt aber auch einen strukturellen Teil: Indien hat den Pfad eines hohen Wachstums verlassen. Um langfristig wieder zu hohem Wachstum zurückzukehren, brauchen wir einen Neustart in der Wirtschaftspolitik.

Welche Schritte sind am wichtigsten?
Der Bankensektor muss aufgeräumt werden, der geplante Zusammenschluss von Staatsbanken ist richtig, aber noch nicht genug. Die Banken brauchen ein neues Geschäftsmodell. Auch eine Landreform und ein neues Arbeitsrecht sind notwendig. Zudem muss sich das Justizsystem ändern: Entscheidungen dauern einfach viel zu lang.

Was passiert, wenn die Reformen ausbleiben?
Indien wird weiterwachsen. Zwar nicht mit einer Rate von zehn Prozent, aber durchaus mit fünf, fünfeinhalb Prozent.

Warum reicht das nicht?
Wir haben zwar 200 Millionen Menschen aus der Armut geholt. Bei vielen Millionen Indern ist das aber noch nicht gelungen. Unser Pro-Kopf-Einkommen beträgt ein Viertel bis ein Drittel des chinesischen. Wir müssen deshalb dringend wachsen.

Manche Beobachter fürchten, dass sich Modi lieber auf hindunationalistische Identitätspolitik fokussiert.
Premierminister Modi ist eine extrem pragmatische Person. Ihm ist völlig klar, dass er politisch nur auf der Basis von wachsendem Wohlstand erfolgreich sein kann. 

Sie sind also optimistisch, dass er die Reformen noch angehen wird?
Er kann es sich nicht leisten, es nicht zu tun.

Frau Ravi, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Wie Indien mit marktwirtschaftlichen Mitteln seine massiven Probleme lösen will

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