Interview: Ökonom Paul Krugman: „Amerika hat seine Unschuld verloren“
Der Ökonomie-Nobelpreisträger warnt im Handelsblatt-Interview vor allzu viel Optimismus.
Foto: ReutersNew York, Düsseldorf. Paul Krugman gilt als einer der renommiertesten Kritiker der abgewählten US-Regierung – und die Gefahr, die der Ökonomie-Nobelpreisträger in der Trump-Revolution sieht, ist noch nicht gebannt. „Wenn die Republikaner die nächste Präsidentschaftswahl gewinnen, dann ist das wahrscheinlich das Ende der amerikanischen Demokratie“, warnt Krugman im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das liege vor allem an der desolaten Lage der republikanischen Partei, die sich nicht von Trump löse.
Hoffnungsvoll blickt der Ökonom auf den Start der Regierung um den neuen US-Präsidenten Joe Biden. „Das Ende der Pandemie steht vermutlich bevor, und Biden verfolgt zielstrebig seine Agenda“, sagt Krugman. Das 1,9-Billionen-Dollar-schwere Konjunkturpaket, das der Kongress jetzt verabschiedet hat, werde der Wirtschaft einen kräftigen Schub verleihen.
Über das damit einhergehende hohe Staatsdefizit macht sich der New Yorker keine Sorgen. Im Gegenteil: Er fordert eine Neubewertung der Staatsverschuldung.
Kritisch dagegen sieht Krugman die jüngsten Turbulenzen an den Börsen. Der Hype um die Aktie des Computerspielehändlers Gamestop habe gezeigt, „dass wir eine Blasen-Mentalität entwickelt haben. Die Leute sind zu dem Schluss gekommen, dass mit Aktien und anderen Assets wundersame Dinge passieren können.“