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Schanghai

Der US-Ökonom Autor glaubt, dass China und die USA künftig auf mehr Protektionismus setzen werden.

(Foto: AP)

Interview US-Ökonom David Autor: „Chinas Handelspolitik hat großen Schaden angerichtet“

China habe die Weltpolitik verändert, sagt der bekannte Wirtschaftswissenschaftler. Autor plädiert für einen anderen Umgang mit der Volksrepublik.
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David Autor ist so etwas wie der heimliche Star unter den US-Wirtschaftswissenschaftlern. Schon weit vor der Trump-Wahl beschäftigte er sich mit den politischen Auswirkungen der Ungleichgewichte im Welthandel. Die Nachbeben des „China-Schocks“ sind für ihn in Davos noch immer spürbar.

Herr Autor, Sie haben als einer der ersten Ökonomen vor einem „China-Schock“ gewarnt. Seitdem hat die Angst vor dem wachsenden wirtschaftlichen und politischen Einfluss Chinas eher noch zugenommen. Was kann der Westen tun?
Der „China-Schock“ hat vor allem die Politik in fundamentaler Weise verändert. Für die USA haben wir festgestellt, dass viele Regionen, die besonders hart von der chinesischen Konkurrenz betroffen waren, politisch nach rechts gedriftet sind. Die Wahl Donald Trumps war ein Ergebnis dieser Entwicklung.

Sind wir heute einen Schritt weiter, einen richtigen Umgang mit China zu finden?
Zumindest ist heute allen klar, dass es Probleme mit China gibt. Sei es beim Marktzugang, sei es beim Schutz des geistigen Eigentums oder beim Technologietransfer. Schauen Sie sich die aktuelle Debatte um Huawei an.

Auch wissen wir heute, dass die Industriejobs nicht zurückkommen werden, sondern dass wir uns auf die neuen Technologien wie autonomes Fahren konzentrieren müssen. Gerade hier hat die bisherige Handelspolitik Chinas großen Schaden angerichtet.

Trump hat also recht, wenn er China mit einem Handelskrieg droht?
Er hat das Problem erkannt, und Peking hat gemerkt, dass es so nicht weitermachen kann. Trumps Methoden sind allerdings verrückt. Die USA sollten besser zusammen mit den Europäern auf eine Reform der Welthandelsorganisation WTO drängen und so China dazu bewegen, sich an die Spielregeln zu halten.

Der Wirtschaftswissenschaftler beschäftigt sich mit den politischen Auswirkungen der Ungleichgewichte im Welthandel. Quelle: L. BARRY HETHERINGTON
David Autor

Der Wirtschaftswissenschaftler beschäftigt sich mit den politischen Auswirkungen der Ungleichgewichte im Welthandel.

(Foto: L. BARRY HETHERINGTON)

Wie wird der Zweikampf zwischen den USA und China ausgehen?
Das wird sich nicht in diesem Jahr entscheiden, der Konflikt wird uns auf Jahre beschäftigen. Ich vermute, dass er auf beiden Seiten zu mehr Protektionismus und weniger Offenheit führen wird.

Wer hat dabei die Oberhand?
Man sollte China nicht unterschätzen. Peking hat enorme wirtschaftliche und finanzielle Macht und keine Scheu mehr, sie auch einzusetzen. Schon jetzt spüren wir, dass ein Wachstumsrückgang in China die Weltfinanzmärkte erschüttert.

Die wirtschaftlichen Probleme in den westlichen Demokratien haben zu mehr Ungleichheit geführt. Sie sprechen von einer „Superstar-Ökonomie“. Was meinen Sie damit?
Wir beobachten, dass die Verlierer der „Superstar-Wirtschaft“ meist außerhalb der großen Metropolen auf dem Land leben. Das gab es auch schon früher, aber die Unterschiede werden größer. Diese Spaltung zwischen ländlichen Regionen und wirtschaftlich vibrierenden Städten verfestigt sich.

Verantwortlich dafür sind drei Faktoren: die Automatisierung vieler Tätigkeiten, der Wegfall alter Industrien und das Bestreben der großen Hightech-Unternehmen, sich in einem attraktiven Cluster niederzulassen.

Hat sich Amazon deshalb entschieden, nach New York und in den Großraum Washington zu gehen?
Ja, offenbar. Es kling paradox: Im digitalen Zeitalter spielt räumliche Nähe eine große Rolle. Die Hightech-Stars gehen dorthin, wo sie Gleichgesinnte finden und andere Superstars schon sind. Das wirkt wie ein Magnet für junge, hochqualifizierte Arbeitnehmer.

Wie lässt sich die Entwicklung so steuern, dass auch andere Regionen mehr profitieren?
Niemand hat dafür bislang eine Zauberformel gefunden. Aber es gibt Möglichkeiten gegenzusteuern. Zum Beispiel, indem man Forschungszentren und Universitäten in Regionen ansiedelt, die im Moment zu kurz kommen. Leider gehen die Investitionen der US-Regierung in Forschung und Entwicklung zurück. Das ist sehr kurzsichtig.

Bremst die wachsende Ungleichheit auch das Wachstum der Wirtschaft insgesamt?
Die empirischen Belege dafür sind nicht hinreichend. Die größeren Gefahren der Ungleichheit betreffen die Politik. Wenn die Einkommensunterschiede zunehmen, verlieren die Menschen das Vertrauen in das demokratische System.

Und das macht inzwischen auch den Eliten in Davos Angst.
Ja, richtig. Die politische Unsicherheit wächst. Das System ist instabiler geworden, und das ist nicht gut für das Geschäft.

Herr Autor, vielen Dank für das Interview.

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