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Investmentforum Katar wird größter Golf-Investor in Deutschland

Wirtschaftliche Hochzeit zwischen zwei Ländern: Katar weitet seine Investments in Deutschland deutlich aus. Merkel preist Katars Rolle für die Gasversorgung Deutschlands.
Update: 07.09.2018 - 14:25 Uhr 1 Kommentar
Angela Merkel und der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, bei der deutsch-katarischen Wirtschaftskonferenz. Quelle: dpa
Die Kanzlerin und der Emir

Angela Merkel und der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, bei der deutsch-katarischen Wirtschaftskonferenz.

(Foto: dpa)

BerlinAusgerechnet Hochzeitskästchen, die ein katarischer Handwerker im weißen arabischen Dischdascha-Kostüm am Ausgang des Konferenzsaals mit Goldplättchen und Perlen drechselte, zeigte Katars Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, der deutschen Bundeskanzlerin. Und er fügte hinzu: „Katars Wirtschaft begann ja mit der Perlenfischerei.“ Und Angela Merkel freute sich, denn „in meinem Wahlkreis leben ja auch einige Menschen von der Fischerei“.

Hochzeit schließen auch Katar und deutsche Unternehmen: Der Emir kündigte bei seiner Rede zur Eröffnung des Katar-Deutschland Forums für Business und Investment an diesem Freitag in Berlin weitere zehn Milliarden Euro Investitionen in deutsche Firmen binnen fünf Jahren an. Damit steigert das kleine Emirat am Golf sein Deutschland-Engagement auf 35 Milliarden Euro – und wird vor Kuwait (bisher 27 Milliarden) größter Golf-Investor in der Bundesrepublik.

„Wir heißen ihre Investitionen in Deutschland willkommen“, antwortete die Kanzlerin und fügte hinzu: „Ich freue mich, dass Katar zunehmendes Interesse an Investitionen in Deutschland zeigt.“ Dies zeige, so Merkel, „dass wir als Deutschland ein attraktiver Investitionsstandort sind“. Dies liege „nicht in erster Linie an der Politik, sondern vor allem an unseren hervorragenden Unternehmen“, meinte die deutsche Regierungschefin – nicht ohne die Erfolge von neun Jahren Wirtschaftswachstum und fünf Jahren ohne Neuschulden herauszustreichen.

Zuvor hatte Emir Tamim auch sein Land gepriesen, das von internationalen Finanzorganisationen als „in der Top-Liga bei Wachstum, Kreditwürdigkeit und Vertrauen“ gewertet werde. „Wir sind stolz auf unsere Beziehungen zu und die Zusammenarbeit mit Deutschland“, meinte Katars Herrscher. Man wisse „sehr genau um die Rolle Deutschlands in der Weltwirtschaft“.

Die deutsche Rolle beschrieb Merkel angesichts der „politisch angespannten Lage in der Golfregion“ als Mittler: „Wir bedauern diese Krise, Deutschland ist darin keine Partei“, unterstrich die CDU-Chefin. Ohne – wie auch der Emir - das Wort Blockade in den Mund zu nehmen, die arabische Nachbarländer gegen den kleinen Staat auf der Halbinsel vor Saudi-Arabien im Juni 2017 verhängt haben. Denn deutsche Unternehmen sind hin- und hergerissen zwischen Engagement in Katar und Aufträgen im ungleich größeren Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Merkel sprach sich für eine „von allen anerkannte, verlässliche Sicherheitsarchitektur am Golf aus“, dabei habe „Deutschland großes Interesse an engerer Kooperation mit Katar“ – nicht zuletzt wegen der reichen Gasreserven. Katar ist der weltgrößte Flüssiggas-Exporteur, und „besonders im Energiebereich bietet sich noch großes Potenzial für unsere Zusammenarbeit“, versprach sie dem Emir.

Die Bundesregierung, die sich bisher stark für den Bau einer weiteren Ostsee-Pipeline aus Russland nach Deutschland eingesetzt hatte, arbeite aktiv daran, die deutsche Flüssiggas-Infrastruktur auszubauen. In Deutschland werde derzeit das erste LNG-Terminal geplant, der Versorger RWE hat dazu gerade katarisches Flüssiggas (LNG) geordert. „Flüssiggas gewinnt an Bedeutung“, sagte Merkel und unterstrich die „Diversifizierung der Lieferanten“, die „der deutschen Versorgungssicherheit dient“.

Bisher ist Katar vor allem bei Volkswagen, Deutscher Bank, Siemens, Solarworld, Hochtief und Hapag-Lloyd investiert. Damit, so attestierte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und Mit-Eigner des Berliner Recycling-Konzerns Alba, dem Land, sei es „in die Weltliga aufgestiegen“ und biete deutschen Unternehmen „sehr große Perspektiven“ – auch im Vorfeld der Fußball-WM 2022 in Katar.

Zum Mittagessen wollte der Emir zusammen mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die CEOs großer deutscher Unternehmen – darunter Deutsche Bank-Chef Christian Sewing - sowie Vorstände von VW, Siemens und Hapag-Lloyd – treffen. Außerdem wird er von Außenminister Heiko Maas (SPD) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen.

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1 Kommentar zu "Investmentforum: Katar wird größter Golf-Investor in Deutschland"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Pecunia non olet - wir nehmen die Investitionen aus Katar gerne an, sofern unsere Unter-
    nehmen nicht total abhaengig werden. Auch Fluessiggas ist willkommen, sofern die Regierung nicht die Terminals bezahlen muss fuer diese wesentlich teurere Gasvariante,
    aber sie kann das russische Gas nicht ersetzen. Katar ist der konservativste Golfstaat.
    ich verstehe immer noch nicht, dass die Fussball-WM in einem Staat austraegt, wo man
    nur in wenigen Laeden beschraenkt Bier kaufen kann, dass man dann auf dem kuerzesten
    Weg nach Hause bringen muss. Ist aber fuer mich persoenlich kein Problem.