Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
„Katar-Deutschland Forum für Business und Investment“

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt Katars Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani.

(Foto: AFP)

Investmentforum Katars Milliarden-Show – Der Emir lockt Deutschland mit üppigen Investitionen

Wenn sich am Freitag die Kanzlerin, Katars Emir und Top-CEOs in Berlin zusammenfinden, geht es um ganz viel Geld. Denn Katar hat große Pläne in Deutschland.
Update: 07.09.2018 - 11:52 Uhr Kommentieren

BerlinViele Lacher hatte der für seine lockeren Sprüche bekannte Qatar-Airways-Chef Akbar al-Baker beim Gala-Dinner am Vorabend des Katar-Investmentforums in Berlin auf seiner Seite. Bei der Begrüßung der Gäste stellte er die „erste Doppelbett-Kabine an Bord einer Linienmaschine“ vor und schob süffisant hinterher: „Die ist nur zum Schlafen – für sonst nichts.“ Herzhafte Lacher einerseits füllten den Raum, anderen blieb der Hummer im Hals stecken.

Am Freitragmorgen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Katars Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, das „Katar-Deutschland Forum für Business und Investment“ vor 900 Konzernchefs, Firmenvertretern und Unternehmern aus Deutschland, Katar sowie einigen anderen europäischen Ländern eröffnet.

Dazu hat der junge Emir nicht nur sein halbes Kabinett mitgebracht und 300 Geschäftsleute aus der Heimat, sondern auch Investitionen im Umfang von zehn Milliarden Euro im Gepäck, wie das Handelsblatt aus diplomatischen Kreisen erfuhr.

Katar hat in Berlin verkündet, seine Investitionen in Deutschland von 25 auf 35 Milliarden Euro erhöhen und damit zum größten Investor hierzulande aus den Golfstaaten werden - bisher ist dies Kuwait mit rund 27 Milliarden Euro.

Dabei ziele der weltgrößte Flüssiggas-Exporteur nicht nur auf weitere Aktienkäufe seines Staatsfonds QIA ab, sondern auf starke Beteiligungen am deutschen Mittelstand, hatte Katars Finanzminister und QIA-Aufsichtsrat Ali Sharif al-Emadi dem Handelsblatt vorab in Doha gesagt.

Mehr zum Thema:

Auch Merkel betonte die engere Zusammenarbeit im Gassektor. „Besonders der Energiebereich birgt hier aus meiner Sicht noch erhebliches Potenzial für den Ausbau unserer Wirtschaftsbeziehungen“, sagte die Kanzlerin auf dem Forum. Flüssiggas (LNG) trage auch zur Diversifizierung der Gasbezugsquellen bei und diene damit der Versorgungssicherheit. Hintergrund ist die anhaltende Debatte etwa mit den USA und osteuropäischen Ländern über einen Ausbau der Gasbezüge aus Russland.

Das deutsche Gasnetz sei bereits an die LNG-Importterminals in den Nachbarländern Niederlande, Belgien und Polen angeschlossen, ergänzte Merkel. „Aber wir arbeiten auch in der Bundesregierung daran, die Flüssiggasinfrastruktur in Deutschland selbst weiter voranzubringen.“ Deutsche Unternehmen hätten bereits Projekte für den Bau eines LNG-Importterminals.

Bisher ist Katar vor allem bei Volkswagen, der Deutschen Bank, Siemens, Solarworld, Hochtief und Hapag-Lloyd investiert. Damit sei das Land „in die Weltliga aufgestiegen“ und biete deutschen Unternehmen „sehr große Perspektiven“ – auch im Vorfeld der Fußball-WM 2022 in Katar, sagte Eric Schweitzer.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und Miteigner des Berliner Recycling-Konzerns Alba hofft, dass nach den ernüchternden Erfahrungen der deutschen Nationalmannschaft in Russland dann „wenigstens die zweite Runde erreicht wird“, wie er auf dem Festempfang sagte.

Der Emir und die Bayern

Dabei helfen könnte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef bei Bayern München: Qatar Airways ist Partner des Deutschen Meisters und Fifa-Großsponsor. Rummenigge kommt wie die CEOs großer deutscher Unternehmen – darunter Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, sowie Vorstände von VW, Siemens und Hapag-Lloyd – am Mittag mit dem Emir und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zusammen.

Außerdem trifft der Staatschef aus Katar noch Außenminister Heiko Maas (SPD), Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Im Mittelpunkt aber standen am Freitag die Wirtschaftsgespräche. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte am Donnerstagabend schon zum „Ausbau bestehender und dem Aufbau neuer Partnerschaften“ mit dem Emirat aufgerufen – gerade der „Logistikweltmeister Deutschland“ habe da dem Austragungsland der Fifa-WM viel zu bieten.

Katars Vizepremier und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sah bereits eine „leuchtende Zukunft“, nachdem sein Land zum „stabilsten und am schnellsten wachsenden im gesamten Mittleren Osten“ geworden sei. Da nickten die beim Gala-Dinner anwesenden Aufsichtsratschefs von VW und Deutscher Bank, Hans Dieter Pötsch und Paul Achleitner.

Kein Saal – dann wird halt das Hotel gekauft

Forum und Dinner finden im Maritim-Hotel statt – auch dies im Besitz eines katarischen Milliardärs. Denn als Katar vor etlichen Jahren nur schwer einen großen Konferenzraum in der deutschen Hauptstadt finden konnte, war Scheich Faisal Bin Qassim al-Thani, einer der reichsten und angesehensten Geschäftsmänner der ganzen Golfregion, mit dem Scheckbuch zur Hand und kaufte gleich das ganze Hotel.

Inzwischen hat seine Al Faisal Group zwei Hotels in Berlin, Dutzende Nobelherbergen im heimischen Doha, in Miami, am New Yorker Times Square und Fünf-Sterne-Herbergen an vielen anderen Orten der Welt. Hinzu kommen zahlreiche weitere Geschäftsbereiche wie Autohandel, Lebensmittelverarbeitung, Farbwerke, Transport und vieles mehr.

Katars Emir ist bereits zum zweiten Mal bei Merkel seit Verhängung der Katar-Blockade durch die Nachbarstaaten im Juni 2017. Deutschland hatte diese Blockade sehr früh verurteilt und zur Lösung der Krise aufgerufen – und damit das große Saudi-Arabien verärgert.

Dies ist auch der Grund, warum nicht alle prominenten deutschen Wirtschaftslenker, die mit Katars Führung in Berlin zusammenkommen, sich offen zeigen wollten. Riad und Abu Dhabi machen Druck auf deutsche Firmen, sich nicht in Katar oder im Iran zu engagieren.

Und so sickerten im Vorfeld nur wenige Informationen zu anstehenden Deals durch: Lediglich RWE hatte bekanntgegeben, dass es katarisches Flüssiggas für das erste deutsche LNG-Terminal geordert hat und damit die Aussage des CEOs von Qatar Petroleum in einem Handelsblatt-Interview bestätigt. Die Deutsche Bahn wird Katar bei der Sicherheit der Eisenbahnen im Land helfen.

Die DIHK und die Qatari Businessmen Association gründen einen gemeinsamen Business Council, um den 2017 auf den Rekordwert von 2,5 Milliarden Euro gestiegenen bilateralen Handel weiter anzukurbeln. Und die TU München wird eine Filiale in Doha bauen, zudem wird die Kooperation mit der Berliner Privatuni ESMT angeschoben. Denn Katar setzt sehr stark auf den Ausbau seiner Bildungseinrichtungen und fördert mit Stipendien auch viele junge Menschen in muslimisch geprägten Staaten.

Reformen am Golf

Aber auch in anderen Bereichen modernisiert sich der Staat mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen gemessen an der Einwohnerzahl rasant: So hat der Emir direkt vor seinem Abflug nach Berlin ein Dekret unterzeichnet, wodurch Gastarbeiter aus dem Land ohne Ausreisevisa in ihre Heimatländer zurückkehren können. Damit wäre Katar der erste Golfstaat, der diese Restriktionen aufhebt. Zuvor waren im Zuge von Skandalen um WM-Bauten die Bedingungen für Gastarbeiter bereits verbessert worden.

Zudem wurde für die Bürger vieler Staaten die Visumspflicht für Reisen nach Katar aufgehoben und für Unternehmen bisher restriktive Beschränkungen: Nun können ausländische Firmen 100-prozentige Tochtergesellschaften dort gründen, ohne jedweden katarischen Partner.

Das Gleiche gilt für die sogenannte „Free Zone“, die gleich nach der Berliner Investorenkonferenz eröffnet werden soll. Damit sollen ausländische Firmen zollfrei in Katar produzieren und das Land als Drehscheibe für die Region nutzen können.

Nachdem sich mit Qatar Airways und Bayern München bereits zwei Weltmarken gefunden hätten, werde in Berlin nun „die Zusage für mehr Investments eingelöst“, sagte al-Baker, der einer der am schnellsten wachsenden Fluggesellschaften weltweit und der global zweitgrößten Cargo-Airline vorsteht. Dazu holte er neben dem defensiven Mittelfeldspieler des deutschen Rekordmeisters, Javi Martínez, ausgerechnet Alt-Star Lothar Matthäus auf die Bühne. In Katar zählen noch alte Werte.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Investmentforum - Katars Milliarden-Show – Der Emir lockt Deutschland mit üppigen Investitionen

0 Kommentare zu "Investmentforum: Katars Milliarden-Show – Der Emir lockt Deutschland mit üppigen Investitionen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%