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Irak Als Omars Traum ausgeträumt war

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Die erste Schuld des jungen Ärztepaares war es, dass sie in einem der so genannten Unruhe-Wohnviertel lebten, die sich nach dem Anschlag auf die goldene Grabmoschee in Windeseile vermehrten. Die Zweite war, dass sie zwar Moslems waren, aber wie schon für jeden Araber aus dem Namen „Omar“ zu erkennen ist, der sunnitischen Konfession angehörten. Und sie wohnten nach dazu in einem Wohnviertel mit schiitischer Mehrheit, was bis dato nichts Außergewöhnliches war.

Es kam auch für sie der Tag, an dem frühmorgens unbekannte Bewaffnete in Zivil an ihrer Haustür klopften und ihnen ein Ultimatum setzten, innerhalb von 48 Stunden ihr Haus zu räumen. Ansonsten würden sie „als zerstückelte Leichen den in Bagdad überall streunenden Hunden einen genehmen Fraß bilden“.

Am Abend des nächsten Tages trafen sie mit einem LKW, auf den sie hastig ihr Hab und Gut geladen hatten, in einem Wohnviertel mit einer Bevölkerungsmehrheit ihrer Konfession ein, in dem Omar zuvor ein heruntergekommenes kleines Miethaus gefunden hatte.

Der kinderlose Fousi von „nebenan“ begrüßte sie herzlich, erfreut darüber, zwei Menschen seiner Konfession mit einem der ehrenhaftesten Berufe seine Nachbarn nennen zu können, und ließ es sich trotz seines hohen Alters nicht nehmen, beim Abladen und Einräumen des Mobiliars Hand anzulegen.

Fousi konnte nicht ahnen, dass er nicht dazu kommen würde, mit den Kindern der neuen Nachbarn zu spielen.

In der Eile musste das Ehepaar viele Sachen im alten Haus zurücklassen. Was sie aber in den kalten Wintertagen unbedingt brauchten, war der Boiler. Geld ist ihnen für den Kauf eines neuen nicht verblieben. Also pochte Ihlam darauf, zurückzufahren, um wenigstens den Boiler zu holen. Omar hatte Angst und lehnte ab. Es kam zum ersten und letzten Streit zwischen dem Ehepaar. Beide sprachen ein paar Tage nicht miteinander, bis sich Omar umstimmen ließ und mit ihr in ein Taxi in Richtung ihres alten Hauses stieg. Kaum waren sie in ihrem alten Wohnviertel eingetroffen, wurde das Taxi von vermummten, in Schwarz gekleideten Männern angehalten: „Eure Ausweise! Omar heißt du sunnitischer Hundesohn?!“

Es kam, wie es kommen musste, und es ist ein häufig anzutreffendes Verbrechen heutzutage in Bagdad: Beide wurden aus dem Taxi herausgerissen und durch mehrere Kopfschüsse niedergestreckt. Die Kinder leben jetzt bei den Großeltern väterlicherseits.

Um der Sache gerecht zu werden, muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass einem Ali oder einem anderen Schiiten in einem sunnitischen Wohnviertel Bagdads das gleiche Schicksal heimgesucht hätte, nein, viele von ihnen bereits heimgesucht hat.

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