Irak Mossul-Offensive kostet Tausende Zivilisten das Leben

Seit Oktober läuft der Angriff auf die IS-Hochburg Mossul. In der dicht bebauten Altstadt sind 400.000 Menschen eingeschlossen. Sie schweben in großer Gefahr. Eine Flucht ist praktisch ausgeschlossen.
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Was aus einem Ort wird, in dem der IS gewütet hat
Das letzte Mahl
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Auf dem Boden in der dreckigen Küche steht die wohl letzte Mahlzeit der IS-Bombenbastler von Baschika. Eine Kanne und zwei Töpfe, einer leer, im anderen ein verschimmelter Eintopf. Kelle und Löffel liegen unbenutzt daneben. Die Köche, Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat, sind wohl tot. Hinterlassen haben sie versteckte Sprengsätze, die überall in der nordirakischen Geisterstadt darauf lauern, zu töten.

Ausgeklügeltes Tunnelsystem
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Die Erde türmt sich überall in dem einst von Christen bewohnten Haus. Denn die Dschihadisten mischten im dunklen Badezimmer zwischen Eimern und Apparaten nicht nur die Chemikalien für Bomben. Sie gruben während ihrer Herrschaft über Baschika seit 2014 auch einige Tunnel. Wo die hinführen? Das weiß niemand. Die Kämpfer der Terrormiliz sollten in einem Haus verschwinden und an ganz anderen Orten wieder auftauchen können.

Geruch von Curry in der Luft
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Ismael Abdel Rahman lebte in Baschika und ist nun als Besucher wiedergekommen. Er will seiner Familie zeigen, was von ihrem Haus und dem Gewürzladen übrig geblieben ist. Niedergeschlagen steht er vor den verbogenen Türen. Es riecht immer noch nach Kurkuma und Curry, aber der Verkaufsraum ist durchwühlt und chaotisch. „Es war zu viel Schmerz, als ich kam und den Laden so gesehen habe“, sagt der Mann.

Geisterstadt
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Die Straße ist leer. Genau wie jeder Platz, jedes Haus und auch die Kirche des Ortes, deren Scheiben eingeschmissen sind, das Innere verwahrlost. Es herrscht absolute Stille, die nur zeitweise durch das Grollen des Himmels unterbrochen wird: Kampfjets, die Bomben auf das nahe Mossul werfen, in dem der IS noch immer einen Großteil des Stadtgebietes kontrolliert.

Bürokratie à la IS
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Sie beschmierten die Wände mit Filzstift: „Entweder der Sieg oder sterben mit Gottes Willen“ steht dort geschrieben. In einer Schublade findet sich ein Papier. „Erlaubniskarte“ steht drauf, und daneben „Islamischer Staat“. Ein Kämpfer reichte damit einen dreitägigen Urlaub ein. Ein Stempel zeigt an: Der Bitte wurde stattgegeben. Bürokratie à la IS.

Herrscher über eine leere Stadt
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Seit November ist die IS-Herrschaft vorbei. Mit der Offensive der irakischen Armee und seiner Verbündeten auf Mossul wurde auch das nahe Baschika von kurdischen Kämpfern eingekreist und schließlich erobert. Wohl mehr als 100 IS-Kämpfer wurden getötet. Sie hatten über eine leere Stadt geherrscht. Die Bewohner, vor allem Jesiden und Kurden, waren geflohen, kurz bevor die Extremisten die Stadt überrannten. Nun ist sie zerstört.

Explosives Vermächtnis
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0 bis 40 Prozent der Häuser seien zerstört, erzählt General Bahram Jasin von den kurdischen Peschmerga, die ihr Lager am Stadtrand aufgebaut haben. Und Gefahr bestehe weiterhin: „Wir haben eine Karte gefunden, die die Sprengfallen des IS zeigt. Auf dieser einzigen Karte sind 2010 Sprengsätze eingezeichnet.“ Die Räumung wird Monate dauern. Aber ob die ehemaligen Bewohner dann zurückzukehren wollen, ist fraglich.

MossulDie Zahl der getöteten Zivilisten bei der Offensive auf die IS-Hochburg Mossul ist nach Angaben des irakischen Zivilschutzes stark gestiegen. Seit Beginn des Angriffs auf den Westteil der Stadt im Februar seien mehr als 3000 Zivilisten ums Leben gekommen, sagte ein Vertreter der irakischen Zivilverteidigung, der ungenannt bleiben wollte, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Unter ihnen seien Kinder, Frauen und Alte.

Die meisten Opfer seien in den vergangenen drei Tagen bei Luftangriffen und Artilleriefeuer auf die Altstadt von Mossul getötet worden, erklärte er weiter. Hunderte Opfer lägen noch in verschiedenen Vierteln West-Mossuls unter den Trümmern. Sie könnten nicht geborgen werden, weil IS-Scharfschützen das verhinderten und Helfer nicht in der Lage seien, die Trümmer zu heben.

Iraks Zivilverteidigung untersteht dem Innenministerium in Bagdad. Sie ist für die Rettung und Bergung von Opfern zuständig.

Am Mittwoch waren bei einer gewaltigen Explosion in West-Mossul verschiedenen Berichten zufolge mehr als 100 Zivilisten getötet worden. Die Ursache der Explosion ist unklar. Ein Aktivist berichtete, ein Luftangriff habe einen mit Sprengstoff beladenen Laster getroffen. Ein irakischer General erklärte hingegen, der IS habe Häuser mit Sprengladungen versehen, die explodiert seien.

Die Offensive auf die letzte Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak hatte im Oktober begonnen. Allein in der eng bebauten Altstadt Mossls sind den UN zufolge noch 400 000 Menschen eingekesselt. Die US-geführte internationale Koalition unterstützt den Angriff mit Luftangriffen.

Die Internetseite Airwars.org, ein Projekt von Journalisten, warf den USA vor, die Zahl der zivilen Opfer bei Angriffen der Koalition sei zuletzt stark gestiegen. Berichten zufolge benutzt der IS Zivilisten als Schutzschilde und drohen jedem mit Erschießung, der fliehen will.

UN: „400.000 Zivilisten sind eingeschlossen“

UN: „400.000 Zivilisten sind eingeschlossen“

Auch aus Syrien hatten Aktivisten in den vergangenen Tagen Dutzende tote Zivilisten nach Luftangriffen der internationalen Koalition gemeldet. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte am Freitag, in den vergangenen vier Wochen seien bei Bombardierungen in verschiedenen Regionen 220 Zivilisten getötet worden.

Allein in dieser Woche starben demnach bei Luftangriffen auf die vom IS kontrollierten Orte Al-Tabka und Al-Mansura fast 50 Menschen. Die US-Armee erklärte, sie untersuche die Vorfälle. Die internationale Koalition unterstützt in Nord-Syrien eine Offensive von Kurden angeführter Truppen auf die IS-Hochburg Al-Rakka.

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  • dpa
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1 Kommentar zu "Irak: Mossul-Offensive kostet Tausende Zivilisten das Leben"

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  • Als die Assad-Truppen mit Hilfe Russlands und des Iran Aleppo vollständig eingenommen haben, gab es tägliche Berichte, wie viel Zivilisten umgekommen sind.
    Russland-Beteiligung: Jeden tag ein riesen Aufhänger

    Bei Mossul hört man jetzt seit Wochen das erste mal davon (zumindest bewußt).
    USA-Beteiligung: da ist es eine Randnotiz, dafür gleich 3000....

    Für mich ist das eine ungleiche Berichterstattung.

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