Irak Sorge vor militärischem Konflikt mit Kurden

Die Terrormiliz Islamischer Staat ist im Irak noch nicht endgültig besiegt, da droht schon das nächste Blutvergießen. Bagdad will das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden nicht akzeptieren und lässt die Muskeln spielen.
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Die kurdischen Soldaten befürchten eine Militäroperation von irakischen Regierungskräften. Quelle: dpa
Peschmerga

Die kurdischen Soldaten befürchten eine Militäroperation von irakischen Regierungskräften.

(Foto: dpa)

BagdadIm Streit um das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak wächst die Sorge vor einem bewaffneten Konflikt. Das Generalkommando der kurdischen Peschmerga-Kämpfer warf Iraks Regierungskräften am Freitag vor, einen „Krieg gegen Kurdistan“ vorzubereiten. Armee und schiitische Milizen rückten zugleich südlich der Stadt Kirkuk ohne Kämpfe in Gebiete vor, die seit mehr als drei Jahren von Kurden kontrolliert wurden.

Iraks Militärführung wies Meldungen über den Beginn einer gegen die Kurden gerichteten Militäroperation zurück. Die Einheiten bei Kirkuk seien weiterhin dabei, von der IS-Terrormiliz befreites Gebiet zu säubern und zu durchkämmen, hieß es in einer Erklärung.

Auch der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi bekräftige in Mitteilungen über Twitter, die Regierungskräfte könnten und würden keine irakischen Bürger angreifen, seien es Araber oder Kurden. Er wolle keinen arabisch-kurdischen Konflikt.

In der ölreichen Provinz Kirkuk ist der Konflikt zwischen Kurden und Zentralregierung besonders scharf, weil diese von beiden Seiten beansprucht wird. Die Peschmerga hatten im Sommer 2014 die Kontrolle über die Provinz übernommen, nachdem die Armee vor dem Ansturm der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflohen war. Die Kurden exportieren von Kirkuk aus Öl über eine Pipeline in die Türkei.

Die Kurden im Nordirak hatten sich im September in einem umstrittenen Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Abspaltung vom Irak ausgesprochen. Die Zentralregierung in Bagdad lehnte die Volksabstimmung jedoch als verfassungswidrig ab und pocht auf die Einheit des Landes. Auch die Nachbarn Türkei und Iran erklärten das Referendum für null und nichtig. Wie die Zentralregierung haben sie den Luftraum der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak geschlossen.

Ein hoher irakischer Offizier teilte mit, Armee und verbündete Milizen seien in Gebiete bei Kirkuk vorgerückt, die die Kurden in der Nacht auf Freitag verlassen hätten. Peschmerga-Kommandeur Scheich Dschafar erklärte, die Kurden hätten Gebiete aufgegeben, die keine militärische Bedeutung hätten, wie die Nachrichtenseite Rudaw meldete. Der Peschmerga-Kommandeur Kamal Kirkuki sagte zugleich der Deutschen Presse-Agentur, irakische Kräfte hätten versucht, die Front in der Region zu durchbrechen.

Die Kriegsgeräte der Terroristen
Unheimlicher Fuhrpark
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Auf einem Gelände außerhalb Mossuls präsentiert die irakische Polizei die beschlagnahmten Fahrzeuge.

Wüstenplanet
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Ein irakischer Polizist steht neben einem der Tötungsvehikel des IS. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine Requisite aus „Star Wars“ oder „Mad Max“ dient in Wahrheit der Ermordung irakischer Soldaten und Zivilisten.

Schweres Gerät
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Seit Beginn der Schlacht um Mossul verübte die die Terrormiliz IS nach eigenen Angaben 482 Selbstmordattentate. Einmal auf Touren, sind die rollenden Eisenberge für das irakische Militär kaum aufzuhalten.

Eisernes Ungetüm
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Für die Panzerung eines Fahrzeugs dürften die Terroristen mehrere Tage benötigt haben. Der zeitliche Aufwand und die offensichtliche Akribie lassen die „Bastelarbeit“ der Terroristen besonders perfide erscheinen.

Völlig entstellt
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Dieser Toyota Land Cruiser ist durch den stählernen Überbau nicht mehr wiederzuerkennen. Der spitze Zulauf der Frontschürze erinnert beinahe an ein polizeiliches Räumfahrzeug. Der vordere Teil des Autos ist komplett von Eisen ummantelt. Gewehrkugeln stellen somit kein relevantes Hindernis für den Attentäter dar. Lediglich ein Guckloch auf der Fahrerseite bildet den letzten verwundbaren Punkt.

Grausiges Innenleben
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Direkt neben dem Fahrersitz befindet sich die Sprengstoffkammer. Unmittelbar nach dem Aufprall wird diese vom Fahrer zur Detonation gebracht.

Nicht straßentauglich
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Von hinten machen die Fahrzeuge der Selbstmordattentäter den Anschein, als seien sie reif für den Schrottplatz.

Das kurdische Peschmerga-Kommando warnte vor einer „großen Katastrophe“. Die Peschmerga wollten kein Blutvergießen, seien aber bereit, „das Volk Kurdistans“ zu verteidigen, hieß es in einer Erklärung. „Wir werden niemandem erlauben, uns anzugreifen.“

Irakische Regierungskräfte hatten Anfang des Monates südwestlich von Kirkuk die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierte Stadt Hawidscha und deren Umland befreit. Damit kontrollieren die Extremisten nur noch Gebiete im Westen des Landes.

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  • dpa
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