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Iran-Konflikt Festgesetzte Tanker: Iranischer Präsident stellt Austausch in Aussicht

Iran und Großbritannien halten jeweils einen Öltanker des anderen Landes fest. Von beiden Seiten gibt es nun Vorstöße, um den Konflikt zu lösen.
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Am Freitag hatten die iranischen Revolutionsgarden die unter britischer Flagge fahrende „Stena Impero“ in der Straße von Hormus gestoppt. Quelle: AP
„Stena Impero“-Tanker

Am Freitag hatten die iranischen Revolutionsgarden die unter britischer Flagge fahrende „Stena Impero“ in der Straße von Hormus gestoppt.

(Foto: AP)

Genf, Teheran Zur Beilegung des Tankerstreits mit Großbritannien hat der iranische Präsident Hassan Ruhani einen Austausch der festgesetzten Öltanker beider Länder in Aussicht gestellt. „Wir wollen keine Spannungen, und wenn sich alle an die Vorschriften halten, auch an die in Gibraltar, dann werden sie (Briten) von uns eine geeignete Antwort erhalten“, sagte Ruhani bei einer Kabinettssitzung am Mittwoch. Der Iran sei weder stur noch wolle er einen Konflikt am Persischen Golf, aber der Iran werde auch nicht auf Druck und Drohungen klein beigeben, so der Präsident nach Angaben seines Webportals.

Die jüngste Eskalation des Konflikts begann am 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar ein Supertanker mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Am vergangenen Freitag stoppten die Iranischen Revolutionsgarden dann den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ in der Straße von Hormus.

Das Schiff habe internationale Vorschriften nicht beachtet, erklärten sie. Außerdem soll die „Stena Impero“ ihr GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien am Bord gehabt haben. Großbritannien sprach von einem Akt „staatlicher Piraterie“.

Die Reederei des vom Iran beschlagnahmten britischen Öltanker „Stena Impero“ hat nun aber erstmals mit der Besatzung des Schiffs sprechen können. Man habe am Dienstagabend zum ersten Mal seit dem Vorfall in der Straße von Hormus direkt mit der Crew des Tankers kommuniziert, teilte das schwedische Schifffahrtsunternehmen Stena Bulk am Mittwoch mit. Der Kapitän habe die Reederei benachrichtigt, dass jedes der Besatzungsmitglieder in Sicherheit sei und gut mit dem iranischen Personal an Bord kooperiert werde.

„Wir wissen diesen Entwicklungsschritt natürlich zu schätzen“, erklärte Reedereichef Erik Hånell. Es handele sich um ein erstes Zeichen, dass man bald weiteren Fortschritt vonseiten der iranischen Behörden sehen werde. Der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ sagte Hånell, der Kapitän habe davon berichtet, dass die Crew zwar gut behandelt werde und körperlich unversehrt sei, die Situation aber eine große psychische Belastung für sie sei. An Bord befinden sich 23 Besatzungsmitglieder aus Indien, Russland, Lettland und von den Philippinen.

Nach der Festsetzung des britischen Tankers durch den Iran will die Regierung in London eine von europäischen Ländern angeführte Seeschutzmission in der Region auf den Weg bringen. Dieser angedachte Einsatz soll Schiffe schützen, die durch die für den internationalen Handel wichtige Meerenge fahren.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) befinde sich seit der Festsetzung eines britischen Tankers durch den Iran in der strategisch wichtigen Meerenge im Persischen Golf in einem engen Austausch mit seinem französischen und britischen Amtskollegen, sagte der Sprecher.

Er wies darauf hin, dass beide europäische Partner traditionell eine Marinepräsenz am Persischen Golf hätten. Deutschland beteilige sich intensiv an den Gesprächen über eine mögliche europäisch geführte Mission am Golf. „Die konzeptionellen Überlegungen dazu stehen aber noch am Anfang. Es ist heute noch zu früh, über mögliche Formen einer deutschen Unterstützung oder Beteiligung zu sprechen.“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrüßte die Überlegungen, Schiffen in der Golfregion einen europäischen Geleitschutz zu geben. „Eine funktionierende Handelsschifffahrt ist für die Exportnation und das Industrieland Deutschland von herausragender Bedeutung. Es geht darum, mit einem defensiven Einsatz die Stärke des internationalen Rechts zu sichern“, sagte Stefan Mair, der der BDI-Hauptgeschäftsführung angehört. „Dabei ist es eine Frage der Solidarität unter uns Europäern, dass sich auch Deutschland der britischen Initiative anschließt.“

Straße von Hormus: „Kein Ort für Spielchen mit internationalen Regeln“

Der Iran hingegen erhebt neben der Sicherung der Straße von Hormus auch Anspruch auf den Schutz des Schifffahrtsverkehrs durch die Meerenge Bab al-Mandeb am Roten Meer. Der Iran sei der Beschützer des Bab al-Mandeb gewesen und bleibe das auch, erklärte der iranische Präsident Hassan Ruhani am Mittwoch auf seiner Webseite.

Die Meerenge liegt an der Südküste der Arabischen Halbinsel, Anrainerstaaten sind das Bürgerkriegsland Jemen, wo sich der Iran und Saudi-Arabien einen Stellvertreterkrieg liefern, sowie Eritrea und Dschibuti auf dem afrikanischen Kontinent. Dem Königreich Saudi-Arabien, das die Vorherrschaft auf der Arabischen Halbinsel und in der Region für sich fordert, dürfte der Anspruch des Erzfeindes Iran ein Dorn im Auge sein.

Die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandeb (Tor der Trauer) liegt zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, der ein Teil des Arabischen Meeres und damit des Indischen Ozeans ist. Das Rote Meer wiederum verbindet über den Suezkanal das Mittelmeer mit dem Indischen Ozean. Damit ist der Bab al-Mandeb eine wichtige Passage für Schiffe, die auf der Fahrt von und nach Asien den langen Weg um das Kap der guten Hoffnung an die Südspitze Afrikas vermeiden wollen.

Zur Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer verbindet, sagte Ruhani, dies sei kein Ort für Spielchen mit internationalen Regeln. Der Iran beansprucht für sich, die Sicherheit der Schifffahrtsstraße vor seiner Küste zu gewährleisten.

Die britische Regierung hat nach Angaben der Führung in Teheran nun einen Vermittler in den Iran geschickt, um über die Freigabe des von ihm festgehaltenen britischen Tankers zu verhandeln. Die iranische Regierung solle überzeugt werden, den Tanker wieder freizugeben, teilte das Büro von Ajatollah Ali Chamenei, dem geistlichen und politischen Oberhaupt der Islamischen Republik, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge mit. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Die Krise mit dem Iran trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten. Die neue Regierung unter Premierminister Boris Johnson wird sich ab diesem Mittwoch auf das weitere Vorgehen im Fall Iran verständigen müssen.

Mehr: Die Straße von Hormus ist von großer Bedeutung für die weltweite Öl-Verschiffung. Deshalb werden laut dem Iran keine Beeinträchtigungen der Schifffahrt in diesem Gebiet zugelassen.

  • rtr
  • dpa
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1 Kommentar zu "Iran-Konflikt: Festgesetzte Tanker: Iranischer Präsident stellt Austausch in Aussicht"

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  • Die Vermittlung ist sehr einfach: Ihr gebt unseren Tanker frei, wir geben Euren Tanker frei.
    Wobei der iranische sehr viel groesser ist.

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