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Iran-Konflikt Großbritannien kündigt „Schutzeinsatz“ für Schiffe in Straße von Hormus an

In London hat zum dritten Mal der Nationale Sicherheitsrat getagt, weil Iran einen britischen Tanker festhält. Dieses Mal wurde eine Entscheidung gefällt.
Update: 22.07.2019 - 22:57 Uhr 1 Kommentar
Der Öltanker „Stena Impero“ wurde am Freitag von iranischen Revolutionsgarden gestoppt. Quelle: AP
Britischer Tanker

Der Öltanker „Stena Impero“ wurde am Freitag von iranischen Revolutionsgarden gestoppt.

(Foto: AP)

London Großbritannien will Schiffe in der Straße von Hormus zusammen mit europäischen Verbündeten schützen. Dazu werde ein „maritimer Schutzeinsatz unter europäischer Führung“ zusammengestellt, teilte die Regierung in London am Montag mit.

Einzelheiten nannte Außenminister Jeremy Hunt nicht, sondern sagte lediglich, London werde „angemessene Schritte unternehmen, um die sichere Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus zu unterstützen“.

Damit reagiert das Land auf einen Zwischenfall am Freitag vergangener Woche. Kämpfer der iranischen Revolutionsgarden hatten den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ in den Gewässern des Omans aufgebracht. Die britische Verteidigungsministerin Penny Mordaunt hatte deshalb von einer „feindlichen Handlung“ des Irans gesprochen.

Hunt sprach von einem „Akt staatlicher Piraterie“. Der Sprecher von Premierministerin Theresa May, James Slack, forderte die sofortige Freigabe von Schiff und Besatzung.

Dennoch sind die nun angekündigten Maßnahmen nicht so scharf, wie einige Beobachter erwartet hatten. Es ist der britischen Regierung offenbar daran gelegen, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Allerdings stellt sich London damit gegen die Linie der USA, die in dem seit Monaten schwelenden Konflikt mit dem Iran eine härtere Gangart einschlagen.

Doch Großbritannien setzt offenbar lieber weiterhin auf die europäischen Partner. Die Frage ist, ob das der neue Premierminister genauso sehen wird: Schließlich wird am Dienstag bekanntgegeben, wer neuer Vorsitzender der britischen Regierungspartei und damit auch künftiger Premier des Landes werden wird. Als Favorit gilt Boris Johnson. Und der hatte sich in der Vergangenheit bei anderen Themen bemüht, US-Präsident Donald Trump nicht zu verärgern. Viele Briten setzen darauf, ein umfassendes Handelsabkommen mit den USA zu schließen.

Der Ölpreis reagierte am Montag mit einer Achterbahnfahrt auf die widersprüchlichen Nachrichten vom Persischen Golf. Am Vormittag legte die Nordseesorte Brent zunächst um bis zu 1,5 Prozent zu, gab aber einen Großteil dieser Gewinne jedoch wieder ab.

Grund dafür war, dass die britische Regierung zunächst auf eine Vermittlungslösung zu setzen schien. Doch die Ankündigung Londons, einen Schutzeinsatz für Schiffe in der Straße von Hormus starten zu wollen, ließ den Ölpreis am späten Nachmittag wieder sprunghaft ansteigen.

Die Meerenge gilt als Nadelöhr im globalen Ölhandel, mehr als 20 Prozent des weltweiten Rohölangebots werden der Internationalen Energieagentur IEA zufolge durch die Passage verschifft. IEA-Chef Fatih Birol sah sich daher am Montag zu einem ungewöhnlichen Schritt genötigt. Er brachte die Freigabe der Notreserve der OECD-Staaten ins Spiel.

Die IEA ist eine Art Denkfabrik unter dem Dach der OECD, ein Zusammenschluss aus 36 Industriestaaten. Ihre Notreserven beliefen sich auf 1,55 Milliarden Barrel Öl, teilte Birol am Montag mit. Das sei genug, um eine ausreichende Versorgung mit Öl sicherzustellen, selbst wenn die Straße von Hormus für längere Zeit infolge einer Krise unpassierbar sei.  

Die schwedische Reederei Stena Bulk bemühte sich unterdessen darum, die Besatzung des Öltankers besuchen zu können. Bislang gebe es dazu noch keine Antwort der Iraner, hieß es. Die „Stena Impero“ wird im südiranischen Hafen von Bandar Abbas festgehalten. Den 23 Besatzungsmitgliedern geht es laut Reederei den Umständen entsprechend gut.

Die „Stena Impero“ habe gegen internationale Sicherheitsbestimmungen für die Schifffahrt verstoßen, sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif am Montag während eines Besuchs in Nicaragua. Der Tanker habe seine Signale länger als erlaubt abgeschaltet und die falschen Kanäle benutzt.

Der Iran zeigte am Montag erstmals Filmaufnahmen der Besatzung. Keiner der 23 Mannschaftsmitglieder ist britischer Staatsbürger. Sie stammen überwiegend aus Indien oder sind philippinische, russische und lettische Staatsangehörige. Auf den Bildern ist die Crew in roter Uniform zu sehen. Sie sitzen um einen Tisch herum.

Ein iranischer Mann bedankt sich für deren Kooperation. Ein Kameramann ist zu hören, der sie anweist, nicht in die Kamera zu schauen. Unklar blieb bei den Aufnahmen, ob die Besatzung gedrängt wurde, daran teilzunehmen.

Andere gestellte Bilder zeigen, wie ein Mann etwas auf dem Schiff überprüft, die Mannschaft gemeinsam lacht und neben einer Kaffeemaschine im Innern des Schiffs im Gespräch ist. Die Schiffsköche sind beim Vorbereiten von Essen zu sehen. Das iranische Staatsfernsehen zeigte eine iranische Fahne, die auf der Schiffsbrücke gehisst war.

Die jüngste Eskalation des Konflikts begann am 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar ein Supertanker mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Die Maßnahme gilt derzeit bis zum 20. August. „Anders als die Piraterie in der Straße von Gibraltar dient unsere Maßnahme im Persischen Golf dazu, die maritimen Regeln zu bewahren“, so Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif.

Mehr: Die Besetzung eines britischen Tankers verschärft die Spannungen mit dem Iran. Die Vereinigten Staaten drängen auf eine internationale Seepatrouille.

  • dpa
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1 Kommentar zu "Iran-Konflikt: Großbritannien kündigt „Schutzeinsatz“ für Schiffe in Straße von Hormus an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es handelt sich doch nur um eine Retour-Kutsche für den in Gibraltar festsitzenden iranischen Tanker. Ist das den Recht? Iran versucht an Geld zu kommen; dass kann nur der Export von Öl sein; wenn Europa und andere Länder nichts mehr abnehmen, dann bleibt vielleicht nur Syrien und ähnliche Regime übrig.

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