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Iran-Konflikt Streit um festgesetzten Tanker – „Der Iran ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet“

Großbritannien droht mit Konsequenzen, weil Iran einen britischen Tanker festgesetzt hat. Der Iran warnt die britische Regierung vor einer Eskalation der Krise.
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Irans Revolutionsgarden hatten den britischen Frachter nach eigenen Angaben gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Quelle: AP
Der britische Öltanker „Stena Bulk“

Irans Revolutionsgarden hatten den britischen Frachter nach eigenen Angaben gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht.

(Foto: AP)

Washington, Berlin, London, Teheran Der Iran hat die britische Regierung vor einer Eskalation der Krise um den beschlagnahmten Öltanker gewarnt. Es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten, twitterte Botschafter Hamid Baeidinedschad am Sonntag. Dies sei besonders in der derzeitigen Lage gefährlich und unklug. „Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet“, so der iranische Diplomat.

Die Festsetzung des britischen Öltankers in der Straße von Hormus durch den Iran droht zu einem gewaltsamen Konflikt zu führen. Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas hat sich in der Sache zu Wort gemeldet. Die Situation am Golf sei dadurch „noch ernster und gefährlicher geworden“ als ohnehin schon, sagte er der „Bild am Sonntag“. Es gehe darum, Krieg zu verhindern. Sollte die Diplomatie scheitern und es zu einer militärischen Eskalation kommen, gäbe es „keine Gewinner, nur Verlierer“, sagte er weiter.

Im Schulterschluss mit den USA hatte Großbritannien dem Iran nach der Festsetzung des unter britischer Flagge fahrenden Öltankers „Stena Impero“ mit ernsthaften Konsequenzen gedroht. Medienbericht zufolge erwäge die britische Regierung Sanktionen gegen den Iran.

Außenminister Jeremy Hunt dürfte am Sonntag diplomatische und wirtschaftliche Maßnahmen bekanntgeben, berichtete der „Daily Telegraph“ am Sonntag. Dazu gehöre das mögliche Einfrieren von Vermögen. Großbritannien könnte demnach darauf drängen, dass die Sanktionen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union gegen den Iran erneut verhängt werden. Diese waren 2016 nach einem Abkommen über das iranische Atomprogramm aufgehoben worden.

In einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat verurteilte Großbritannien zudem das Vorgehen des Irans: „Das Völkerrecht verlangt, dass das Recht auf Durchreise nicht behindert wird, und deshalb stellt die iranische Aktion einen illegalen Eingriff dar“, heißt es in dem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Brief, der auch an UN-Generalsekretär Antonio Guterres geschickt wurde. Der Tanker habe sich in omanischen Hoheitsgewässern befunden, als er von iranischen Streitkräften beschlagnahmt worden sei.

„Die derzeitigen Spannungen sind äußerst besorgniserregend, und unsere Priorität ist die Deeskalation. Wir suchen nicht die Konfrontation mit dem Iran“, heißt es in dem Brief an die UN. „Aber es ist inakzeptabel und eskalierend, die Schifffahrt zu bedrohen, die ihr legitimes Geschäft über international anerkannte Transitkorridore abwickelt.“

Britische Schiffe sollen Straße von Hormus meiden

Großbritanniens Verteidigungsministerin Penny Mordaunt hatte den Vorfall als „feindliche Handlung“ in den Gewässern des Omans bezeichnet, wie der britische Nachrichtensender Sky News berichtete. Ihr Ministerium wollte die Zitate allerdings nicht bestätigen.

Die Regierung in London forderte nun britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden. Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch dieses Nadelöhr verschifft.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien – dem Erzfeind des Irans – zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region. Trump will sich in der Krise eng mit der britischen Regierung abstimmen. Erst am Donnerstag hatte er erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt telefonierte am Samstag mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif. Hunt brachte bei dem Gespräch nach eigenen Angaben seine „tiefe Enttäuschung“ über die Situation zum Ausdruck. Hunt nimmt an, dass die Festsetzung eines iranischen Öltankers im britischen Gibraltar Auslöser für das jüngste Vorgehen ist. Der Tanker mit für Syrien bestimmtem Öl war Anfang Juli wegen des Verdachts auf Verstoß gegen EU-Sanktionen an die Kette gelegt worden. Am Freitag ordnete der Oberste Gerichtshof Gibraltars an, das Schiff weitere 30 Tage festzuhalten, bis zum 20. August.

Sarif erklärte auf Twitter, es sei der Iran, der im Persischen Golf und in der Straße von Hormus die Sicherheit garantiere. „Anders als die Piraterie in der Straße von Gibraltar dient unsere Maßnahme im Persischen Golf dazu, die maritimen Regeln zu bewahren“, so Sarif. Die EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini forderte nach Angaben eines Sprechers am Samstag die sofortige Freilassung des britischen Schiffs und warnte vor einer weiteren Eskalation.

Trump will Aufnahme von Gesprächen mit Iran ausloten

Die 23 Besatzungsmitglieder des Öltankers „Stena Impero“ waren den Umständen entsprechend wohlauf, sagte Erik Hånell, der Chef der Reederei Stena Bulk. Irans Revolutionsgarden hatten den Frachter nach eigenen Angaben gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Tanker habe internationale Vorschriften missachtet. Der Tanker liegt nun im südiranischen Hafen Bandar Abbas.

Die Reederei Stena Bulk, der das Schiff gehört, teilte mit, der Tanker habe sich an alle internationalen Vorschriften gehalten. Mehrere kleinere Boote und ein Hubschrauber hätten sich genähert, als der Tanker in internationalen Gewässern gefahren sei. Nach iranischen Angaben stammen 18 der 23 Besatzungsmitglieder der „Stena Impero“ aus Indien. Drei kommen demnach aus Russland und je einer von den Philippinen und aus Lettland. Kurz nach dem ersten Zwischenfall war ein zweiter Tanker zeitweise in Richtung Iran abgedrängt und nach einer kurzen Inspektion wieder freigegeben worden.

US-Präsident Trump beauftragte unterdessen den republikanischen Senator Rand Paul, eine Aufnahme von Gesprächen mit dem Iran auszuloten. Der Senator habe seine Hilfe angeboten, erklärte Trump. „Wir werden sehen, was passiert.“ Trump hatte im Mai 2018 das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt und danach harte Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Diese sollen das Land von den Finanz- und Ölmärkten abschneiden.

Oman hat Großbritannien und den Iran ebenfalls zu einer diplomatischen Lösung gedrängt. Man stehe mit mehreren Seiten in Kontakt, um die sichere Fahrt des Schiffs durch die Straße von Hormus zu garantieren, twitterte das omanische Außenministerium am Sonntag. Die beteiligten Parteien müssten jetzt Zurückhaltung üben.

Anders als die restlichen Golfstaaten pflegt der Oman weiterhin gute Beziehungen zum Iran. Dem Sultanat auf der Arabischen Halbinsel fällt es angesichts der verschärften Rhetorik gegen Teheran aber zunehmend schwer, die Rolle eines neutralen Vermittlers zu spielen. Auch in anderen Konflikten in der Region wie in Syrien, dem Jemen und der diplomatischen Krise mit Katar bemüht sich der Oman um Neutralität.

Mehr: US-Präsident Trump behauptet, die US-Marine habe eine iranische Drohne abgeschossen. Doch der Iran widerspricht. Die Lage spitzt sich weiter zu.

  • dpa
  • rtr
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