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Iran-Politik der USA Scheitert das Atomabkommen, stehen für Unternehmen Milliarden auf dem Spiel

Sollten die USA den Atomdeal mit dem Iran verlassen, hätte das weitreichende Folgen. Betroffen wären auch viele Unternehmen in Europa.
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Die Auslieferung mehrerer Boeing-Flugzeuge an die Airline verzögert sich wegen des Atomstreits. Quelle: AP
Iran Air

Die Auslieferung mehrerer Boeing-Flugzeuge an die Airline verzögert sich wegen des Atomstreits.

(Foto: AP)

DubaiEgal ob Flugzeuge, Autos oder Öl und Gas - für internationale Unternehmen hängen Milliarden von Dollar am Atom-Deal mit dem Iran. US-Präsident Donald Trump erwägt einen Rückzug seines Landes aus dem Abkommen, auf das sich die UN-Vetomächte und Deutschland 2015 mit dem Iran verständigt hatten. Am Dienstag will er darüber entscheiden.

Ein Ausstieg der USA hätte weitreichende Folgen. Denn ganz gleich, wo internationale Konzerne ihre Zentrale habe, nahezu alle pflegen Geschäftsbeziehungen mit den USA. Eine Rückkehr in den Status vor dem Atom-Deal mit weitreichenden Sanktionen könnte deswegen auch Verträge gefährden, die nach dem Abkommen abgeschlossen wurden. Diese unsichere Situation führt dazu, dass die meisten Unternehmen derzeit extrem zurückhaltend sind bei Geschäften mit dem Iran.

Mit dem Abkommen von 2015 waren die Wirtschaftssanktionen aufgehoben worden, die dem Iran den Zugang zum internationalen Finanzmarkt und dem weltweiten Ölhandel verwehrt und der Wirtschaft schwer zugesetzt hatten. Im Gegenzug schränkte Teheran seine Urananreicherung ein, stellte einen Schwerwasser-Reaktor so um, dass er kein Plutonium mehr produzieren kann und verringerte seine Uranvorräte.

Westliche Unternehmen erhielten durch das Abkommen Zugang zu einem riesigen, weitgehend unerschlossenen Markt mit rund 80 Millionen Menschen. Vor allem Flugzeughersteller drängten in das Land, um die gefährlich heruntergekommene Zivilflotte zu erneuern.

Im Dezember 2016 schloss die europäische Airbus-Gruppe mit der nationalen Fluggesellschaft IranAir einen Vertrag über 100 Flugzeuge mit einem Listenpreis von rund 16 Milliarden Euro. Das US-Unternehmen Boeing zog nach, verständigte sich mit IranAir auf die Lieferung von 80 Flugzeugen für einen Listenpreis von rund 17 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro). Die Lieferungen sollten eigentlich schon 2017 beginnen und bis 2025 laufen. Auch mit der iranischen Fluglinie Aseman Airlines schloss Boeing noch einen Deal über 30 Flugzeuge.

Geliefert hat der US-Flugzeugbauer bislang aber noch nicht. Boeing-Chef Dennis Muilenburg erklärte kürzlich, man sehe die Risiken und Implikationen im Zusammenhang mit dem Flugzeugdeal mit dem Iran, der das größte Handelsabkommen eines US-Unternehmens mit dem Land seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 wäre. „Wir folgen hier der Führung der US-Regierung und tun alles für diesen Prozess“, erklärte Muilenburg Ende April bei der Verkündung der Quartalsergebnisse.

Bei Airbus stammen mindesten zehn Prozent der Flugzeugkomponenten aus US-Produktion. Deswegen benötigt das Unternehmen die Erlaubnis des US-Finanzministeriums für seine Verkäufe an den Iran. Die hat es offenbar erhalten, bislang gingen zwei A330-200 und ein A321 in den Iran. Über Pläne mit Blick auf eine Entscheidung Trumps über den Atomdeal wollte man sich bei Airbus nicht äußern.

Im Gegensatz zur hohen Geschwindigkeit, mit der die Flugzeugbauer auf dem iranischen Markt drängten, hielten sich westliche Energiefirmen eher zurück - ungeachtet der riesigen Öl- und Gasvorkommen im Iran. Eine Ausnahme ist der französische Konzernriese Total, der im vergangenen Juli zusammen mit einem chinesischen Unternehmen ein Abkommen mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einem Volumen von mehr als vier Milliarden Euro abschloss. Dabei geht es um das riesige South-Pars-Erdgasfeld, das für den iranischen Markt erschlossen werden soll.

Aktuell wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Total-Chef Patrick Pouyanne soll Trump im Februar jedoch erklärt haben, an dem Abkommen festhalten zu wollen. „Wenn der Rahmen, die Spielregeln sich ändern, müssen wir aber natürlich neu bewerten“, sagte Pouyanne der „Financial Times“.

Für die Autobauer ist der Iran ebenfalls ein lukrativer Markt. PSA Peugeot Citroen verständigte sich im Jahr 2016 mit dem Iran auf die Errichtung eines Werkes, das jedes Jahr 200 000 Autos produzieren soll. Renault will laut einem Abkommen rund 150 000 Autos für den Iran produzieren, allerdings außerhalb des Landes. „Die Renault-Gruppe beobachtet die Entwicklung der diplomatischen Situation sehr genau“, heißt es in einer Erklärung ohne weitere Details.

Auch der deutsche Autokonzern Volkswagen hat mit dem Export von Fahrzeugen in den Iran begonnen. In Wolfsburg beobachte man die Entwicklungen ebenfalls sehr genau. „Prinzipiell hält sich Volkswagen an alle gültigen nationalen und internationalen Gesetze und Exportvorschriften“, erklärt VW.

Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die an der Aushandlung des Abkommens beteiligt waren, haben Trump aufgefordert, den Deal nicht platzen zu lassen. Sollten die USA wieder Sanktionen einführen, könnten sie sich um Ausnahmeregelungen bemühen, um ihre Unternehmen zu schützen, wie Ellie Geranmayeh von der Denkfabrik European Council on Foreign Relations erklärt.

Dabei würde es sich vor allem um Unternehmen handeln, die schon in strategischen Bereichen von Handel und Investment mit dem Iran aktiv sind. Priorität müsse bei einer Wiedereinführung der Sanktionen haben, die Auswirkungen des Schocks auf die iranischen Ölexporte zu begrenzen, erklärt Geranmayeh.

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