Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Iran und Katar Kampf um das größte Gasfeld der Welt

Der Iran sitzt auf dem größten Gasfeld der Welt. Doch ob das Land die 51 Billionen Kubikmeter zu Geld machen kann, ist noch fraglich. Das Gasfeld verläuft nämlich unter der Grenze zu Katar - und da beginnt der Konflikt.
3 Kommentare
Eine Gasbohrinsel im Persischen Golf. Quelle: dpa

Eine Gasbohrinsel im Persischen Golf.

(Foto: dpa)

Asaluyeh/Teheran Reza Khalili ist Jubelperser von Beruf und füllt seine Aufgabe mit Hingabe aus. Draußen vor den Fenstern des Kleinbusses, mit dem er Besucher durch sein Reich fährt, fliegen riesige Rohrleitungen, gigantische Öltanks, Entschwefelungs- und Gastrocknungsanlagen vorbei, und drinnen breitet Khalili Superlative dazu aus: Größter zusammenhängender petrochemischer Komplex der Welt! Emissionsfreies Benzin aus Gas vom Meeresboden! Und, natürlich, ein Investorentraum, sicher und zollfrei!

Dieser Investorentraum ist die iranische Energie-Sonderzone von South Pars (PSEEZ). Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt das Erdgasvorkommen dort auf 51 Billionen Kubikmeter, South Pars ist das größte Gasfeld der Welt.

Die Aufgabe des drahtigen Schnauzbartträgers und PSEEZ-Beschäftigten Khalili ist es, Investoren dorthin zu locken und gute Nachrichten zu verbreiten. Doch obwohl unter der Erde seines Landes die zweitgrößten Gas- und die drittgrößten Ölreserven der Welt liegen und sich Europa gerne unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen will, ist die Arbeit für ihn zurzeit nicht gerade einfach. Die Chancen Irans, aus den Rohstoffen Geld zu machen, sind an mehreren Fronten bedroht - wie auch die Machthaber des Landes.

Die Kulisse, vor der Khalili auf die erste Front deutet, wirkt tatsächlich wie die Front in einem Krieg. Flammen lodern, als würden die Berge Feuer speien, schwarze Rauchsäulen steigen in den Himmel. Erst aus der Nähe zeigen sich Schlote und Kessel und Rohre zur Gasförderung. Die tatsächliche Front ist unsichtbar und liegt hinter dem Meer, über das sich in der flirrenden Hitze riesige Tanker den Horizont entlangschieben. Dort liegt der erste Gegner: Katar.

Und die Front verläuft unter der Erde, 3000 Meter tief, quer durch die Gaslagerstätten unter dem Meeresboden des Persischen Golfs. Iran und Katar teilen sich dort ein riesiges Vorkommen, das in Iran South Pars und in Katar North Dome genannt wird. Khalili wirft Katar vor, mehr aus dem Gasfeld herauszuholen als die Iraner - "weil wir wegen des uns vom Irak aufgezwungenen Krieges in den 1980er-Jahren nun zehn Jahre hinterherhinken".

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Irans Förderung läuft auch wegen der zweiten Front, an der das Land kämpft, nicht so wie sie könnte. Denn die Sanktionen, die die Uno wegen des umstrittenen Atomprogramms verhängt hat, erschweren Lieferungen nach Iran.

Die Auswirkungen sind schon auf der Rückfahrt von den Gasfeldern nach Teheran sichtbar. Es gibt ein paar Lkws aus dem Westen, von Mercedes etwa, allesamt gut 30 Jahre alt. Neben ihnen bahnen sich nagelneue chinesische Sattelschlepper auf neuem Asphalt den Weg über Berghänge. Früher baute die norwegische Statoil die Förderplattformen auf dem South Pars-Feld, der französische Ölkonzern Total brachte Fördersysteme zum Laufen, es folgten die italienische Eni und der südkoreanische LG-Konzern. Doch das ist Vergangenheit. Westliche Konzerne investieren kaum mehr in Irans Energiewirtschaft. Der Druck der USA ist zu groß.

Heute sind nur mehr der Ölkonzern CNPC aus China, Angolas Sonangol sowie PDVSA aus Venezuela als ausländische Investoren und Betreiber in Iran dabei. Die meisten neuen Abschnitte bei der Förderung von South Pars soll der iranische Staatskonzern National Iranian Oil Company (NIOC) übernehmen und so 2012 die tägliche Gasproduktion auf 175 Millionen Kubikmeter mehr als verdoppeln. Dazu sollen bald 1,2 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) kommen.

Mächtige Revolutionsgarden

NIOC muss nach dem Ausstieg westlicher Konzerne meist mit Unternehmen arbeiten, die ihren Ursprung im Firmenkonglomerat der Revolutionsgarden haben. Die Garden sind mittlerweile eine wichtige Stütze des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und kontrollieren große Teile der Wirtschaft des zweitgrößten Opec-Mitglieds. Sie gelten als machthungrig und skrupellos, doch von Technik und Unternehmertum haben sie wenig Ahnung.

PSEEZ-Chef Saeed Pirouz Mussavi ficht das nicht an: Natürlich habe es "Zeit gekostet", dass ausländische Unternehmen "entgegen jeder Businessethik ihre Verträge nicht erfüllen, die sie abgeschlossen haben", sagt der Manager mit dem für Iran typischen offenen Hemdkragen.

In der Kantine der Sonderwirtschaftszonenverwaltung spekulieren die Arbeiter derweil darüber, wann die Temperatur endlich über 51 Grad im Schatten steigt, weil sie dann eine Lohnverdoppelung bekommen. "Doch ich sage: Danke Sanktionen! Denn nun machen wir alles selbst, exportieren sogar unsere selbst entwickelte Technik", sagt Mussavi. "Wir kommen sogar schneller voran, als wenn wir von ausländischen Konzernen alles gebaut bekommen hätten."

Seine Behauptungen lassen sich nicht überprüfen. Auf jeden Fall reichen die Sanktionen so weit, dass sie eine weitere Front schaffen, eine politische mitten in Iran, weil es der Wirtschaft schlechtgeht. Auf der Fahrt zum Flughafen von Asaluyeh dreht sich keiner der Kräne an den gewaltigen Baustellen, und die Technik aus China kann offenbar die westliche nicht angemessen ersetzen: Irans Ölförderung falle jährlich um etwa 200000 Fass pro Tag, sagen Experten in Teheran, die anonym bleiben wollen.

Offizielle Auskünfte über die Lage der persischen Energiewirtschaft zu bekommen, ist kaum möglich. Von "Das ist ein Staatsgeheimnis" bis hin zu "Fragen Sie den Minister" reichen die Antworten von Sprechern des staatlichen Ölkonzerns.

Vor kurzem hatte Ölminister Sayed Masoud Mir-Kazemi immerhin tatsächlich mit dem Handelsblatt gesprochen und gesagt, dass er nichts zu Zahlen sagen wolle - außer dass Iran binnen fünf Jahren 150 Milliarden Euro in die Öl- und Gasindustrie investieren müsse. Nun ist der bullige Mann mit der Glatze nicht mehr Minister. Präsident Ahmadinedschad hat ihn gefeuert und wollte sich das Ölministerium selbst unterstellen.

Deshalb wollte Ahmadinedschad heute eigentlich auch nach Wien kommen, um der Opec-Konferenz vorzusitzen. Doch das hat Ajatollah Ali Chamenei verhindert. Der Religions- und Revolutionsführer ist oberster Herr im Staat und wollte mit seinem Veto den Einfluss der Mullahs über den Ölsektor gegen die Revolutionsgarden verteidigen, meint der in Iran geborene und im israelischen Exil lebende Mittelost-Experte Meir Javefandar.

Das von konservativen Mullahs beherrschte Parlament hat inzwischen gar gerichtliche Ermittlungen gegen Ahmadinedschad beantragt wegen möglicher Veruntreuung. Viele Beobachter in Teheran schließen seinen Sturz nicht mehr aus, auch weil die ökonomische Situation nicht gut aussieht.

Zum einen hat die Wirtschaftskrise Iran hart getroffen. Zum anderen bringt das Öl 60 Prozent der Staatseinnahmen - aber die Erlöse aus dem Verkauf sinken, weil der Sektor sich angesichts mangelnder Investitionen schlecht entwickelt. Irans Ölproduktion droht von heute 3,7 Millionen Barrel pro Tag bis 2015 auf 2,7 Millionen zu fallen, sagt ein Stellvertreter des neuen Übergangs-Ölministers, der einmal Chef des iranischen Olympischen Komitees war und dessen Qualifikation darin besteht, einer der letzten Ahmadinedschad-Anhänger zu sein.

Ernst ist die Lage wohl auf jeden Fall. Das machte jüngst ein Aufruf des Revolutionsführers Chamenei zu einem "Wirtschafts-Dschihad" deutlich. Alle Kräfte müssten wie in einem "Heiligen Krieg" auf das Überleben von Irans Ökonomie konzentriert werden.


Startseite

3 Kommentare zu "Iran und Katar : Kampf um das größte Gasfeld der Welt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Iran konnte trotz der Schwächung seiner Armee nach der erfolgreichen Revolution gegen den Schah durch die mörderischen Mullahs den Angriff des militärisch hochgerüsteten Iraks unter Saddam Hussein abwehren und sogar kleine Teile Iraks besetzen mit seinen Revolutionsgarden und Kindersoldaten. Die USA griffen dahar nur den vom Irren Saddam Hussein geführten Irak an und halfen in Lybien beim Sturz des noch irreren Gaddafis, um an deren Ölreserven zu gelangen. Den rohstoffreichen Iran aber griff nicht mal Israel an, das mit Erfolg die Atomanlagen Iraks und Syriens bombardieren konnte, weil es die USA hinter sich hat. Entgegen der Handelsblattberichterstattung sind Irans Industrieanlagen doch noch nicht so morsch, wie das die USA und Isreal gerne hätten. Anderfalls wären dort längst die USA, Frankreich und England den Iranischen Aufständischen militärisch zu Hilfe geeielt oder hätten wie im Irak dort nach von der UNO verbotenen Waffen gesucht. Daher können die Mördermullahs fröhlich das Iranische Volk unterdrücken.

  • Statt iranischer Propaganda (presstv) empfehle ich Klaus nach Iran zu fahren und sich die oft kilometerlangen Schlangen an den Tankstellen anzuschauen, die von Jahr zu Jahr länger werden. Und übrigens, die längsten sind die an den Gastankstellen !

  • Schade, dass nun auch Brüggmann, einer der letzten seriösen Iran-Berichteratter der Handelsblatt den seriösen Journalismus aufgegeben hat. Falls noch niemand es mitbekommen hat. Die Öl-Produktion Irans steigt jährlich: http://www.presstv.ir/detail/184283.html
    Das sind Zahlen von britischen BP.

Serviceangebote