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IS-Sympathisant Nach Anschlägen auf Bahnstrecken: Terrorverdächtiger in Wien gefasst

Die österreichische Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen, der Anschläge auf Bahnstrecken vorgenommen haben soll. Er sympathisiere mit dem IS.
Update: 27.03.2019 - 19:40 Uhr Kommentieren

IS-Sympathisant aus Irak in Wien festgenommen

Wien, Berlin, München Gespannte Stahlseile quer über den Schienen sollten Züge zum Entgleisen bringen: Nach zwei Anschlägen auf Bahnstrecken in Bayern und Berlin hat die Polizei in Wien einen Iraker unter Terrorverdacht festgenommen.

Der 42-Jährige, der in Wien wohnt, sympathisiert offensichtlich mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wie die Generalstaatsanwaltschaften in München und Berlin sowie der Polizeipräsident Berlin und das bayerische Landeskriminalamt am Mittwoch mitteilten.

Die Staatsanwaltschaft Wien erklärte, der Mann sei dringend verdächtig, im Oktober und Dezember in Deutschland die Anschläge auf Bahnstrecken verübt zu haben. Am Mittwoch wurde in Wien auch seine Frau wegen Verdachts auf Beihilfe festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. Nur aufgrund eines „technischen Fehlers“ sei der Plan nicht aufgegangen, Menschen zu töten.

Die Deutsche Bahn erklärte dagegen am Mittwoch, dass von den Anschlägen keine Gefahr für Reisende ausging. Dem Vernehmen nach wurde ein 0,5 Zentimeter dickes Stahlseil gespannt. Ein ICE mit mehreren hundert Tonnen Gewicht sei damit nicht von den Gleisen zu bringen, hieß es.

Weiter erklärten die Wiener Ermittler, in Tatortnähe aufgefundene Schriftstücke auf Arabisch sowie eine IS-Flagge begründeten „einen terroristischen Tatverdacht“. Der Beschuldigte hat demnach die Taten gestanden, bestreitet aber einen terroristischen Hintergrund.

Für die Behörden im Nachbarland war er ein unbeschriebenes Blatt. „Er ist strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten und auch nicht als Gefährder eingestuft“, sagte Staatsanwältin Nina Bussek. Konkret geht es um zwei Fälle: Am 7. Oktober war auf der ICE-Strecke Nürnberg-München bei Allersberg ein Stahlseil zwischen den Oberleitungsmasten befestigt worden.

Zudem wurden mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf den Gleisen aufgebracht, um einen Zug zum Entgleisen zu bringen, wie die Ermittler mitteilten. Ein ICE hatte die Hindernisse überfahren, war aber nur leicht beschädigt worden.

Die Polizei Berlin hatte dann an Weihnachten von einem vergleichbaren Fall im Stadtteil Karlshorst berichtet. Die Oberleitung und ein Zug wurden beschädigt, Verletzungen trug niemand davon. Auch hier fanden Ermittler in Tatortnähe Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine Flagge des IS. Auf dieser Bahnstrecke fahren Regional- und EC-Züge.

Ein Sprecher der Berliner Anklagebehörde sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Stahlseil-Konstruktion habe der in Bayern geähnelt. Die Tat war nach seinen Angaben am 15. Dezember: Der Verdächtige sei an dem Tag mit einer Mitfahrgelegenheit nach Berlin gekommen und abends mit einem Flixbus zurück nach Wien gefahren. Ein spezieller Berlin-Bezug des Verdächtigen sei nicht bekannt.

Untersuchungen noch lange nicht abgeschlossen

Nach Darstellung der „Kronen Zeitung“ lebte der Mann als anerkannter Flüchtling schon seit vielen Jahren mit seiner Familie in Wien. Als Mitarbeiter einer Securityfirma soll der frühere Soldat laut der Zeitung Zugang zu sensiblen Sicherheitsbereichen von Fußballstadien und Einkaufszentren gehabt haben.

Die Festnahme durch österreichische Spezialkräfte in Wien erfolgte bereits am Montagmorgen gegen 5 Uhr. Bei den laufenden Vernehmungen sind auch deutsche Ermittler beteiligt. Gefragt nach möglichen Hintermännern, sagte der Sprecher des LKA München der Deutschen Presse-Agentur, man könne im Moment nicht ausschließen, dass es Mittäter, Mitwisser oder Hintermänner gab.

Aber es gebe auch keine Hinweise darauf, „dass wir irgendwo eine konkrete Zelle oder Ähnliches sitzen haben“. Bei der Durchsuchung der Wohnung und des Arbeitsplatzes des Irakers wurde nach seinen Worten „sehr viel sichergestellt“, unter anderem Datenträger und Daten in arabischer Sprache. „Das gehört komplett ausgewertet“, sagte der LKA-Sprecher. Die Untersuchungen seien noch lange nicht abgeschlossen.

Die Auslieferung nach Deutschland sei noch nicht beantragt, hieß es von der Generalstaatsanwaltschaft München. Aber man wolle dies prüfen, sagte ein Sprecher. Gegen den Verdächtigen hat die Staatsanwaltschaft Wien Untersuchungshaft beantragt wegen des Verdachts der terroristischen Straftaten des versuchten Mordes und der schweren Sachbeschädigung sowie der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und dem Verbrechen der kriminellen Organisation.

Auch das Amtsgericht München hat Haftbefehl erlassen: wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr und versuchter Störung öffentlicher Betriebe. Der Iraker hat nach Angaben seines Anwalts allein gehandelt. Er behaupte, kein Mitglied einer Terrorzelle zu sein, sagte er der Wiener Zeitung „Die Presse“.

Erst am Freitag hatte die Polizei im Rhein-Main-Gebiet mehrere Salafisten festgenommen, die einen Terroranschlag geplant haben sollen. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen sie verabredet haben, „einen islamistisch-terroristisch motivierten Anschlag unter Einsatz eines Fahrzeugs und Schusswaffen zu verüben und dabei so viele „Ungläubige“ wie möglich zu töten“, wie eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft mitteilte.

Insgesamt wurden elf Menschen festgenommen. Einer davon offensichtlich in anderem Zusammenhang, denn die Ermittlungen richten sich lediglich gegen zehn Beschuldigte zwischen 20 und 42 Jahren.

  • dpa
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