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Isabel Schnabel im Interview „Lagarde wird wenig andere Akzente setzen als Draghi“

Die Wirtschaftsweise schätzt die kommunikativen Fähigkeiten Christine Lagardes. Zugleich fürchtet sie aber künftige geldpolitische Lücken bei der EZB.
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Isabel Schnabel ist Professorin für Finanzmarktökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Quelle: Twitter
Isabel Schnabel

Isabel Schnabel ist Professorin für Finanzmarktökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

(Foto: Twitter)

Die Bonner Finanzwissenschaftlerin Isabel Schnabel ist im Wirtschafts-Sachverständigenrat Expertin für Finanzmarktrisiken. Sie sieht die Berufung einer Juristin an die Spitze der Europäischen Zentralbank als Experiment nicht ohne Risiko.

Frau Schnabel, ist Christine Lagarde eine gute Wahl für den Chefposten der Europäischen Zentralbank?
Es gibt schlechtere Kandidaten. Frau Lagarde ist auf jeden Fall eine international sehr erfahrene Frau mit hervorragenden kommunikativen Fähigkeiten. Sie hat bewiesen, dass sie eine große Institution leiten und mit vielfältigen Konflikten umgehen kann.

Höre ich da ein leises Aber?
Ja, das alles sind eher Fähigkeiten einer Politikerin, die sie ja in der Vergangenheit auch war, die sicher auch für die EZB nützlich sind. Sie ist aber weder Ökonomin noch Zentralbankerin.

Was bedeutet das für ihre neue Position?
Sie ist als Juristin sehr viel stärker auf die Expertise des Apparats angewiesen. Die EZB hat gerade mit Philip Lane einen hervorragenden Chefökonomen gewonnen. Es ist zu erwarten, dass der Apparat unter Christine Lagarde mächtiger sein wird als heute unter Mario Draghi.

Lagarde gilt als gute Teamplayerin, kann es nicht auch eine Stärke sein, den Apparat mehr einzubinden als bisher?
Solange keine Krise ausbricht, ist das alles kein Problem. Aber die Geldpolitik wird ja jetzt nicht einfacher, da sich die Konjunktur abkühlt. Da muss die EZB-Chefin auch mal schnell entscheiden können.

Sehen Sie die EZB mit ihr an der Spitze geschwächt?
Nein, die EZB bleibt eine starke Institution. Ich halte es auch für falsch, dass die EZB ihr Pulver verschossen hätte. Aber Geldpolitik ist nun einmal politisch umstritten, und da muss sie ökonomisch argumentieren. Und da stellt sich schon die Frage, ob sie hierfür die nötigen Kenntnisse mitbringt. Positiv ist jedenfalls, dass sie eine Frau ist, das tut dieser männer-dominierten Institution auf jeden Fall sehr gut.

Wäre Bundesbank-Chef Jens Weidmann denn eine bessere Wahl gewesen?
Herr Weidmann ist zweifelsohne ein erfahrener Zentralbanker. Aber er ist ja ebenfalls nicht unumstritten. Da wären dann womöglich eher die politische Vermittlung und Konfliktlösung zum Problem geworden. Ich erwarte jedenfalls, dass Frau Lagarde zunächst wenig andere Akzente in der Geldpolitik setzen wird als Mario Draghi.

Sollte die EZB denn in den nächsten Monaten andere Akzente setzen als bisher?
Das hängt natürlich immer davon ab, wie die Wirtschaft sich weiterentwickelt. Ich glaube nicht, dass die EZB jetzt die Zinsen erhöhen sollte, das wäre angesichts der schwächeren Konjunktur nicht sinnvoll. Die Andeutungen, jetzt noch weiter geldpolitisch zu expandieren, halte ich aber durchaus für schwierig, weil die Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik auf das Finanzsystem immer stärker werden. Es wird dann nicht einfacher für die Banken im Niedrigzinsumfeld, gerade auch in Deutschland. Bei neuen Anleihekäufen stellt sich die Frage, was die EZB kaufen soll.

Was kann sie denn noch kaufen?
Eine Notenbank kann immer etwas kaufen, die Frage ist eher, was sie nicht kaufen sollte. Wenn die EZB beginnen würde, Staatsanleihen am Verteilungsschlüssel vorbei vor allem in hochverschuldeten Euro-Staaten zu kaufen, wäre das politisch problematisch. Die EZB hat bewusst Grenzen für den Ankauf von Staatsanleihen gesetzt, die nicht beliebig gelockert werden sollten. Die EZB könnte natürlich wieder Unternehmensanleihen kaufen.

Die EZB-Chefin ist ja nicht alleine, sondern es gibt auch noch das EZB-Direktorium ...
Mario Draghi hat aber bisher sehr stark die Richtung der EZB vorgegeben. Ich halte es daher jetzt für umso wichtiger, dass andere Direktoriumsmitglieder Ökonomen sind und dass keine weiteren Nachbesetzungen mit Nichtökonomen stattfinden. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, lauter Nichtjuristen an die Spitze des Bundesverfassungsgerichts zu setzen.

Frau Schnabel, danke für das Gespräch.

Mehr: Wie wird sich die EZB unter der Leitung von Christine Lagarde verändern? Eine Analyse.

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