Islamische Welt Wie Pokémon die Religionshüter verärgert

„Zeitverschwendung“ und „psychologisch ungesund“: Das Urteil der strengen Religionshüter in der Arabischen Welt über das Smartphone-Spiel Pokémon ist eindeutig. Doch auch sie können das Spiel-Fieber nicht dämmen.
Das Pokémon-Fieber hat auch islamische Länder erfasst. Doch die strengen Religionshüter halten das Smartphone-Spiel für verwerflich. Quelle: AFP
Saudi-Arabien im

Das Pokémon-Fieber hat auch islamische Länder erfasst. Doch die strengen Religionshüter halten das Smartphone-Spiel für verwerflich.

(Foto: AFP)

Tel AvivDas Pokémon-Fieber hat auch islamische Länder erfasst. Doch die strengen Religionshüter halten das Smartphone-Spiel für verwerflich. In Saudi Arabien hat zum Beispiel die die oberste religiöse Instanz eine Fatwa wieder aufgelegt, die vor dem zersetzenden Pokémon-Einfluss warnt. Die Fatwa, also die Rechtsauskunft, ist schon 15 Jahre alt und bezog sich eigentlich auf das Vorgänger-Spiel. Nun hat der Ständige Ausschuss für Forschung und Fatwas das islamische Rechtsgutachten am Mittwoch auf seine Website gestellt, nachdem es nach eigenen Angaben wegen des Spiels zahlreiche Anfragen erhalten hatte. Pokémon Go animiert die Spieler, mit ihrem Smartphone durch die Gegend zu laufen und in der echten Welt versteckte Pokémon-Figuren „einzufangen“.

Das Spiel, heißt es, verstoße gegen das islamische Glücksspiel-Verbot. Gerügt wird zudem, dass freimauerer-ähnliche Symbole und „verbotene Bilder“ verwendet werden. Dazu gehören etwa ein Stern mit sechs Zacken, der an das Staatssymbol Israels erinnere, und die Kreuze im Spiel seien ein christliches Symbol. Auch schienen die Figuren auf der Evolutionslehre von Charles Darwin zu basieren – all das wird vom Islam abgelehnt.

Eine Smartphone-App stellt die Welt auf den Kopf
In Japan geht es erst noch los
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Das Smartphone-Spiele „Pokémon Go“ wird laut Medienberichten am Mittwoch auch in Japan, dem Geburtsland der Pokémon-Monster, in Japan veröffentlicht. Das berichten unter anderem das Technologie-Blog „Techcrunch“ und das „Wall Street Journal“. Bislang ist die App, die auch hierzulande einen wahren Hype ausgelöst hat, in 30 Ländern verfügbar, darunter den USA, Kanada und in Europa.

Echte Schießidee
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Auf der Suche nach kleinen gelben „Pokémons“ haben sich einige Spieler in Gefahr gebracht. In Niedersachsen wurden drei „Pokémon“-Fänger auf einem Truppenübungsplatz erwischt, auf dem gerade mit scharfer Munition geschossen wurde. Der Wachdienst hat das Trio auf dem Gelände der Bundeswehr in der Lüneburger Heide entdeckt. Eine 16-Jährige aus Schleswig-Holstein wurde sogar Opfer eines Verbrechens. Auf der Suche nach einem „Pokémon“ riss ihr ein Radfahrer das Handy aus der Hand.

Da raschelt was im Gras
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Dem ein oder anderem hat „Pokémon“ Ärger mit dem Gesetz eingehandelt. Eigentlich wollte ein Marihuana-Konsument in München kleine „Pokémons“ fangen, dabei ging er allerdings selbst der Polizei ins Netz. Der 30-Jährige war in München mit einen Joint unterwegs - und dabei so in das Spiel auf seinem Handy vertieft, dass er die Streife nicht bemerkte. Und in Trier wurde ein per Haftbefehl gesuchter Mann beim „Pokémon“-Spiel von der Polizei aufgegriffen - und muss nun für ein halbes Jahr ins Gefängnis.

Verbraucherschutz als Endgegner
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Die Entwickler der Smartphone-App „Pokémon Go“, im Bild Niantic-CEO John Hanke, sind wegen der Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen des Spiels von deutschen Verbraucherschützern abgemahnt worden. Insgesamt wurden 15 Klauseln angeprangert, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband am Mittwoch in Berlin mitteilte. Dem kalifornischen Spieleentwickler Niantic Labs sei Zeit bis zum 9. August eingeräumt worden, eine Unterlassungserklärung abzugeben und die Bestimmungen zu ändern. Ansonsten wollen die Verbraucherschützer eine Klage prüfen.

Schicht im Schacht
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„Pokémon“ bringt die Menschen vor die Tür - und manchmal auch an ungewöhnliche Orte. In Frankfurt stiegen Jugendliche auf das zehn Meter hohe Dach eines Einkaufszentrums, um dort nach den virtuellen Viechern zu suchen. Und ebenfalls in Frankfurt haben sich die virtuellen Monster in den dunklen Gängen eines gesperrten S-Bahn-Tunnels verirrt. Für den Rhein-Main-Verkehrsverbund war das ein bisschen zu viel Abenteuer: „Auch wenn es euch schwerfällt, doch für die Jagd ist und bleibt der #tunnelzu ;)“, twitterte das Unternehmen zur Sicherheit.

Pokémon Stop & Go
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Mit einem Fahrzeug jagt es sich besser als zu Fuß? Auf diese Idee kam ein 24-Jähriger in Bochum. Der Mann war einem Fahrradpolizisten aufgefallen, als er während der Fahrt sein Handy in der Hand hielt und bediente. Auch in Berlin war ein Spieler auf Monstersuche - mit dem Fahrrad. Der Mann suchte mit Schrittgeschwindigkeit und einer Hand am Lenker die Umgebung nach den „Pokémons“ ab. Die Handynutzung ist im Straßenverkehr allerdings verboten - das gilt nicht nur fürs Telefonieren.

Böse Mine zum guten Spiel
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Auf der Jagd nach Pokémons wagen sich einige Menschen in Bosnien-Herzegowina selbst in gefährliche Regionen mit Landminen. Nachdem einzelne Pokemon-Jäger vor den vielen Minenfeldern in diesem Balkanland nicht haltgemacht hatten, warnten Medien und Fachorganisationen am Dienstag in Sarajevo: „Wir bitten die Bürger, die aufgestellten Tafeln wegen der Minengefahr zu beachten.“

Nach dem Bürgerkrieg von 1992 bis 1995 liegen in dem Land noch auf schätzungsweise mehr als 1100 Quadratkilometern verborgene Minen. In diesem Jahr sind bereits zwei Minenentschärfer ums Leben gekommen. Zwei weitere kamen mit Verletzungen davon. Obwohl seit Kriegsende mehr als 3000 Quadratkilometer entmint worden sind, dürfte es noch bis zum Jahr 2024 dauern, bis Bosnien-Herzegowina minenfrei ist.

Führende Religionsführer kritisieren die Pokémon Go-Manie als „Zeitverschwendung“ und „psychologisch ungesund“. Die angesehene Institution Al Azhar, eine der führenden sunnitischen Lehrstätten, warnt: „Das Spiel könnte die Gläubigen vom Beten abhalten.“ Es führe zudem zu Realitätsverlust. Abbas Shuman, eine der wichtigsten Stimmen an der Al Azhar-Universität, vergleicht die abhängig machende Wirkung von Pokémon Go mit „Alkoholmissbrauch“.

Das geht sogar so weit, dass saudische Sicherheitskräfte am Mittwoch drei junge Männer festgenommen haben, die auf einem Flughafen auf der Suche nach Pokémon-Monstern waren. Sie hätten auf dem Parkplatz des Airports der Stadt Dschasan im Südwesten des Landes mit ihren Mobiltelefonen Fotos aufgenommen, meldete die saudische Nachrichtenseite Al-Muwatin am Mittwoch. Die Drei wurden demnach den Ermittlern übergeben. Es war zunächst unklar, welche Strafe ihnen droht.

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„Bedrohung der nationalen Sicherheit“
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