Islamischer Staat Terrormiliz sprengt historische Bauten in Palmyra

In der kruden Weltsicht der Terrormiliz IS stammt das Weltkulturerbe in Palmyra aus einer „Zeit des Unglaubens“. Deshalb richtet sich die Zerstörungswut der militanten Islamisten immer wieder gegen die historische Stadt.
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Zerstörungen am Triumphbogen in der antiken Oasenstadt Palmyra durch die Terrormiliz Islamischer Staat. Quelle: dpa
Antike Oasenstadt Palmyra

Zerstörungen am Triumphbogen in der antiken Oasenstadt Palmyra durch die Terrormiliz Islamischer Staat.

(Foto: dpa)

PalmyraDie IS-Terrormiliz hat in Syriens Oasenstadt Palmyra erneut einzigartige archäologische Bauten in Schutt und Asche gelegt. Satellitenbilder der UN zeigten am Freitag, dass Teile der Bühne und prächtigen Bühnenwand des römischen Amphitheaters zerstört wurden. Auch das Tetrapylon liegt zu großen Teilen in Trümmern. Allerdings handelt es sich bei den meisten Säulen dieses typischen Monuments der römischen Architektur um moderne Nachbauten. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Bauten seien gesprengt worden.

Für die militanten Islamisten der IS-Terrormiliz sind die historischen Bauten Überreste aus der „Zeit des Unglaubens“, die aus ihrer Sicht vernichtet werden müssen. Die neuen Zerstörungen reihen sich in eine Serie ähnlicher Gewaltakte des IS ein. Die Unesco verurteilte die Sprengung der Monumente als „Kriegsverbrechen“. Die Zerstörung sei „ein immenser Verlust für das syrische Volk und die Menschheit“, sagte Unesco-Chefin Irina Bokowa. Die Oasenstadt gehört seit 1980 zum Unesco-Weltkulturerbe. Russland sprach von einer Tragödie. Syriens Militär gebe Palmyras Rückeroberung nicht auf, erklärte der Kreml.

Die gefährlichsten Krisengebiete der Welt
Syrien und Irak
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In den Konflikten in Syrien und im Irak gehört die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu den stärksten Kriegsparteien. Sie beherrscht in beiden Ländern große Gebiete, in denen sie ein „Kalifat“ errichtet hat. Im syrischen Bürgerkrieg bekämpfen sich zudem das Regime und seine Gegner. Die Armee ist mit starker Hilfe von Kämpfern aus dem Iran, von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von der russischen Luftwaffe auf dem Vormarsch. Die moderate Opposition wird vom Westen unterstützt.

Ukraine
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Bei den Kämpfen zwischen ukrainischen Regierungseinheiten und prorussischen Separatisten im Unruhegebiet Donbass starben seit April 2014 mehr als 9000 Menschen. Unter Vermittlung von Kanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Wladimir Putin entstand im Februar 2015 in Minsk ein Friedensplan, der etwa eine Waffenruhe und politische Schritte vorsieht. Keiner der 13 Punkte wurde bisher vollständig umgesetzt. Beobachter fürchten, dass aus dem Krieg ein „eingefrorener“ Konflikt werden könnte. Wegen der russischen Ukraine-Politik und der Annexion der Krim hat der Westen Wirtschaftssanktionen verhängt.

Nigeria
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Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram will in Nigeria und angrenzenden Gebieten der Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger einen „Gottesstaat“ errichten, mit strengster Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Im Nordosten Nigerias verübt die Gruppe fast wöchentlich blutige Anschläge und Angriffe. Seitdem die sunnitischen Fundamentalisten im März der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Treuschwur leisteten, firmiert Boko Haram als deren westafrikanischer Ableger.
Im April 2014 wurde der Name Boko Haram mit der Entführung von mehr als 200 überwiegend christlichen Schülerinnen aus dem Ort Chibok weltweit bekannt. Die Gruppe hat seit 2009 Schätzungen zufolge 14.000 Menschen getötet. Rund 2,5 Millionen Menschen sind vor ihrer Gewalt geflohen.

Libyen
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Fünf Jahre nach den ersten Protesten gegen den später gestürzten und getöteten Diktator Muammar al-Gaddafi ist Libyen ein sogenannter „failed state“ (gescheiterter Staat). Es stehen sich eine islamistische und eine weltliche Führung gegenüber. Die Einsetzung einer von den UN vermittelten Einheitsregierung ist bislang am Widerstand beider Seiten gescheitert. Das lässt Platz für Dschihadisten. Der Ableger der Terrormiliz IS in dem Land wird immer stärker. Libyen gilt als Rückzugsgebiet für IS-Kader aus Syrien und dem Irak.

Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer
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Im Südchinesischen Meer streitet sich China mit einer ganzen Reihe seiner Nachbarn um Territorien: Die Volksrepublik beansprucht 90 Prozent des 3,5 Millionen Quadratmeter großen Gebietes, darunter Inseln und Riffe, die teils mehr als 800 Kilometer von der chinesischen Küste entfernt liegen. Dagegen protestieren unter anderem Vietnam und die Philippinen. Zusätzliches Konfliktpotenzial birgt die Einmischung der USA, die vergangenes Jahr mit der Durchfahrt eines Kriegsschiffes und Überflügen von B52-Bombern chinesischen Unmut provozierten. Washington will damit unterstreichen, dass sie das Seegebiet für international hält.

Nordkorea
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Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm wird in der Region, aber auch darüber hinaus als Bedrohung angesehen. Sollte die als unberechenbar geltende Diktatur in den Besitz atomarer Mittelstreckenraketen kommen, wäre nicht nur Südkorea unmittelbar bedroht. Auch ist Nordkorea dabei, Interkontinentalraketen zu entwickeln. Als das Land zuletzt mit einer Rakete einen Satelliten in den Orbit schoss, löste das weltweit Empörung aus. Die internationale Gemeinschaft sieht in solchen Raketenstarts verdeckte Tests für das Atomwaffenprogramm.

Afghanistan
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Der Konflikt, von dem die Welt gehofft hatte, sie könne ihn nun der afghanischen Regierung überlassen, flammt wieder voll auf. Die Taliban kontrollierten jetzt so viel Territorium wie seit 2001 nicht mehr, hieß es jüngst in einem US-Bericht. Dutzende Bezirke sind umkämpft. Opferzahlen schießen in die Höhe. In 2015 starben allein mehr als 7000 Polizisten und Soldaten – Tausende Zivilisten wurden getötet oder verwundet. Ein instabiles Afghanistan ist umso gefährlicher, als auch der IS nun versucht, sich dort auszubreiten. Nach Schätzungen haben sie bisher 1000 bis 3000 Kämpfer.

Die Extremisten hatten Palmyra erstmals im Mai 2015 erobert. In den Monaten danach sprengten sie einzigartige, rund 2000 Jahre alte Bauwerke, darunter den Baal-Tempel und den Triumphbogen. Auch ein Teil der berühmten Säulenstraße wurde zerstört. Laut Unesco blieb die historische Stätte jedoch „zum größten Teil in ihrer Einheit und in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten“.

Im März 2016 konnten syrische Regierungskräfte die Stadt mit Hilfe russischer Luftangriffe wieder unter Kontrolle bringen. Moskau strich seine Rolle in dem Bürgerkriegsland danach mit einem Sinfoniekonzert in Palmyras Amphitheater demonstrativ heraus. Für den Auftritt wurde das Orchester des St. Petersburger Mariinski-Theaters eingeflogen. Im vergangenen Dezember eroberte der IS Palmyra jedoch erneut.

Den Bilder des UN-Satellitenprogramms UNOSAT zufolge müssen die neuen Zerstörungen zwischen dem 26. Dezember und 10. Januar erfolgt seien. Lokale Quellen hatten zunächst berichtet, die historischen Stätten seien am Donnerstag zerstört worden. Das Tetrapylon sei ein Symbol für den Geist der Begegnung und die Offenheit Palmyras - „und dies ist auch einer der Gründe, warum es zerstört wurde“, sagte Unesco-Chefin Bokowa. Von den 16 Säulen des massiv beschädigten Tetrapylons war allerdings nur eine ein Original, wie Andreas Schmidt-Colinet, Professor für Archäologie an der Universität Wien, der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Die anderen Säulen seien Anfang der 1960er Jahre rekonstruiert worden.

Die teilweise ebenfalls zerstörte Bühnenwand des Amphitheaters wurde bis Anfang der 1990er Jahre mit Originalteilen und modernem Material restauriert. Bei dem Giebel des Tores der Bühnenwand habe es sich um ein Original gehandelt, sagte Schmidt-Colinet.

Die IS-Anhänger brachten in Palmyra auch zahlreiche Gefangene um. Im August 2015 töteten sie unter anderem den früheren Chef-Archäologen der Stadt, Khalid Asaad, vor Dutzenden Zuschauern auf einem öffentlichen Platz. In dieser Woche meldeten Aktivisten, der IS habe dort zwölf Gefangene getötet, einige davon im Amphitheater. Die Terrormiliz hat in Syrien mehrere Niederlagen erlitten, kontrolliert im Norden und Osten des Bürgerkriegslandes aber weiter große Gebiete. Regierungsanhänger versuchen derzeit, Palmyra wieder unter Kontrolle zu bringen.

  • dpa
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