Islamistischer Terror IS bekennt sich zu Attentat auf italienisches Konsulat

Seit Monaten wird Ägypten immer wieder von Anschlägen erschüttert. Erst vor kurzem starb der Generalstaatsanwalt bei einem Attentat. Diesmal trifft es das italienische Konsulat in Zentrum Kairos.
Update: 11.07.2015 - 19:22 Uhr Kommentieren
Seit dem Sturz von Ex-Präsident Mursi kommt es in Ägypten immer wieder zu islamistisch motivierten Anschlägen auf öffentliche Gebäude. Quelle: dpa
Anschläge

Seit dem Sturz von Ex-Präsident Mursi kommt es in Ägypten immer wieder zu islamistisch motivierten Anschlägen auf öffentliche Gebäude.

(Foto: dpa)

KairoBei einem Bombenanschlag vor dem italienischen Konsulat in Kairo ist ein Mensch ums Leben gekommen. Es war das zweite schwere Attentat in Kairo innerhalb von zwei Wochen. Die Bombe explodierte am frühen Samstagmorgen im Zentrum Kairos in einer normalerweise belebten Einkaufsstraße. Wegen des Wochenendes war das Konsulat geschlossen.

Am späten Nachmittag bekannte sich ein ägyptischer Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu dem Anschlag. „Mit Gottes Unterstützung“ seien 450 Kilo Sprengstoff in einem Auto vor dem Konsulat gezündet worden, hieß es in der Mitteilung der Gruppe „Islamischer Staat Ägypten“ im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Echtheit des Bekenntnisses ließ sich nicht überprüfen.

Ägyptens Innenministerium erklärte, Unbekannte hätten die Bombe in einem Auto vor dem Konsulat platziert. Bei dem Toten handelt es sich ägyptischen Medien zufolge um einen 25 Jahre alten Straßenhändler. Neun weitere Menschen seien verletzt worden, sagte ein Sprecher des ägyptischen Gesundheitsministeriums.

Ein tief gespaltenes Land
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Wieder ist der Kairoer Tahrir-Platz der Dreh- und Angelpunkt der Massenkundgebungen gegen den islamistischen Staatschef Mohammed Mursi.

huGO-BildID: 31812167 Opponents of Egypt's Islamist President Mohammed Morsi chant slogans during a protest outside the presidential palace, in
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Bei den großen Demonstrationen herrscht eine Art Volksfeststimmung. Die Menschen auf der Straße schwenken Fahnen, tanzen und fordern mit Pfiffen und Gesängen den Rücktritt Mursis.

huGO-BildID: 31812184 An Egyptian protester dances while chanting slogans against Islamist President Mohammed Morsi during a rally in Tahrir Square i
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Doch der Tahrir-Platz kann gerade für Frauen auch immer wieder zur Bedrohung werden. In den vergangenen Tagen kam es dort zu einer Welle von sexuellen Übergriffen.

huGO-BildID: 31812748 A protestor wearing a Guy Fawkes mask holds up a red card as thousands of Egyptian demonstrators gather outside the presidentia
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Auch vor dem Präsidentenpalast versammeln sich die Demonstranten. Ein Mann zieht eine rote Karte, richtet sie gegen das Gebäude. Mursis Gegner kritisieren ihn wegen seines autoritären Führungsstils, der deutlich verschlechterten Wirtschaftslage und auch aufgrund der anhaltenden Islamisierung Ägyptens.

Protesters opposing Egyptian President Mursi attend a demonstration in Cairo
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Die Massenkundgebungen drohen immer wieder dramatisch zu eskalieren. Während an einem Ort die Demonstrationen ruhig bleiben...

huGO-BildID: 31819164 An Egyptian woman chants slogans, as protesters ransack the Muslim Brotherhood headquarters in the Muqattam district in Cairo,
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...kommt es woanders immer wieder zu gewalttätigen Konfrontationen. So auch hier, als am Montag, dem 1. Juli, Demonstranten die Zentrale der regierenden Muslimbruderschaft in Kairo stürmten und in Brand setzten. Diese drohten mit Vergeltung.

huGO-BildID: 31817194 An Egyptian protester waves a national flag on a roof in Tahrir Square during a demonstration against Egypt's Islamist Pre
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Die Protestbewegung will nach dem Arabischen Frühling von 2011 nun die „Revolution“ zu Ende bringen und die Demonstrationen so lange fortsetzen, bis Mursi zurücktritt. Doch der Islamist denkt nicht dran. Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr hat Mursi viel Vertrauen eingebüßt. Damals sprach er noch davon der „Präsident aller Ägypten“ sein zu wollen, doch dann baute er vor allem seine Macht und den Einfluss der Muslimbruderschaft aus. Jüngst machte er sieben Muslimbrüder zu Provinzgouverneuren. Die Opposition reagierte entsetzt.

Ein dpa-Reporter am Ort der Explosion berichtete, das Konsulat sei stark beschädigt worden. Eine Außenfassade des Gebäudes stürzte fast völlig ein, Fenster wurden aus den Angeln gehoben. Weil eine Wasserleitung zerstört wurde, kam es zu einer Überschwemmung. Die heftige Explosion zog auch Nachbargebäude in Mitleidenschaft und brachte Scheiben im nahe gelegenen Ägyptischen Museum zum Bersten.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi erklärte, Ägypten nicht alleine zu lassen. „Italien und Ägypten werden im Kampf gegen den Terrorismus immer zusammenstehen“, erklärte er. Sein Außenminister Paolo Gentiloni twitterte: „Wir stehen allen betroffenen Personen und Mitarbeitern nahe.“ Italien lasse sich nicht einschüchtern.

Ägypten wird seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi vor rund zwei Jahren regelmäßig von Anschlägen erschüttert. Erst Ende Juni war Generalstaatsanwalt Hischam Barakat bei einem Bombenattentat in Kairo getötet worden. In der vergangenen Woche starben fast 120 Menschen bei Angriffen islamistischer Extremisten auf Posten der Armee und bei anschließenden Gefechten auf der Sinai-Halbinsel. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu den Übergriffen.

Ägyptens Regierung geht seit Monaten mit harter Hand gegen Oppositionelle vor. Sie macht für die Gewalt vor allem die mittlerweile verbotenen islamistischen Muslimbrüder verantwortlich, die den Vorwurf jedoch zurückweisen. Tausende Anhänger der Organisation sitzen in Haft, Hunderte wurden zum Tode verurteilt, darunter auch Ex-Präsident Mursi. Als Reaktion auf die Gewalt will Ägyptens Regierung ein neues Anti-Terror-Gesetz beschließen. Es sieht unter anderem eine weitere Einschränkung der Pressefreiheit vor.

  • dpa
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