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Israel Der Mossad: Was eine der größten Spionageagenturen der Welt antreibt

Der israelische Geheimdienst wird verdächtigt, den iranischen Nuklearphysiker Mohsen Fakhrizadeh getötet zu haben. Warum der Mossad ein Motiv hat.
05.12.2020 - 10:59 Uhr 1 Kommentar
Israel fühlt sich durch das iranische Atomprogramm bedroht. Quelle: dpa
Schwerwasserreaktor im Iran

Israel fühlt sich durch das iranische Atomprogramm bedroht.

(Foto: dpa)

Tel Aviv Israel sieht das iranische Atomprogramm als existenzielle Gefahr. Aus diesem Grund hat Jerusalem es zur Priorität erklärt, das Programm zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Für die Umsetzung ist in erster Linie der Mossad verantwortlich, Israels Auslandsgeheimdienst.

Zwar hat bis heute niemand die Verantwortung für die gezielte Tötung des iranischen Nuklearphysikers Mohsen Fakhrizade übernommen. Seitdem die Nachricht vom Attentat auf die Nummer eins des iranischen Atomprogramms um die Welt ging, steht der übliche Verdächtige für die meisten jedoch fest: der Mossad.

Mit seinen neun Millionen Einwohnern leistet sich Israel laut Berichten eine der größten Spionageagenturen der Welt. In deren Fokus steht momentan das iranische Atomprogramm. Vor allem deshalb hat der Mossad nach Ansicht vieler Menschen auch ein Motiv, den iranischen Physiker getötet zu haben.

Lange Zeit waren die finanziellen Ressourcen des Mossads sehr begrenzt. Der frühere Premier Ariel Scharon stellte ihm jedoch die finanziellen Mittel zur Verfügung, um das militärische Atomprogramm des israelischen Erzfeindes aufzuhalten.

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    Denn der Mossad ist direkt dem Regierungschef unterstellt. Jede Aktion muss vom Premier bewilligt werden. Unter dem Kommando des 58-jährigen Yossi Cohen sind die Mossad-Aktionen aggressiver geworden.

    Da Israel seine Existenz stets in Gefahr sehe, werde ein effizientes Spionagenetz als höchste Priorität betrachtet, weiß Gad Shimron, Autor und ehemaliger Mossad-Agent. Zu den Stärken des Mossads zählt er vor allem die Auswertung von Erkenntnissen, die sich auf menschliche Quellen stützen. „Da ist Israel spitze,“ sagt Shimron, von dem auf Hebräisch unter anderem „Der Mossad und der Mythos“ erschienen ist. Cyberware sei zwar wichtig, zitieren Insider den Mossad-Chef Cohen, aber wirksam sei diese nur, wenn sie mit den Erkenntnissen aus der Auswertung richtig eingesetzt werde.

    Der ehemalige Fallschirmspringer Cohen, der den Mossad seit vier Jahren leitet, ist nicht nur Terroristen und iranischen Atom-Managern auf der Spur. Er wird auch als Schatten-Außenminister in Ländern eingesetzt, die zu Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. So spielte er zum Beispiel eine Schlüsselrolle bei der Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel, den Emiraten und Bahrain.

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zählt Cohen zu seinen engsten Vertrauten, im kleinen Kreis soll er ihn auch schon als seinen Nachfolger erwähnt haben. Bis zur Mossad-Übernahme war er Netanjahus Sicherheitsberater und wurde zu Beginn der Coronakrise auch mit der Aufgabe betraut, Beatmungsgeräte zu beschaffen, wobei deren Herkunft Cohens Geheimnis bleibt.

    Blamage und Herausforderung zugleich

    Mohsen Fakhrizade ist nicht der erste Naturwissenschaftler, der unter mysteriösen Umständen den Tod fand: In den vergangenen Jahren starben iranische Physiker und Chemiker etwa durch Schüsse in ihre Autos und durch Bomben, die vorbeifahrende Motorradfahrer an den Autodächern der Personen befestigten.

    In den vergangenen Monaten verschärfte der Mossad seinen heimlichen Krieg gegen Irans militärisches Atomprogramm. So kam es im Sommer zu einer Reihe mysteriöser Explosionen. Dabei wurden mindestens zwei Gebäude zerstört, in denen Forschung und Produktion in Zusammenhang mit dem Atomprogramm stattgefunden hatten.

    Israel soll den USA zudem geholfen haben, den iranischen Top-General Qassem Suleimani aufzuspüren, der im Januar durch US-Drohnen getötet wurde. Und Anfang August erschossen Mossad-Agenten in Teheran einen führenden Al-Qaida-Aktivisten. Die Häufung von Übergriffen auf ihrem Territorium sind für den Iran und dessen Sicherheitskräfte eine Blamage und Herausforderung zugleich.

    Bruce Reidel, der sich früher beim US-Geheimdienst CIA vor allem mit Israel beschäftigt hat, sagte im Gespräch mit der „New York Times“ (NYT), dass kaum ein Land bisher innerhalb des Territoriums seines ärgsten Feindes mit offensichtlicher Straffreiheit zugeschlagen habe. „Es ist beispiellos, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Iraner dem etwas wirksam entgegensetzen können.“

    Um neue Agenten im Iran einsetzen zu können, rekrutiert der Mossad nicht nur Perser, die in Israel eingewandert sind. Er stützt sich auch auf Agenten vor Ort. Laut Amos Yadlin, ehemaliger Geheimdienstchef, sind es vor allem die politischen Verhältnisse, die das Anwerben lokaler Kräfte leichter machen.

    Vier Jahrzehnte nach der Machtergreifung der Ajatollahs habe sich das Leben der Iraner nicht verbessert. Die Opposition sei stärker geworden. Im Vielvölkerstaat leben zudem Minderheiten, die vom Regime als Nicht-Perser unterdrückt werden, zum Beispiel Kurden und Aserbaidschaner.

    Misslungene Operationen

    Bereits vor dem iranischen Atomprogramm hat der Mossad außerhalb Israels Landesgrenzen mit gewagten Operationen für Schlagzeilen gesorgt. Einige gingen auch schief – zum Beispiel 1997 das Attentat auf den Hamas-Führer Khaled Mashal in Jordanien oder 1973 die Tötung eines unschuldigen Kellners in Norwegen, den die Agenten mit einem palästinensischen Terroristen verwechselt hatten.

    Doch bekannt ist der Mossad vor allem für Aktionen, die aus seiner Sicht erfolgreich verliefen. So kidnappte er 1960 Adolf Eichmann, den Nazi-Massenmörder, in Argentinien und schmuggelte ihn aus dem Land zum Prozess nach Jerusalem. Die tödliche Antwort für die Drahtzieher des Massakers bei der Olympiade 1972 in München ging ebenfalls auf das Konto des Mossads.

    Zu seinen bisher waghalsigsten Aktionen gehört indes der Diebstahl des gesamten iranischen Atom-Archivs aus einer Teheraner Lagerhalle. Es enthielt Dokumente mit den geheim gehaltenen Arbeiten der iranischen Nuklear-Forscher. Prominentester Name in den Dokumenten: Mohsen Fakhrizade.

    Er hatte einen Teil der Informationen handschriftlich festgehalten – so vertraulich waren sie. Als Netanjahu vor zwei Jahren in einer Live-Sendung die Ankunft des Archivs in Israel publik machte, sagte er einen Satz, der jetzt wie die Ankündigung des Attentates klingt: „Merkt euch den Namen Dr. Mohsen Fakhrizade.“

    Mehr: Was Bidens Personal über seinen Wirtschaftskurs verrät.

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    1 Kommentar zu "Israel : Der Mossad: Was eine der größten Spionageagenturen der Welt antreibt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sie loben die Klugheit und den Erfolg einer "Agentur" die nach Ihrer Meinung eine Linzens zum Töten hat und verspotten die Opfer als dumm und selber schuld.
      Mit anderen Staaten gehen Sie nicht so nachsichtig um wie mit dem jüdischen Staat Israel.
      Bleiben Sie besser bei Ihrer gewohnten Taktik und schweigen Sie über derartige Verletzungen des internationalen Rechts durch diesen Staat, dem wir so viel schuldig sind.
      Wenn Sie z.B. über Trumps Aktivitäten am Ende seiner Amtszeit berichten, die dem gewählten Präsidenten Schwierigkeiten machen sollen, dann lassen Sie Israel ja auch einfach aus. Geht doch, merkt ja keiner.
      Dieser Artikel hat nichts von der hohen Qualität Ihrer internationalen Berichte.

      Lothar Meurer

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