1. Startseite
  2. Politik
  3. International
  4. Israel: Tel Aviv, das Paradies für Homosexuelle

IsraelTel Aviv, das Paradies für Homosexuelle

Bei Israel denken viele an strengreligiöse Werte. Im Umgang mit Homosexualität ist das Land jedoch eines der fortschrittlichsten der Welt. Vor allem in Tel Aviv können Schwule und Lesben frei feiern. 15.06.2014 - 12:35 Uhr Artikel anhören

Eine Gay-Pride-Parade in Tel Aviv: Männer, die mit Männern Hand in Hand laufen, gehören zum Straßenbild, an den kilometerlangen Sandstränden kuscheln sich auch Frauen an Frauen.

Foto: Reuters

Tel Aviv. Regenbogenfahnen wehen an jeder Ecke. Sogar die Bordsteine sind in einigen Straßen in den Symbolfarben der schul-lesbischen Gemeinschaft bemalt. Tel Aviv ist am Tag der Gay Pride Parade im Ausnahmezustand.

Viele wichtige Verkehrsadern sind gesperrt. Dort wo sich sonst die Autos dicht an dicht drängen, tanzen Menschen, meist leicht bekleidet oder kunterbunt angezogen. Aus den Lautsprechern wummern tiefe Bässe.

Rund 140 000 Menschen sind nach Angaben der Veranstalter zum Feiern in Israels Metropole gekommen. Eine Stadt, die auch sonst den Ruf als Party-Hochburg hat, auf deren Straßen oft bis in den frühen Morgen hinein junge Menschen tummeln. Und die als besonders liberal beim Thema Homosexualität gilt.

Männer, die mit Männern Hand in Hand laufen, gehören zum Straßenbild, an den kilometerlangen Sandstränden kuscheln sich auch Frauen an Frauen. Und das in einem Land, das von außen oft als konservativ und tiefreligiös gesehen wird. Ein schiefes Bild.

Homosexualität – vom Verbot zur Akzeptanz
Die junge Bundesrepublik bestraft schwule Liebe
Die DDR streicht den "Schwulen-Paragraf" 175
Unter Brandt ist schwule Liebe nicht mehr strafbar
Franz Josef Strauß und die "warmen Brüder"
Von-Praunheim-Film über die Schwulenszene
Erste Schwulendemo Deutschlands
ARD strahlt schwulen Liebesfilm aus
Erster Christopher Street Day
Die Kießling-Affäre
Die neue Angst Aids
Der erste schwule Fernsehkuss
Rosa von Praunheim und das Promi-Outing
Der "Schwulenparagraf" fällt
Die "Hamburger Ehe"
"Ich bin schwul, und das ist gut so"
Schill will Ole von Beust mit Outing erpressen
Denkmal für homosexuelle Nazi-Opfer
Ein Schwuler wird Vizekanzler und Außenminister
Die mediale Selbstverständlichkeit
Rechtliche Gleichstellung bei der Steuer
Der erste deutsche Nationalspieler outet sich

Tatsächlich sei Israel in Bezug auf den Umgang mit Homosexualität eines der fortschrittlichsten Länder überhaupt, sagt Shai Deutsch, der Vorsitzende der Organisation Aguda, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt. Natürlich gebe es Vorbehalte unter orthodoxen Juden und konservativen Muslimen. Generell habe man aber Möglichkeiten, die man auch in den meisten anderen Ländern nicht habe, von den Nachbarstaaten im Nahen Osten ganz zu schweigen.

Es gibt zwar keine Homo-Ehe, dafür sei es für Schwule und Lesben einfach, ein Kind zu adoptieren. Selbst in der Armee, die durch den zwei bis drei Jahre dauernden Wehrdienst der größte Arbeitgeber des Landes ist, ist das Thema kein Tabu.

Infografik

Homo-Ehe: Was gilt wo in der Welt

Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, die das Thema mit der Doktrin „Don't ask, don't tell“ unter den Teppich kehren, kann man sich im israelischen Militär problemlos als homosexuell outen. Karl Walter kann dazu aus eigener Erfahrung berichten.

Der Israeli mit österreichischen Wurzeln war bis im vergangenen Jahr ein Offizier in einem Artillerieregiment. Dabei versuchte er anfangs dem Militärdienst aufgrund seiner sexuellen Orientierung zu entgehen.

„Ich kann nicht dienen, ich bin schwul“, sagte er einem Offizier, einem Rabbiner mit langem Bart. Niemand, dem man besondere Toleranz bei diesem Thema zutraut. Doch der Oberst antwortete trocken: „Kein Problem. Da sind sie in guter Gesellschaft, die halbe Armee ist schwul.“

Schwierig sei die Lage vor allem in den Palästinensergebieten. Die Vorbehalte vieler Muslime machen ein offenes Ausleben von Homosexualität so gut wie unmöglich. Doch auch dort formiert sich immer mehr Widerstand gegen ihre Tabuisierung. Überall im Land und auch auf palästinensischem Boden gebe es mittlerweile Nichtregierungs-Organisationen, die für die gesellschaftliche Anerkennung von Schwulen und Lesben kämpfen.

Verwandte Themen
Israel

Paraden wie die in Tel Aviv seien nur die Speerspitze der Bewegung, sagt auch Shai Deutsch. 17 Gay-Festivals gibt es in verschiedenen Städten Israels pro Jahr. Die Gay Pride Parade ist das größte davon. Deutsch meint, dass man zwar viel erreicht habe, das Ziel einer offenen Gesellschaft mit gleichen Rechten für Homo- wie Heterosexuelle aber noch fern sei. Er kämpft weiter und ist überzeugt: „Man kann uns nicht aufhalten.“

dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt