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Israel und Palästina Das ABC des Nahost-Konflikts

Der Streit zwischen Israel und den Palästinensern ist einer der intensivsten Konflikte der vergangenen Jahrzehnte. Die Einmischung von Donald Trump könnte Kämpfe neu entfachen. Die wichtigsten Begriffe im Überblick.
2 Kommentare

Palästinenser und israelische Sicherheitskräfte bekriegen sich weiterhin

DüsseldorfUS-Präsident Donald Trump will seinem israelischen Amtskollegen helfen, ein neues Kapitel im Nahen Ost aufzuschlagen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel durch US-Präsident Donald Trump habe die Realität wiedergegeben. Am Montag in Brüssel wollte Netanjahu auch die EU von seiner Position überzeugen. „Jerusalem ist die Hauptstadt Israels und niemand kann das verneinen“, sagte Netanjahu.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini machte deutlich, dass eine einseitige Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt für die EU nicht infrage komme. Eine Lösung des Konflikts könne nur durch direkte Verhandlungen erreicht werden, sagte sie. Ziel müsse aus Sicht der EU eine Zwei-Staaten-Lösung sein, bei der Jerusalem Hauptstadt beider Seiten sein solle. Seit der US-Entscheidung kam es im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und im Gazastreifen bereits zu teils heftigen Unruhen. Die Hamas rief sogar zu einer neuen Intifada auf.

Komplexe oder fremde Begriffe, wie Hamas, Fatah oder Zionismus, erschweren es, die Grundzüge des Konflikts im Nahen Osten zu verstehen. Die folgende Liste erklärt die wichtigsten Schlagwörter zu Israel und Palästina:

Fatah

Die Fatah ist eine Art politischer Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten. Sie wurde 1959 von Jassir Arafat und einigen Weggefährten ursprünglich als Guerillaorganisation gegründet. Diese sahen den bewaffneten Kampf als geeignetes Mittel an, die Unabhängigkeit der Palästinenser zu erreichen. Derzeitiger Parteichef ist Mahmud Abbas, das Hauptquartier der Partei liegt in Ramallah im Westjordanland. 1964 hat sich die Partei eine Verfassung gegeben. Darin stehen als wichtigste Ziele die „komplette Befreiung Palästinas“, die „Gründung eines unabhängigen demokratischen Staates mit vollständiger Souveränität über die palästinensischen Gebiete und Jerusalem als Hauptstadt“ sowie die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“.

Um diese Ziele zu erreichen, hat sich die Fatah auch häufig terroristischer Mittel bedient. 1993 – noch unter Jassir Arafat – erkannte die Partei das Existenzrecht Israels an und schor dem Terrorismus ab. Sie ist eine Fraktion der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und gehört der Sozialistischen Internationalen an. Konkurrent um die Führungsrolle in den Palästinenser-Gebieten ist die Organisation Hamas. 2011 unterschrieben Fatah und Hamas eine Art Versöhnungsabkommen. Darin enthalten ist die Absicht, gemeinsam eine Übergangsregierung zu bilden.

Gazastreifen

An der Küste des östlichen Mittelmeers zwischen Ägypten und Israel liegt der Gazastreifen mit der Hauptstadt Gaza Stadt. Gaza hat knapp 2 Millionen Einwohner. Nur 14 Prozent der Fläche sind für die Landwirtschaft nutzbar, der Rest sind Sand und Dünen. Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ sind hier 60 Prozent der Menschen arbeitslos. Seit 2007 wird das Gebiet von der Hamas kontrolliert. Sie wird von Israel und westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft.

Grabeskirche

Nur acht Minuten zu Fuß vom Tempelberg liegt das wichtigste Heiligtum der Christen: die Grabeskirche. Sie soll sich der Überlieferung nach an der Stelle befinden, wo Christus nach seinem Tod am Kreuz beerdigt wurde und wieder auferstand. Traditionell feiern Gläubige dort das Osterereignis.

Hamas

Die Hamas ist eine sunnitisch-islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie wurde 1987 als Zweig der Muslimbrüderschaft gegründet. Sie hat die militärische Beseitigung Israels und die Gründung eines islamischen Staates zum Ziel. Der Bundesgerichtshof hat 2004 entschieden, dass die humanitären Aktionen der Gruppe nicht von den terroristischen und politischen getrennt betrachtet werden könne. Die Hamas bezeichnet den Holocaust als zionistische Geschichtsfälschung Seit dem Bürgerkrieg um Gaza im Jahr 2007 stellt die Bewegung die Regierung im Gazastreifen. Seit Mai 2017 ist Ismail Hanija Chef der politischen Abteilung der Hamas. Finanziert wird die Organisation durch verschiedene Staaten, so auch durch Saudi-Arabien.

Hisbollah

Im Libanon beheimatet ist die schiitische Partei und Miliz Hisbollah. An der Spitze der Partei stehen geistliche Führer, oberste Autorität ist der Revolutionsführer der islamischen Republik Iran, Ali Chamenei. Israel, Kanada und die USA stufen die Hisbollah als Terrororganisation ein. Sie sieht sich selbst als Beschützer des Libanons vor Israel. 2016 erklärte die Arabische Liga die Hisbollah zu einer Terrororganisation. Die Hisbollah wird unverhohlen vom Iran finanziert und mit iranischen, russischen und chinesischen Waffen ausgerüstet. Vom Süden des Libanons hat die Hisbollah Ziele im Norden Israels angegriffen, zuletzt 2015. Anführer Hassan Nasrallah hat als Ziel die vollständige Zerstörung Israel ausgegeben. Im syrischen Bürgerkrieg flohen zehntausende Syrer in den Libanon. In Deutschland gibt es etwa 3000 Hisbollah-Anhänger unter schiitischen Libanesen und Iranern, ihr Hauptquartier ist das iranisch-islamische Zentrum in Hamburg.

Intifada

Der erste Palästinenseraufstand, Intifada genannt, hatte vor 30 Jahren im Dezember begonnen. Von 1987 bis 1993 verloren etwa 2200 Palästinenser und 200 Israelis ihr Leben. Bei der „Al-Aksa-Intifada“ von 2000 bis 2005 wurden 3500 Palästinenser getötet, mehr als 1.000 Israelis starben bei Anschlägen von Palästinensern. Hamas-Chef Ismail Hanija hat nun, nach der Jerusalem-Entscheidung Trumps, zur dritten Intifada aufgerufen.

Jerusalem

Die Stadt liegt in den judäischen Bergen zwischen Totem Meer und Mittelmeer. In ganz Jerusalem leben nach Angaben des Zentralen Israelischen Statistikbüros ungefähr 866.000 Menschen, davon 542.000 Juden und 323.700 christliche und muslimische Araber. In der Stadt begegnen sich viele Kulturen der Antike und der Moderne. So ist beispielsweise die Altstadt in das muslimische, jüdische, christliche und armenische Viertel aufgeteilt und von einer Mauer umgeben.

Der politische Status der Stadt ist international umstritten und Teil des Konflikts im Nahen Osten. Die Stadt wird sowohl von Israel, das gegenwärtig das gesamte Stadtgebiet kontrolliert, als auch vom Staat Palästina als eigene Hauptstadt angesehen. In Jerusalem sind der Sitz des Präsidenten, die Knesset und das Oberste Gericht angesiedelt. Außerdem liegt dort die bereits 1918 gegründete Hebräische Universität sowie die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem und der israelische Nationalfriedhof.
(siehe auch Ostjerusalem)

Brexit 2019
Knesset, Tempelberg, Zionismus
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2 Kommentare zu "Israel und Palästina: Das ABC des Nahost-Konflikts"

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  • Die arabische Welt ist ja nicht völlig hilflos. Sie hat im Laufe der Jahrzehnte Unsummen an US-$ gesammelt und in Banken und Hedgefonds investiert.

    Und wenn ein geldgesteuerter Psychopath glaubt, seine Wahlkampfkosten zu Lasten eines neuen Religionskrieges zurückerstatten zu müssen, kann man ihn nur damit zur Vernunft bringen, wo es ihm am meisten weh tut: Bei seinem eigenen Geld!

    Also zunächst Hedgefonds und Banken veranlassen, dass Verträge über Nutzung von Namensrechten gekündigt werden. Und wenn dieser sanfte Hinweis noch nicht reicht, alle privaten Kreditverträge kündigen lassen!

  • Die europäische Apeasementpolitik gegenüber denjenigen, die wieder einmal ihre mörderische Fratze in Berlin gezeigt haben wird in eine Weltweite Katastrophe führen.