Istanbul und der Anschlag Wenn sich die Kriegszone brutal ausweitet

Brutal, unkontrollierbar und symbolisch: Der Anschlag in Istanbul vor der Hagia Sofia ist eine Kriegserklärung gegen die Freundschaft zwischen Zivilisationen. Mit einem fürchterlichen Signal.
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Abgesperrter Tatort in Istanbul: Mindestens zehn Menschen sind durch die Explosion ums Leben gekommen. Quelle: dpa
Anschlag in Istanbul

Abgesperrter Tatort in Istanbul: Mindestens zehn Menschen sind durch die Explosion ums Leben gekommen.

(Foto: dpa)

Neben dem blanken, tödlichen Terror hat der Anschlag in Istanbul extrem hohen Symbolgehalt. Er fand just vor der Hagia Sophia statt, dem glorreichen Monument der Christenheit, das zur Moschee und dann zum Museum wurde. Nirgendwo sonst könnte eine Annäherung der Religionen und Zivilisationen so tiefgründig angeregt und symbolisiert werden wie hier. Aber eben genau deshalb folgt die Zerstörung dieser Annäherung. Der Anschlag ist eine Kriegserklärung gegen die (schwierige) Freundschaft zwischen Zivilisationen.

Neben den menschlichen Opfern soll das Attentat dreimal treffen: Die Türkei, die sich lange Zeit dem Wahn hingab, die Henkersknechte des IS gegen die Kurden instrumentalisieren zu können, nur um sie dann zu bekämpfen. Dann die Deutschen, die jetzt aus der Türkei mit Tornados in den Syrien-Krieg eingreifen. Und schließlich den Tourismus, den effektivsten und leichtfüßigsten Weg der Annäherung der Kulturen und zugleich der effektivste Wirtschaftsfaktor für viele, gerade auch muslimische Länder.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Unterm Strich: Wir erleben auf brutalste Weise die Ausweitung der Kampf-, ja der Kriegszone mitten in unsere Zivilgesellschaften. Es ist der Terror ohne Grenzen, der sich nationalen Bekämpfungsstrategien entzieht und sich eine Palette unterschiedlichster Tatorte verschafft: Ob Hagia Sophia, das Bataclan, ein deutsches Fußballstadion, ein Baderessort in Tunesien, eine Ferieninsel in Indonesien: Unter dem Dach der Terrororganisation mit angehängtem Staatsterritorium IS soll die Weltkarte zu einer kargen Mondatlas des Schreckens werden. Für den Westen soll die Welt unwirtlich werden.

Es liegt deshalb auf der Hand: Nationalstaaten, nationale Sicherheitskräfte mögen zwar auf heimischem Territorium mit großer Anstrengung für mehr Sicherheit sorgen können. Doch das eigentliche Ziel: Die Sicherheit der ihnen anvertrauten Bürger können sie im Zeichen des asymmetrischen Krieges, der die Fronten auflöst und die Kampfzonen in die Zivilgesellschaft verlegt, nicht mehr gewährleisten. Die hilflose westliche, jetzt überall leicht verwundbare Demokratie soll den Nimbus der westlichen Übermacht verlieren. Das ist das fürchterliche Signal, das von dem Anschlag in Istanbul ausgehen soll: Wir sind alle verwundbar.

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  • Seit Silvester ist eh klar, dass die IS nun in Deutschland aktiv ist. Was aus uns zukommt, wissen wir von den Türken auch seit Weihnachten.

    Es gibt keinen Schutz vor Terroristen, es sei denn, man räuchert ihre Nester aus. Als derzeit der Terror sich noch aus Israel beschränkte, ist der Mossad beigegangen und hat es den Chefs der Terro-Orgs im Rahmen eines Freitags-Gebetes erklärt. Der Typ war danach bei seinem Schöpfer und der Spuk war beendet.

    Leider ist das deutsche Volk noch nicht bereit, dass sie insofern von Juden lernen, dass es Unterschiede zwischen den Menschen gibt. Wer das sagt, ist ein Rassis.

    Juden tun sich da einfacher und sie sprechen es auch aus:
    <<<<<<<<<<<<<<<<

    „Unsere Rasse ist die Herrenrasse. Wir sind heilige Götter auf diesem Planeten.

    Wir sind so weit entfernt von den minderwertigen Rassen, wie sie von Insekten sind. (…) Andere Rassen werden als menschliche Exkremente betrachtet. Unser Schicksal ist es, die Herrschaft über die minderwertigen Rassen zu übernehmen. Unser irdisches Reich wird von unseren Führern mit einem Stab aus Eisen regiert werden. Die Massen werden unsere Füße lecken und uns als Sklaven dienen!”

    (Israels Ministerpräsident Menachem Begin in einer Rede vor der Knesset. Amnon Kapeliouk, “Begin and the Beasts”, New Statesman, 25. Juni 1982.)

  • Vielleicht hatte Herr Scheidges ja beim Verfassen seines Artikels das Buch von Michel Houellebecq "Ausweitung der Kampfzone" im Hinterkopf, das dieser Autor schon vor 20Jahren veröffentlicht hat und in dem er die Problematik des modernen isolierten Menschen in den westlichen Gesellschaften beschrieben hat.

    "Ausweitung der Kampfzone" "Die Unterwerfung","Elementarteilchen".

    Wer die Bücher von Houellebecq nicht zur Kenntnis genommen hat, versteht auch nicht, was im Moment, jetzt, hier in diesem Augenblick seinem Höhepunkt zustrebt,
    etwas, das sich schon lange angekündigt hat.

  • Egal, ob Al Quaida, IS oder welche andere Organisation auch immer nun hinter diesem Anschlag steckt. Wenn wir nicht bereit sind, diese Verbrecher in ihren Verstecken zu bekämpfen, werden sie den Krieg umso mehr und organisierter nach Westeuropa tragen.

    Dass auch Deutschland inzwischen Kriegsgebiet ist, sollte wohl auch dem Letzten inzwischen klar sein. Wir haben genügend gescheiterte Existenzen u. a. aus moslemischen Ländern bei uns, und Dank grün-sozialistischer Multikulti Phantasien, Pressezensur und einem Bundestag voller Nullen und Versager, werden es immer mehr. Und die sind nunmal auf die professionelle Organisation seitens IS und Konsorten angewiesen, sonst bekommen sie überhaupt nichts auf die Reihe.

    Also gilt es, diese Organisationen zu bekämpfen.

  • Frau Merkel hat uns ganz offen einen - ihrer seltenen - Einblicke in Ihr "Wertesystem" gegeben:

    Ihr ist:

    1. der EUR - der ohne Dauerallimentierung durch den deutschen Steuerzahler nicht mal selbständig überlebensfähig ist

    2. und die offenen Schengen-Grenzen - obwohl dieses nur unter der Bedingung sicherer EU-Außengrenzen gelten sollte

    wichtiger als:

    1. die Sicherheit und
    2. der Wohlstand der deutschen Bürger.

    Das muss man sich mal überlegen. Ich teile dieses Wertesystem im Zweifel, im Notfall nicht. Und noch dazu wird für diese fragwürdigen Ziele permanent vereinbartes, geltendes Recht gebrochen wie von Verfassungsrechtlern nun auch offiziell bestätigt.

    Wessen Interessen diese Kanzlerin vertritt, ist daher eine mehr als berechtigte Frage.

  • Mein Beileid den Hinterbliebenen der Opfer von Istanbul. Die Ermordeten waren unsere Nachbarn, Bekannte und Kollegen.

    Wenn dieses Land nun auch im Krieg befindlich ist, dann verstehe ich umso weniger, warum Frau Merkel nicht endlich die deutschen Grenzen wieder kontrollieren lässt. Auch ohne diesen feigen Anschlag wäre das angezeigt gewesen, aber jetzt: warum noch zögern. Wie viele Kriminelle und Terroristen schon über die unkontrollierte deutsche Staatsgrenze in das Land einsickern konnten, können wir nach den Vorfällen von Köln, Bielefeld, Hamburg, Stuttgart, Weil am Rhein etc pp nur erahnen.

    Eines aber ist gewiss: es sind zu viele und sie werden noch schlimmes veranstalten. Wer anderes behauptet, macht sich mit den Tätern fast schon gemein und verharmlost auf ganzer Linie.

    Gott schütze unser Land, wir können nur beten, denn mehr haben wir nicht mehr.

  • Das kommt davon wenn man sich in Dinge einmischt die einen gar nichts angehen. Aber Deutschland muss mehr "Verantworting uebernehmen" und ueberall mit rumballern, Waffen und Demokratie exportieren, Migranten importieren, Diktatoren stuerzen (Syrien, Libyen) oder, je nach Vorgabe aus den USA, auch mal unterstuetzen (Ukraine, Tuerkei, SA).
    Das ist erst der Anfang, demnaechst auch in Deutschland, aber sowas kommt von sowas. Wer nicht einmal in der Lage ist seine eigenen Grenzen und Frauen schuetzen kann der sollte sich auch nicht in anderer Leute Sachen einmischen denn sonst gibts mal ganz schnell was aufs Auge.

  • Stimmt ja, man sollte abwarten, bis die Attentäter sich gestellt haben und schicht hierfür als schuldig bekannt haben. Und das muss man natürlich exakt überprüfen, dass es eindeutig ist.

    Erst dann sollte man so etwas weitergeben.

    Fachleute in Israel würde dageen so einen Fall schnell und unbürokratisch lösen, denn dort kennt man sich mit Terroristen und besondern mit Muslim / Arabern seit vielen Jahren sehr gut aus.


  • Und IM Erika holt den Krieg zu uns, und unterstützt und fördert ihn noch mit unserem Geld.

  • Interessant was sich schon aus den Fingern gesogen wird, obwohl gesicherte Informationen zu den Hintergründen nicht vorliegen. Es gibt offizielle Türkische Erklärungen zur Meinung der Regierung. Belastbare Ermittlungsergebnisse fehlen noch. Deshalb sollte sich auch die Presse zurückhalten.
    Mein Beileid den Opfern.

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