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Italien Erster großer Corona-Ausbruch in Europa – Österreich stellt zeitweise Zugverkehr nach Italien ein

Nach dem sprunghaften Anstieg der Infiziertenzahl herrscht in Italien Alarmstimmung. Südkorea ruft wegen des Virus die höchste Alarmstufe aus.
23.02.2020 Update: 23.02.2020 - 21:53 Uhr Kommentieren
Der erste große Ausbruch des Corona-Virus führt in Italien zu Hamsterkäufen. Quelle: AFP
Vorratskäufe

Der erste große Ausbruch des Corona-Virus führt in Italien zu Hamsterkäufen.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Drei Tote und mehr als 130 Menschen, die sich angesteckt haben: Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist in Italien am Wochenende sprunghaft angestiegen. Betroffen sind vor allem die wirtschaftsstarken Regionen Lombardei und Venetien im Norden Italiens. Wie in China werden nun Städte abgeriegelt.

Auch in Österreich macht sich die Ausbreitung im Nachbarland bemerkbar: Die österreichische Bahngesellschaft stoppte am Abend zwei Züge auf der zentralen Brenner-Route zwischen Italien und Österreich. Rund 500 Passagiere mussten an dem Grenzübergang stundenlang warten, bevor die Behörden in Österreich kurz vor Mitternacht grünes Licht für die Weiterfahrt gaben.

Zu diesem Zeitpunkt waren laut Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bereits alle Passagiere des Eurocitys (EC) 86 von Venedig nach München in den nachfolgenden EC 1288 ebenfalls mit dem Ziel München umgestiegen. Der Zug traf am frühen Montagmorgen mit einigen Stunden Verspätung in München ein.

Die österreichischen Behörden hatten darauf bestanden, dass zwei Ärzte an Bord gehen. Ausgelöst wurde der Zwangsstopp durch zwei deutsche Frauen an Bord, die Fieber und starken Husten hatten. Sie wurden aber nach Angaben des österreichischen Innenministeriums negativ auf das Virus getestet. Nach Angaben der Bahnpolizei am Brenner mussten die beiden Frauen bereits in Verona aussteigen.

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    Die italienische staatliche Eisenbahngesellschaft hatte die ÖBB zuvor über die möglichen Fälle informiert. Bereits zu diesem Zeitpunkt war ein Teil des Zuges isoliert worden. Von der zeitweisen Sperre des Zugverkehrs über den Brenner war auch ein Fernzug von Nizza nach Moskau betroffen. Er wurde laut ÖBB über eine andere Route umgeleitet. Ein Regionalexpress aus Österreich in Richtung Italien kehrte am Abend um. Der Brenner ist die wichtigste Bahnstrecke von Italien nach Deutschland.

    Zugverkehr am Brenner nach Coronavirus-Verdacht wieder aufgenommen

    Italien ist nun das Land mit den meisten Corona-Fällen in Europa. Zum Vergleich: In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf. Auch auf der koreanischen Halbinsel spitzte sich die Lage zu: Die Regierung Südkoreas rief wegen des rasanten Anstiegs der Fallzahlen im Land die höchste Warnstufe für Infektionskrankheiten aus.

    Die Lage in Italien im Überblick

    • Bis zum Sonntagabend wurden bereits mehr als 150 Fälle in Italien erfasst. Drei Menschen sollen an der Virusinfektion gestorben sein
    • Von den Infizierten lebten 89 Personen in der Lombardei. In Venetien gab es nach letzten Zahlen 24 Infizierte. Hinzu kamen mehr als ein Dutzend Nachweise in den Regionen Emilia-Romagna und Piemont
    • Regierungschef Giuseppe Conte erklärte in der Nacht: „Das Ziel ist es, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen.“ Ein Aussetzen des Schengen-Abkommens oder die Schließung der Landessgrenzen sei jedoch keine Option
    • Auch Staatspräsident Sergio Mattarella rief zu verantwortlichem Handeln auf
    • Zahlreiche Veranstaltungen im Norden Italiens wurden vorsorglich abgesagt, der Karneval in Venedig sollte vorzeitig beendet werden
    • Es traf auch die gerade stattfindende Mailänder Modemesse. Das Modelabel Moncler sagte ein Open-Air-Event ab. Das Modehaus Giorgio Armani entschied, die Büros und die Produktionsstätten an mehreren Standorten sieben Tage zu schließen
    • Schulen, Universitäten, Ämter und Fabriken in Norditalien wurden geschlossen. Auch die Ligaspiele der Serie A in Mailand, Bergamo und Verona wurden abgesagt
    • Das Fernsehen zeigt gespenstische Szenen aus der Stadt Codogno südöstlich von Mailand. Die Straßen der Gemeinde mit 15.000 Einwohnern sind leer. Züge und Busse fahren nicht, die Carabinieri riegeln die Zufahrtsstraßen ab, es gibt nur einen „sterilen Korridor“ für die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten
    • Laut Innenministerium soll am Montag eine Task Force zusammenkommen, um über Grenzkontrollen mit Italien zu beraten.

    In einer nächtlichen Krisensitzung beschloss die Regierung von Premier Conte, alle Gemeinden, in denen die Angesteckten leben, zur „roten Zone“ zu erklären. In diesen Zonen dürfen die Bewohner das Gebiet nicht verlassen, auch von außen kommt niemand hinein. Wer sich den Regeln widersetzt, muss mit Haftstrafen rechnen. Zur Not will die Regierung Militär zur Kontrolle der Quarantäne einsetzen.

    Die Notmaßnahmen der Regierung treffen besonders das Hinterland und Einzugsgebiet von Mailand mit rund 50.000 Bewohnern. Italiens Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri sagte dem Sender „SkyTG24“, er gehe von weiter steigenden Fallzahlen aus.
    In der italienischen Bevölkerung herrscht Panik. Mundschutz und Desinfektionsmittel sind in vielen Apotheken im Land ausverkauft. Schwierig ist die Aufklärung der Ansteckung.

    „An der Situation in Italien ist besonders besorgniserregend, dass nicht alle registrierten Fälle eine klare Krankengeschichte haben, also eine Verbindung mit Reisen nach China oder Kontakte mit anderen bereits bekannten Fällen“, sagt Hans Henri Kluge, Regionaldirektor für Europa der Weltgesundheitsorganisation.

    Mit der Ausbreitung in Italien wächst die Sorge in Europa. Frankreich bereitet sich vor, in Deutschland ist noch unklar, wie groß die Folgen des Corona-Ausbruchs zu bewerten sind. Dazu sei es noch „zu früh“, hieß es bei Regierungsvertretern an Rande des G20-Treffens in Riad. Zudem sei unklar, wie genau politisch und finanziell einem Zusammenbrechen der Zulieferketten deutscher Produzenten entgegen gesteuert werden könnte.

    Auch in anderen Teilen der Welt hat sich die Lage weiter verschärft, allen voran in Südkorea. Dort hat die Regierung nach einem starken Anstieg der Infektionszahlen die höchste Warnstufe ausgerufen. Präsident Moon Jae-in wandte sich persönlich an die Presse.

    Die Lage in Südkorea im Überblick

    • Allein am Sonntag ist die Zahl der Covid-19-Infektionen auf mehr als 600 gestiegen
    • Zudem stieg die Zahl der Todesfälle auf sechs
    • Südkoreas größter Konzern Samsung hatte übers Wochenende ein ganzes Smartphone-Werk in der Stadt Gumi geschlossen, nachdem bei einem Arbeiter das Virus nachgewiesen wurde
    • Das US-Außenministerium stufte seine Reisewarnung für Südkorea und Japan auf die zweite von vier Stufen herauf

    In China, dem Ursprungsland von Covid-19, lag die Zahl offiziell erfasster Infektionen am Sonntag bei rund 77.000, mehr als 2400 Menschen starben demnach an der Lungenerkrankung. Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle aus.

    So stark könnte sich die Coronavirus-Epidemie auf die Weltwirtschaft auswirken

    Das Coronavirus war auch das beherrschende Thema des G20-Gipfels in Saudi-Arabien. Nach dem Bericht von Kristalina Georgieva, der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), zu den möglichen ökonomischen Folgen der Epidemie riefen die führenden Wirtschaftsnationen der Welt zu einer koordinierten Reaktion auf den Ausbruch des Coronavirus auf.

    Der IWF hatte in seiner neuesten Prognose errechnet, dass Chinas Wachstum in diesem Jahr auf nur noch 5,6 Prozent zurückgehen dürfte und das geschätzte globale Wachstum von 3,3 Prozent um 0,1 Prozentpunkte geringer ausfallen werde.
    Allerdings sagte Georgieva bei ihrer Präsentation vor den Zentralbankern und Finanzministern der Gruppe der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen, dass der IWF sich weiterhin auch mit schlimmeren Szenarien befasse. Schon jetzt sei der wirtschaftliche Ausblick für China um 0,4 Prozentpunkte niedriger als im Januar.

    Viele Italiener gehen nur noch mit Mundschutz auf die Straße. Quelle: AFP
    Bäckerei in Norditalien

    Viele Italiener gehen nur noch mit Mundschutz auf die Straße.

    (Foto: AFP)

    Das Basisszenario des IWF rechnet alle angekündigten, vor allem fiskalischen Maßnahmen Chinas ein. Die Wirtschaft würde sich so im Reich der Mitte im zweiten Quartal wieder normalisieren. „Infolgedessen wären die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft relativ gering und von kurzer Dauer“, sagte Georgieva bei dem Gipfeltreffen in Riad.

    Dennoch betrachte man „auch schlimmere Szenarien, in denen die Ausbreitung des Virus länger und globaler andauert“, was das Wirtschaftswachstum massiv beeinflussen würde. Georgieva sagte, eine globale Zusammenarbeit sei unerlässlich, um das Virus und seine wirtschaftlichen Auswirkungen einzudämmen.

    Die Auswirkungen des Coronavirus in China könnten eine Erholung der Konjunktur in Deutschland und neue Impulse für den Arbeitsmarkt verzögern. Davon gehen Volkswirte führender deutscher Finanzinstitute aus, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

    Finanzhilfen für Afrika angekündigt

    Eine große globale Sorge ist, dass das Virus sich auch in sehr bevölkerungsreichen afrikanischen Staaten mit schlechtem Gesundheitswesen verbreitet. Der IWF zeigte sich deshalb zu einem Schuldenerlass oder anderen Finanzhilfen für die ärmsten Staaten der Welt bereit.

    Die G20-Staaten „vereinbarten, mit der notwendigen Politik auf diese Risiken zu reagieren", sagte der saudische Finanzminister Mohammad Al-Jadaan am Sonntag zum Abschluss des Treffens im Ritz Carlton Hotel in der saudischen Hauptstadt. Es gebe ein „Menü an Politik-Optionen“, die bei weiteren wirtschaftlichen Folgen der Epidemie eingesetzt werden könnten.

    Das globale Wirtschaftswachstum setze sich zwar fort, aber es bestünden weiterhin Abwärtsrisiken. Nicht nur wegen Corona, so Al-Jadaan, dessen Land die G20-Präsidentschaft inne hat in diesem Jahr, sondern auch wegen geopolitischer und Handelsspannungen.

    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Die südkoreanische Regierung ruft wegen hunderte neuer Infektionen die höchste Warnstufe aus. Aus Japan werden unterdessen massive Behandlungsfehler bekannt.

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