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Italien Giuseppe Conte: Der rasante Aufstieg des italienischen Premiers

Innerhalb von nur einem Jahr wurde aus dem Juristen Giuseppe Conte der beliebteste Politiker Italiens. Jetzt muss er sich aufs Neue beweisen.
05.09.2019 - 19:32 Uhr Kommentieren
Conte ist derzeit der beliebteste Politiker Italiens. Quelle: ddp/abaca press
Giuseppe Conte

Conte ist derzeit der beliebteste Politiker Italiens.

(Foto: ddp/abaca press)

Rom Eine Szene im römischen Senat charakterisiert Giuseppe Conte mehr als alle anderen: Der neue und alte Premier, sonst ein eher formal daherkommender Charakter, lässt das Manuskript sinken, dreht sich nach rechts zu seinem Nachbarn Matteo Salvini. Dann legt er ihm die Hand auf die Schulter und sagt: „Lieber Innenminister, lieber Matteo, du stellst deine persönlichen Interessen und die deiner Partei über die des Landes.“ Es sei unverantwortlich, Italien in eine Regierungskrise zu stürzen, denn nun drohe dem Land eine Spirale aus politischer Unsicherheit und finanzieller Instabilität.

Das saß. Vor laufenden Fernsehkameras blickte Lega-Chef Salvini konsterniert zu Boden, während die Italiener vor ihren Fernsehern staunten. Nein, kritische Worte wie diese sind im Senat nicht oft zu hören. Niemand hatte wirklich damit gerechnet, dass der sonst so zurückhaltende Premier derart offen mit Salvini abrechnen würde.

Dieses Schauspiel ging vor zwei Wochen über die Bühne. Nach dieser denkwürdigen Sitzung eilte Conte zu Staatspräsident Sergio Mattarella und gab seinen Rücktritt bekannt. Die Regierung der Populisten war nach nur 14 Monaten gescheitert.

Danach ging es für italienische Verhältnisse schnell: Die Bewegung Fünf Sterne widerstand dem Werben der Lega um eine Fortsetzung der Koalition und verhandelte mit dem Partito Democratico über eine neue Regierung. Der 55-jährige Conte bekam das Mandat, eine parlamentarische Mehrheit zu finden. Die neue Regierung wurde schon am Donnerstag eingeschworen – mit dabei der europafreundliche Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Gualtieri und Luciana Lamorgese, eine erfahrene Beamtin, die Salvini im Innenministerium ablöst.

Auch für den Regierungschef ändert sich einiges. Er besitzt nun mehr Macht als bisher, denn die Position der beiden Vizepremiers gibt es nicht mehr. Für seinen Machtzuwachs spricht auch, dass „Conte 2“ entscheidend an der Auswahl der Minister beteiligt war.

Zu Beginn des vergangenen Jahres sah der Alltag des Giuseppe Conte noch anders aus. Da war der Jurist aus Apulien der breiten Öffentlichkeit unbekannt, da lehrte er an der Universität Florenz Privatrecht und arbeitete als Partner in einer römischen Anwaltskanzlei. Mit Politik hatte er nichts zu tun.

Der Stil gefällt den Italienern

„Mr. Nobody“ wurde er von den Kommentatoren genannt und als „zufälliger Premier“ verspottet, als er im Juni 2018 Ministerpräsident wurde. Der parteilose, aber den Fünf Sternen nahestehende geschiedene Vater eines Sohnes war nur deshalb ins Amt gekommen, weil die beiden Parteichefs Salvini (Lega Nord) und Luigi Di Maio (Fünf Sterne) beide ins höchste Regierungsamt strebten, sich aber nicht einigen konnten.

Schon bald fiel ihm die undankbare Rolle zu, zwischen beiden Koalitionären zu vermitteln. Er agierte als „Anwalt des Volkes“, achtete darauf, dass der Koalitionsvertrag eingehalten wurde, während vor allem Salvini immer mehr Alleingänge unternahm. Es hagelte Kritik. Conte treffe keine Entscheidungen, wurde ihm vorgeworfen, habe keine eigene Handschrift, sei nur Erfüllungsgehilfe der beiden Alphamänner.

Doch den Italienern gefiel der Stil des stets perfekt gekleideten und frisierten Advokaten, dessen Markenzeichen das sorgsam gefaltete weiße Einstecktuch ist. Je lauter und polemischer Salvini auf der Piazza oder am Strand gegen Europa und die Flüchtlinge wütete, je mehr private Fotos er von sich in den sozialen Netzen preisgab, umso höher stiegen die Popularitätswerte Contes. Seit Monaten schon ist er der beliebteste Politiker Italiens.

Mit seiner Brandrede im Senat ist Conte endgültig als Politiker und Staatsmann angekommen. Künftig wird er an den Aktionen seiner Regierung gemessen, und die Erwartungen der Wirtschaft sind hoch. „Die Regierung wechselt, unsere Agenda bleibt“, sagt Vincenzo Boccia, Chef des Industrieverbands Confindustria. „Seit 2016 verlangen wir mehr Wachstum, ein geringeres Defizit und eine niedrigere Staatsverschuldung als Basis einer Wirtschaftspolitik, die das Land wieder in Schwung bringt.“

Mehr: Die neue Regierung in Italien steht vor vielen alten Problemen.

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