Italien im Wahlkampf Berlusconi keilt gegen Monti und Merkel

Italiens Ex-Premier Berlusconi kritisiert die Wirtschaftspolitik seines Nachfolgers. Mario Monti sei „zu deutschlandzentriert". Das habe aber nichts geholfen, Italiens Wirtschaft sei seit seinem Abgang auf Talfahrt.
Update: 11.12.2012 - 15:54 Uhr 26 Kommentare
Berlusconi warf Mario Monti eine zu große Nähe zu Deutschland vor. Quelle: dpa

Berlusconi warf Mario Monti eine zu große Nähe zu Deutschland vor.

(Foto: dpa)

Der ehemalige Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi schlägt um sich. Seinem Nachfolger Mario Monti wirft  er vor, sich den Vorgaben aus dem Kanzleramt Berlin gebeugt zu haben. „Seine Politik ist zu deutschlandbezogen gewesen“, kritisierte der 76-Jährige am Dienstag in einem seiner Fernsehsender. Dies habe Italiens Rezession nur weiter verschärft. Er (Berlusconi) habe sich dagegen in seiner Amtszeit den Forderungen aus Deutschland widersetzt.

Außerdem erklärte er, dass ihm die negativen Marktreaktionen auf sein Comeback egal seien: „Was interessiert uns der Spread?“ sagte er zu den Risikoaufschlägen, die Investoren für italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen hinlegen müssen.

Dieser Wert, der Spread ist diese Woche wieder über 350 Punkte gestiegen, nachdem er erst vor einer Woche zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder unter die wichtige 300-Punkte-Marke gerutscht war. Der Spread sei „ein Betrug, eine Erfindung“, wetterte Berlusconi.

Der im November 2011 abgetretene Regierungschef erklärte, das Staatsdefizit von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei "gar nicht so hoch" wie immer dargestellt.

Monti hatte am Samstag Abend seinen Rücktritt angekündigt als Reaktion auf das Comeback von Berlusconi als Premier-Kandidat im Wahlkampf und auf dessen Entscheidung, Monti nach dem Haushalt nicht mehr im Parlament zu unterstützen. Monti will nur noch vor Weihnachten das Stabilitäts- und Haushaltsgesetz verabschieden lassen und dann den Weg für Neuwahlen im Februar freimachen.

Der Wirtschaftsprofessor der Bocconi-Universität und Gründer der Ökonomen-Plattform lavoce.info, Tito Boeri, nannte die Äußerungen von Berlusconi „verantwortungslos“.

Auch Monti verschärfte am Dienstag den Ton. Im Gespräch mit dem öffentlich-rechtlichen Sender Rai warnte er vor Populismus im Vorfeld der Wahlen. Es gebe nun die Tendenz, „die Dinge zu sehr zu vereinfachen" und „Wunderlösungen" zu präsentieren. Er selbst hielt sich eine Kandidatur offen.

Seine Reformpolitik verteidigte Monti energisch. Vor 13 Monaten habe Italien in einer äußerst schwierigen Lage gesteckt und seitdem habe das Land „enorme Fortschritte" gemacht; wenn auch zu dem Preis, dass kurzfristig kein Wachstum möglich sei. „Ich würde mich freuen, wenn mir jemand erklären könnte, wie es finanziell möglich gewesen wäre, Italien ein Schicksal wie Griechenland zu ersparen und gleichzeitig rasches Wachstum zu schaffen", sagte Monti.

Mit Material von afp

 
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26 Kommentare zu "Italien im Wahlkampf: Berlusconi keilt aus gegen Monti und Merkel"

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  • "Italiens Wirtschaft sei seit seinem Abgang auf Talfahrt"

    Davor gings nämlich mächtig bergauf...Selten so gelacht.
    :-)

  • Ich finde das super, dass Berlusconi wieder antritt. Bunga Bunga gegen Bilderberger/Goldman Sachs. Das schlägt sich die sogenannte Elite gegenseitig die Köpfe ein. Weiter so! Hoffentlich bleibt keiner übrig! Dann hätte man die Chance für einen wirklich neuen Anfang.

  • @

    Zitat : 4 ) eine erfolgrieche Politik im Amt bestätigen um die uns alle Länder beneiden

    Solange D durch versklaven des eigenen Volkes genügend € an das Ausland ( Südeuropa, Osteuropa ) transferiert, beneidet uns eben dieses Ausland ( lach.....) und lacht sich im Stillen ins Fäustchen ! Und wenn eine Regierung sowas gegen sein Volk betreibt auch noch attestiert bekommt, sie sei die erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung, muss man doch konstatieren, dass hier eine Menge Schwätzer unter Realitätsverlusten leiden ! Diese verlogene, bis ins Mark korrupte Gesindel gehört so schnell wie möglich aus den Ämtern entfernt und das wird mit Sicherheit 2013 auch geschehen.

  • Warum wird Berlusconi in deutschen Medien so gehasst? Sachlicher Haß ist es allermal nicht. Denn er ist mit seinen Taten nicht schlechter als die ganze unsegliche Schar sozialistischer und leider auch anderer Politiker vor ihm. Bei weitem ist er nicht so sehr mit Mafia verflochten und auch die Verschuldung Italiens wuchs nicht so rasant an, wie bei seinen Vorgängern. Die 120% waren es schon zur Zeiten des €-beitritts Italiens. Der Lebensstandard wuchs stetig. Natürlich machte er auch Fehler, aber wer macht sie nicht, da müssen wir erst gar nicht ins Ausland gehen. Ich glaube nicht, dass Monika Lewinski oder Strauß-Kahnsche Gier in New York die Medien so begeistert hatten, wie Bunga-bunga Escapaden. Der unbegründete Haß macht den Leser neugierig. Sagt er vielleicht die Wahrheit?

  • Fährt seinen Club Med an die Wand ... u. hat große Fresse, der Pinocchio.

  • " Ohne nennenswerte Bildung? " Sign. Berlusconi ist Rechtsanwalt (Uni Mailand) und spielt auch wohl ganz gut Klavier (wie z.B. ehemals auch Helmut Schmidt). B. ist halt ein italienischer Politiker, der alle Register zieht, um wiedergewählt zu werden. Anstand und Wahrheit bleiben da (wie bei unseren Politikern auch) halt auf der Strecke...

  • Es ist nur zu verständlich, dass die Italiener den Deutschen nicht trauen. Mit Totsparen ist es nicht getan. Auch werden die Italiener niemals ihre Identität der EU in den Rüssel werfen, im Gegensatz zu den deutschen Altparteien. Wann kommt endlich das Ende dieses Unsinns? Warum werden weiter in das Griechenlandfass ohne Boden Milliarden versenkt? Warum haftet Deutschland für so ein Fremdversagen? Es ist unglaublich und zum Abwenden. Kann man außer den Linken keine Partei mehr wählen, die endlich den Wahnsinn stoppt?

  • Ein kleines Bonmot am Rande. Der Ursprung des Hauses Windsor geht auf das Haus Sachsen, Coburg und Gotha zurück, ist also deutsch.
    Wer möchte kann gerne weiteres hier
    http://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Windsor achlesen
    oder sonstwo googlen.

  • @Buerge-r
    "deutschlandbezogen" ist eine politisch-korrekte Übersetzung, die wohl schlimme Reaktionen in D verhindern soll...
    Richtig muss es heißen: "germanophil", was bedeutet "deutschfreundlich" und eben nicht einfach nur "..bezogen". Deutschfreundlich ist sozusagen eine Steigerung von deutschbezogen. ;)

  • Bunga Bunga Berli!
    Wenn die Aussage richtig ist "Ein Volk hat immer die Regierung, die es verdient", dann hatten die Italiener in der Zeit von Berliscona wohl nichts gutes verdient, sondern konnten den Sumpf mafiöser Strukturen genießen.
    In Amt und Würde sollten Regierungsmitglieder stehen, bei Berlisconi fehlte die Würde und wurde durch Schlechtigkeit ersetzt. Wenn die Italiener eine Person, die mit dem Vervielfälltigungsgerät in der Hand regiert noch einmal wählt, dann wird mit Angst um dieses Volk.
    Das Imperi Roma ist Geschichte, die Größe vergangen. Mittlerweile kann Italien nicht mal mehr seine Abfälle selbst entsorgen oder recyclen nicht einmal mehr solchen wie Bunga Bunga Berli..

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