Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Italien In der Corona-Krise wird die Kritik an Regierungschef Conte lauter

In Italien wird die Kritik am Krisenmanagement der Regierung lauter. Salvini nutzt die Gelegenheit und fordert eine Notstands-Regierung und schnelle Neuwahlen.
28.02.2020 - 16:06 Uhr Kommentieren
Die Opposition wirft dem Premier vor, Panik geschürt zu haben. Quelle: AP
Giuseppe Conte

Die Opposition wirft dem Premier vor, Panik geschürt zu haben.

(Foto: AP)

Rom Gute Noten hat Italien für seinen Umgang mit dem Ausbruch der Corona-Krise bekommen. Jeden neu Angesteckten zu identifizieren, zu isolieren und die Kontakte ausfindig zu machen, sei der richtige Ansatz, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn diese Woche beim Treffen mit europäischen Kollegen in Rom.

Auch EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides lobte die Regierung. „Es ist ein neues Virus und wir müssen von Italien lernen, wie Corona übertragen wird und ob es nur bereits geschwächte Personen trifft“, sagte sie ebenfalls in Rom. Warum es so viele Ansteckungen in Italien gebe, wisse sie nicht, das könne mit der Zahl der Tests zusammenhängen, „aber es hätte überall passieren können“.

Und Hans Kluge, Regionaldirektor Europa der Weltgesundheitsorganisation, erklärte in Rom: „Man darf der Panik nicht nachgeben. Die italienischen Behörden haben Maßnahmen unternommen, die auf einer Linie mit der globalen Strategie liegen. Die Maßnahmen sind drastisch, aber richtig.“

Doch statt das als Ansporn zu nehmen, ist Italien mit sich selbst beschäftigt. Mitten in der Notsituation, die das Land eigentlich zusammenschweißen sollte, ist heftiger innenpolitischer Streit ausgebrochen. Zwar hat auch die Opposition im Parlament für das erste Hilfspaket für die Menschen in den unter Quarantäne stehenden Menschen gestimmt. Doch die Kritik an Premier Giuseppe Conte wird von Tag zu Tag lauter.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Er habe es übertrieben mit seinen Fernsehauftritten, 16 Stück in drei Tagen, heißt es bei der Opposition, und er habe Angst und Panik bei den Menschen geschürt. Wortführer der Kritiker ist wie immer Matteo Salvini.

    „Conte kann es nicht, er kann die Notsituation nicht managen“, erklärte der Legaführer in Rom. Wenn es darum gehe, dem Land zu helfen und es einen sicheren Termin für Neuwahlen gebe, „dann sind wir dabei“, sagte er.

    Salvini fordert Notstandsregierung

    Aber auch Matteo Renzi äußert Kritik. Der Ex-Premier, der mit seiner Partei „Italia Viva“ in der Regierungskoalition ist, blieb zwar gemäßigter im Ton, nutzte aber die Gelegenheit und forderte an die Adresse Contes gerichtet: „Die Priorität ist es, dass sofort die Wirtschaft angekurbelt werden muss. Eine Aspirin wird nicht reichen, notwendig sind äußerst starke Maßnahmen, denn die Fehler in der Kommunikation haben nicht nur in Italien, sondern auch im Ausland zu einem enormen Schaden geführt.“

    Salvini hat anderes im Sinn. Er fordert eine Regierung des nationalen Notstands, um der Corona-Krise Herr zu werden, und dann gleich Wahlen. „Es muss eine andere Regierung geben“, sagt auch sein Vize Giancarlo Giorgetti. Der Grund ist klar: Die Lega ist in allen Umfragen die stärkste Partei mit rund 30 Prozent und will unbedingt, dass neu gewählt wird.

    Dazu kommt, dass die von Covid-19 am meisten betroffenen Regionen wie die Lombardei und Venetien von der Lega regiert werden. Auch an den lokalen Politikern hat es Kritik gegeben, vor allem in den unter Quarantäne stehenden elf Gemeinden. Sie hätten die Anweisungen des Gesundheitsministeriums aus Rom nicht richtig umgesetzt. Es ist also im Interesse Salvinis, die eigenen Anhänger aus der Schusslinie zu nehmen.

    Die Antwort der Regierung kam schnell. „Gleich Null“ stünden die Chancen für eine Notstands-Regierung, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Gualtieri, dessen Name als Nachfolger Contes ins Spiel gebracht worden war. „Das alles sind Diskussionen ohne jeden Sinn“, sagte er, „in einem seriösen Land wird die Regierung nicht ausgetauscht, wenn es eine Notsituation gibt. Wenn überhaupt, dann verhält sich die Opposition verantwortungsbewusster.“

    Arbeit an einem großen Hilfspaket

    Der Premier hat nun seine Strategie geändert, ist weniger oft bei Talkshows und ruft dazu auf, nicht zu dramatisieren. Die Maßnahmen seien zeitlich beschränkt und würden flexibel gehandhabt, erklärte er. Am Sonntag soll entschieden werden, ob die Schulen wieder öffnen und Fußballspiele wieder vor Publikum stattfinden.

    Die Regierung arbeitet an einem großen Hilfspaket für die Wirtschaft, denn der Industrieverband und die Gewerkschaften zusammen fordern Unterstützung für das ganze Land, nicht nur die betroffenen Regionen –  keine leichte Aufgabe für Wirtschafts- und Finanzminister Roberto Gualtieri angesichts leerer Kasse und einer drohenden Rezession.

    Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in unserem Newsblog.

    Startseite
    Mehr zu: Italien - In der Corona-Krise wird die Kritik an Regierungschef Conte lauter
    0 Kommentare zu "Italien: In der Corona-Krise wird die Kritik an Regierungschef Conte lauter"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%