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Italien Salvini droht Koalitionspartner Fünf Sterne mit Neuwahlen

Italiens Vize-Premier provoziert weiter den Regierungspartner. Salvini fordert Zugeständnisse für die kaum umsetzbaren Forderungen seiner Partei.
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Italien: Salvini droht Koalitionspartner 5 Sterne mit Neuwahlen Quelle: AP
Matteo Salvini

Der einflussreiche Rechtspopulist hat eine ganze Liste mit Forderungen an den Koalitionspartner.

(Foto: AP)

Rom Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini setzt seinen Koalitionspartner Fünf-Sterne-Bewegung weiter unter Druck und spricht von Neuwahlen. Es sei noch immer genügend Zeit, das Parlament aufzulösen und nach der Sommerpause neu wählen zu lassen, sagte er der Zeitung „Il Corriere della Sera“ vom Donnerstag. Es hänge von den Fünf Sternen ab, ob die Regierung Bestand habe, fügte der Chef der rechten Lega hinzu. Die gemeinsame Regierungsarbeit werde nur fortgesetzt, wenn die Fünf Sterne mit der Lega bei den Themen Autonomie für die Regionen, Haushalt und Justizreform übereinstimmten. Luigi Di Maio, Chef der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und wie Salvini Vize-Regierungschef, bekräftigte, er halte am Regierungsbündnis fest.

Die Koalition werde nicht auseinanderbrechen, sagte Di Maio dem „Corriere della Sera“, denn sie sei „die einzig mögliche“. Ein - rechnerisch ebenfalls ausreichendes - Bündnis mit dem sozialdemokratischen Partito Democratico werde seine Partei nie eingehen.

Allerdings zeigt sich die Koalition der Populisten seit längerem als nicht sonderlich stabil. Zuletzt waren die Partner uneins bei der Wahl Ursula von der Leyens zur EU-Kommissionspräsidentin. Di Maio, der Arbeitsminister ist, sagte, seine Parteifreunde im Europäischen Parlament hätten für die Deutsche gestimmt, weil sie sich für einen Mindestlohn in der EU ausgesprochen habe. Die Lega aber habe entschieden, die CDU-Politikerin abzulehnen, weil sie von ihr keine Garantie auf einen Posten eines EU-Kommissars für Italien bekommen habe. Damit riskiere die Lega, dass Italien in der EU isoliert werde.

Salvinis Nadelstiche gegen den Koalitionspartner sind nicht neu. Der Lega-Chef hat mehrfach mit einer raschen Neuwahl gedroht. Er will den Schwung seiner Partei aus guten Umfrage- und Wahlergebnissen nutzen. Bei der Parlamentswahl im März 2018 wurden die Fünf Sterne mit Abstand stärkste Einzelpartei und erzielten knapp 33 Prozent, die Lega kam auf 17 Prozent. Bei der Europa-Wahl Ende Mai aber holten die Fünf Sterne nur noch 17 Prozent, etwa halb so viel wie die Lega. Das Kräfteverhältnis der beiden Partner kehrte sich also um. Seither tritt Salvini, der zugleich Innenminister ist und mit seiner harten Politik gegen die Aufnahme von Flüchtlingen punktet, gegenüber dem Koalitionspartner immer offensiver auf.

Allerdings muss Italien auch bis Mitte Oktober der - dann noch alten - EU-Kommission seinen Entwurf für den Haushalt 2020 vorlegen. Hier droht neues Ungemach. Die Kommission, die gerade auf Sanktionen gegen Italien wegen seines Defizits verzichtet hat, will Zusagen, dass das Budget nicht gegen die EU-Fiskalregeln verstößt. Beide populistische Parteien haben ihren Wählern aber Steuersenkungen und höhere Sozialausgaben versprochen, um die seit Jahren schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. Die Verschuldung Italiens ist die zweithöchste in der Euro-Zone, und das alarmiert auch die Investoren an den Finanzmärkten.

Mehr: Ein Defizitverfahren konnte Italien zunächst abwenden. Der ehemalige Premier Letta warnt jedoch vor voreiliger Euphorie – und der neuen EU-Kommission.

  • rtr
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