Italien vor dem Referendum „Ja oder niemals“

Am Sonntag stimmen die Italiener ab, ob sie ein moderneres und berechenbareres Land haben wollen. Fällt die Verfassungsreform bei der Volksabstimmung durch, droht Premier Matteo Renzi das politische Aus.
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Italiens Referendum „ist eine große Gefahr für Europa, Europa bricht auseinander“

RomSonntagabend um 23 Uhr schließen die Wahllokale. Dann wird es eine lange Nacht der Auszählung geben, auch wenn eine einfache Mehrheit reicht bei diesem Referendum. Stimmen die Italiener dem Kurs von Premier Matteo Renzi zu, der die Verfassung ändern will, um das Land besser regierbar zu machen und die Kosten der Politik zu senken, kann er sein Reformprogramm weiterführen. Im Februar ist der 41-jährige frühere Bürgermeister von Florenz drei Jahre im Amt.

Und in seiner Heimatstadt, auf der Piazza della Signoria im Herzen der Medici-Stadt, endet auch seine Kampagne für das „Ja“ zur Verfassungsänderung. Ein Marathon durchs ganze Land: Am Donnerstagabend war er in Neapel und am Freitag erst in Palermo, dann in Reggio Calabria und schließlich in Florenz – ein Turbo-Abschluss nach monatelangem Wahlkampf für die Verfassungsänderung, zu dem auch zahllose Auftritte in Talkshows und mindestens einmal pro Woche der Livechat „Matteo antwortet“ direkt aus dem Regierungssitz gehörten. Am Samstag ist dann kein Wahlkampf mehr.

Mit italienischen Luxusaktien überwintern

BPER BANCA S.P.A. AZIONI NOM. EO 3

WKN
ISIN
IT0000066123
Börse
L&S

-0,19 -4,16%
+4,30€
Chart von BPER BANCA S.P.A. AZIONI NOM. EO 3
Banca Popolare dell'Emilia Romagna
1 von 12

Flop-Wert

Der Index Dow Jones Titans 30 mit den wichtigsten italienischen Aktien liegt seit Jahresbeginn ein Viertel im Minus. Das liegt vor allem am hohen Anteil von bedeutenden Finanztiteln in Italien.
Mit einem Kursabschlag von über 40 Prozent kommt die Banca Popolare dell'Emilia Romagna noch glimpflich davon im Vergleich zur Konkurrenz.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 42,67 Prozent

Saipem

WKN
ISIN
Börse

Chart von Saipem
Saipem
2 von 12

Flop-Wert

Eine große Kapitalerhöhung hat den Kurs der auf die Erschließung von Offshore-Gas- und Ölfeldern der Eni-Tochter Saipem herabgesetzt. Der Konzern hat in diesem Jahr auch ein Sparprogramm mit Stellenabbau beschlossen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 54 Prozent

Unicredit

WKN
ISIN
Börse

Chart von Unicredit
Unicredit
3 von 12

Flop-Wert

Die Muttergesellschaft der deutschen Hypo-Vereinsbank, Unicredit, gehört zu den hart getroffenen Bankaktien. Der Konzern will noch im Dezember eine neue Strategie verkünden.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 59,7 Prozent

UNIO.DI BANCHE ITALIANE S.P.A. AZIONI NOM. EO 2,50

WKN
ISIN
IT0003487029
Börse
L&S

+0,09 +2,73%
+3,74€
Chart von UNIO.DI BANCHE ITALIANE S.P.A. AZIONI NOM. EO 2,50
Ubi Banca
4 von 12

Flop-Wert

Viele italienische Banken – wie auch Ubi Banca – leiden unter hohen Beständen an Problemkrediten, deren Zinsen nicht regelmäßig von den Kunden bedient werden.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 65,6 Prozent

Banca Popolare Di Milano

WKN
ISIN
IT0000064482
Börse
n. a.

Chart von Banca Popolare Di Milano
Banca Popolare di Milano
5 von 12

Flop-Wert

Die Aktie der Banca Popolare di Milano ist schon seit langem ein Penny-Stock, der also weniger als ein Euro wert ist. Doch auch dann kann man noch deutlich an Wert verlieren.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 65,7 Prozent

Banco Popolare Societa Cooperativa

WKN
ISIN
Börse

Chart von Banco Popolare Societa Cooperativa
Banco Popolare Societa Cooperativa
6 von 12

Flop-Wert

Die Banco Popolare Societa Cooperativa hat es in diesem Jahr sehr hart getroffen, nur ein wichtiger Titel steckt noch weiter in den Minuszahlen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 78,9 Prozent

Banca Monte dei Paschi di Siena

WKN
ISIN
Börse

Chart von Banca Monte dei Paschi di Siena
Banca Monte dei Paschi di Siena
7 von 12

Flop-Wert

Den stärksten Kursrückgang hat die Banca Monte dei Paschi di Siena zu verzeichnen. Sie ist dabei, über eine Kapitalerhöhung Milliarden einzusammeln, um eine staatliche Rettung zu vermeiden. Doch ob das Kunststück gelingt, dürfte auch mit dem Ausgang des Verfassungsreferendums am 4. Dezember zusammenhängen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 83,5 Prozent

„Mit dem ‚Ja‘ gibt es Veränderungen und es werden Politikerposten eingespart – mit dem ,Nein‘ wird alles für Jahrzehnte blockiert“, sagt Renzi auf den Bühnen und Plätzen, „die Alternative ist Ja oder niemals“. In seinem letzten Interview vor der Wahl sagte er im „Corriere della Sera“: „Wir entscheiden über die nächsten 20 Jahre.“

Nur einen Punkt umschiffte er wortreich wie immer: was mit ihm und seiner Regierung passiert, wenn die Italiener dagegen stimmen. Das klingt dann so: „Ich mache mir keine Sorgen um mich, aber um meine Kinder. Ich möchte, dass sie in einer Welt aufwachsen, die die Politik nicht hasst.“ Will er denn nun zurücktreten am Montag? „Ich kann Stabilität garantieren“, antwortet er auf die Frage, „aber ich werde niemals der Garant des Stillstands sein. Wenn wir mit dem Kurs der Veränderung weitermachen, bin ich dabei“. Damit hat er wieder nicht klar gesagt, wie seine politische Zukunft aussieht.

Je länger die Kampagne um die Verfassungsänderung dauerte – beide Parlamentskammern hatten schon im April definitiv die Reform abgesegnet – umso mehr gerieten die Inhalte in den Hintergrund. Der wichtigste Punkt der Verfassungsreform ist die Überwindung des perfekten Zweikammersystems, das bis jetzt die Gesetzgebung und Entscheidungsprozesse behindert hat. Außerdem sollen die Politikkosten gesenkt werden. Gewinnt das „Ja“, wird der Senat künftig nur noch 100 statt 315 Abgeordnete haben und in der Arbeitsweise und Zusammensetzung dem Bundesrat ähneln.

Zuletzt ging es nur noch um Politik pro und contra die Regierung. Und das mit immer schrilleren und geschmackloseren Töne, vor allem in den TV-Talkshows, in denen nur noch geschrien wurde. Dafür ist Renzis größter Gegner verantwortlich: Beppe Grillo, der ehemalige Komiker und Chef der Protestbewegung „Movimento 5 Stelle“ (M5S). Das Duell Renzi – Grillo wurde immer heftiger, je näher das Wahldatum rückt.

Grillo nennt Renzi eine „verwundete Wildsau“
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