Italiens Ex-Ministerpräsident: Berlusconi gestorben – Putin trauert: „Ein lieber Mensch, ein echter Freund“
„Für mich war Silvio ein teurer Mensch, ein echter Freund“, schrieb Russlands Präsident zum Tod des früheren italienischen Ministerpräsidenten.
Foto: APRom. Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist tot. Er starb am Montag im Alter von 86 Jahren in einem Mailänder Krankenhaus. Der Milliardär hatte in den vergangenen Jahrzehnten die Politik in Italien wie kein zweiter bestimmt, zugleich aber auch extrem polarisiert.
Berlusconi wurde am 29. September 1936 geboren, war zunächst Geschäftsmann und stand seit 1994 insgesamt vier Regierungen in Italien als Ministerpräsident vor. Er bestimmte die Geschicke des Landes mehr als zwei Jahrzehnte mit und war zeitlebens umstritten, wurde aber von vielen auch bewundert.
Vor allem eher autoritäre und rechtskonservative Staats- und Regierungschefs äußerten am Montag persönlich ihr Bedauern über Berlusconis Tod. „Für mich war Silvio ein teurer Mensch, ein echter Freund“, schrieb etwa Kremlchef Wladimir Putin in einem Kondolenztelegramm. Er lobte den einstigen italienischen Ministerpräsidenten, mit dem er auch nach dem Angriff auf die Ukraine Kontakt hielt, für Weitsicht, ausgewogene Entscheidungen, Humor und Lebensfreude, wie er schrieb. Berlusconis Tod sei ein „unersetzbarer Verlust und ein tiefes Unglück“.
„Der große Kämpfer ist gegangen!“, schrieb Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban auf seiner Facebook-Seite. Der Rechtspopulist zählte zu den frühen Bewunderern Berlusconis, mit dem er persönlich befreundet war. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er sei „zutiefst betrübt“ und sprach Berlusconis Familie und dem italienischen Volk sein Beileid aus. „Silvio war ein großer Freund Israels und stand uns immer bei. Ruhe in Frieden, mein Freund.“
Andere Kondolenzen fielen nüchterner aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen twitterte, dass Berlusconi „Italien in einer Zeit des politischen Übergangs geführt und seitdem weitergemacht habe, sein geliebtes Land zu formen“.
Auch aus Berlin kam bereits eine Reaktion auf die Nachricht aus Italien. „Wir haben heute vom Tod des früheren italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi erfahren. Wir sprechen dem italienischen Volk und der italienischen Regierung unsere Anteilnahme aus“, sagt der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Wolfgang Büchner.
Vier Regierungen in Italien stand er als Ministerpräsident vor.
Foto: ReutersBerlusconis Tod hinterlässt nach den Worten des italienischen Verteidigungsministers Guido Crosetto eine große Lücke. „Ich habe ihn sehr geliebt. Lebe wohl Silvio“, schrieb Crosetto auf Twitter. „Er war ein Mann, der nie Angst hatte, seine Überzeugung zu verteidigen. Dieser Mut und diese Entschlossenheit haben ihn zu einem der einflussreichsten Männer der italienischen Geschichte gemacht“, sagte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Der ehemalige Regierungschef sei „vor allem ein Kämpfer“ gewesen.
Meloni bildet gemeinsam mit Berlusconis konservativer Partei Forza Italia und der populistischen Lega von Matteo Salvini eine Rechts-Rechts-Mitte-Koalition in Rom. „Heute verabschieden wir einen großen Italiener. Einen der größten aller Zeiten, in allen Bereichen, aus allen Blickwinkeln, unvergleichlich“, twitterte Salvini.
Ex-Regierungschef Mario Draghi sagte, Berlusconi habe die Politik verändert. Er sei von Millionen Italienern geliebt worden „für seine Menschlichkeit und sein Charisma“.
Berlusconis Forza Italia schaffte es nochmal in die Regierung.
Foto: APFür den früheren Regierungschef Mario Monti war Berlusconi der „Vater aller Populisten“, er selbst nannte sich einmal „Jesus Christus der Politik“. Immer wieder gab es Vorwürfe von Interessenkonflikten zwischen seinem Amt und dem von ihm kontrollierten Medienimperium Mediaset. Auch musste er sich zahlreichen Gerichtsprozessen stellen.
Im Zusammenhang mit einer Strafe wegen Steuerhinterziehung wurde er 2013 aus dem Parlament ausgeschlossen und durfte in den folgenden Jahren keine öffentlichen Ämter ausüben. Er klagte dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Zuletzt war er Abgeordneter im Senat, der kleineren der zwei Parlamentskammern in Rom.
Freispruch im „Bunga-Bunga“-Prozess
Im März 2015 wurde er im „Bunga-Bunga“-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch in letzter Instanz freigesprochen. Auch ein Folgeverfahren wegen Zeugenbestechung endete mit einem Freispruch. Seiner Beliebtheit bei vielen Italienern taten die Konflikte mit dem Gesetz aber keinen Abbruch.
Im Zuge der Finanzkrise hatte er 2011 endgültig als Ministerpräsident abtreten müssen. Immer wieder versuchte er das politische Comeback für ein Spitzenamt. Doch die rauschende Rückkehr auf die ganz große Bühne gelang dem „Cavaliere“ nicht. Auch sein letzter Traum, Staatspräsident zu werden, platzte Anfang 2022.
Gesundheitlich hatte Berlusconi in seinen letzten Jahren immer wieder große Probleme: 2016 wurde er am Herz operiert, 2020 musste er wegen einer Corona-Infektion und einer Lungenentzündung ins Krankenhaus. Auch 2022 wurde er wegen einer Harnwegsinfektion stationär behandelt.
Immer wieder gab es Vorwürfe von Interessenkonflikten zwischen seinem Amt und dem von ihm kontrollierten Medienimperium Mediaset.
Foto: AFPBereits 1997 wurde er wegen eines Tumors an der Prostata operiert. Schon seit mehreren Jahren hatte er zudem einen Herzschrittmacher. Zuletzt wurde bekannt, dass er an chronischer Leukämie leidet.
Seine Forza Italia, die er bei den Parlamentswahlen 1994 aus dem Stand zur größten Partei gemacht hatte, schrumpfte im Stiefelstaat immer weiter zusammen. Das lag auch daran, dass Berlusconi kaum politische Erben zuließ und Forza Italia immer mit seinem Namen verbunden war. Immerhin schaffte sie es als kleiner Partner von Giorgia Meloni im Herbst 2022 noch mal in die Regierung.
Auch privat sorgte Berlusconi stets für Schlagzeilen. Der zweimal geschiedene Politiker hinterlässt fünf Kinder und viele Enkel. Zuletzt war er mit der Forza-Italia-Abgeordneten Marta Fascina zusammen, die mehr als 50 Jahre jünger war als Berlusconi.