IW-Forscher Frankreich hängt Deutschland zehn Jahre hinterher

Die EU-Kommission will Frankreich und Spanien mehr Zeit zum Sparen gewähren. Das ist auch notwendig. Insbesondere Frankreich gilt als Sorgenkind. Aus Expertensicht muss das Land rasch Reformen anschieben.
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Die Nationalflagge von Frankreich. Quelle: dpa

Die Nationalflagge von Frankreich.

(Foto: dpa)

BerlinNach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wird Frankreich noch viele Jahre benötigen, um überfällige Reformen zum Erfolg zu führen. „Frankreichs Wirtschaft lahmt, nicht nur wegen der Konjunkturschwäche, sondern auch weil das Land jahrelang von der Substanz gelebt hat“, sagte der Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung am IW, Jürgen Matthes, Handelsblatt Online. Überfällige Reformen seien lange verschleppt, nur zaghaft angegangen und unter der Regierung von Francois Hollande anfänglich sogar aufgeweicht worden. „Jetzt steht Frankreich da, wo Deutschland vor zehn Jahren stand: in der Stagnation und vor einem – hoffentlich – neuen Reformkurs.“

Wie in Deutschland damals sei auch jenseits des Rheins eine linksgerichtete Regierung an der Macht, sagte Matthes weiter. „Wahrscheinlich kann nur sie gegen den absehbaren Widerstand der Gewerkschaften die nötigen Korrekturen umsetzen.“ Einige erste Anzeichen gebe es, etwa bei der Arbeitsmarkt- oder der angekündigten Rentenreform, aber auch bei den jüngst avisierten Erleichterungen für junge Wachstumsunternehmen. „Doch ist noch sehr viel mehr nötig“, betonte der IW-Experte. „Ob die Sozialisten sich in der Verantwortung für ihr Land so verbiegen wie damals die SPD, wird sich zeigen. Es wäre unsern Nachbarn zu wünschen.“ 

Dass die Lage Frankreichs kritisch ist, zeigen auch negative Einschätzungen der EU-Kommission, auch wenn die französische Regierung auf die Senkung der Wachstumsprognose für Frankreich betont gelassen reagiert. Der Unterschied zwischen der eigenen Prognose für 2013 von plus 0,1 Prozent und der EU-Schätzung von minus 0,1 Prozent sei "angesichts der Unsicherheiten (rund um die Vorhersagen) nicht bedeutsam", erklärte das Wirtschaftsministerium am Freitag in Paris. Die EU-Kommission habe Frankreichs Sparanstrengungen für den Zeitraum 2010 bis 2013 anerkannt und Paris nicht empfohlen, zusätzliche Sparanstrengungen zu unternehmen, betonte das Ministerium.

Die EU-Kommission geht in ihrer am Freitag vorgestellten Konjunkturprognose davon aus, dass die französische Wirtschaft dieses Jahr leicht schrumpfen wird. Bisher waren die EU-Experten von einem minimalen Wachstum ausgegangen, dieser Prognose hatte sich auch die französische Regierung angeschlossen. Das Haushaltsdefizit dürfte laut EU-Kommission mit 3,9 Prozent wieder deutlich über der EU-Obergrenze von drei Prozent liegen. Für 2014 sagt die EU-Kommission sogar ein Defizit von 4,2 Prozent voraus.

Die französische Regierung peilt für 2014 eigentlich ein Defizit von 2,9 Prozent an. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte aber am Freitag in Brüssel, die Pläne der französischen Regierung seien "viel zu optimistisch". Um unter die drei Prozent zu kommen, wären "viel bedeutendere" Anstrengungen notwendig. Angesichts der "wirtschaftlichen Lage" des Landes sei es aber "sinnvoll", Frankreich bei der Erreichung des Defizitziels zwei Jahre Aufschub zu gewähren.

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49 Kommentare zu "IW-Forscher: Frankreich hängt Deutschland zehn Jahre hinterher"

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  • Das grösste Problem in Frankreich:
    die Gewerkschaften im Land der Demonstrationen.

    U.a. deshalb sind die Lohnstückkosten in Frankreich gegenüber Deutschland in den letzten 12 Jahren um das Doppelte gestiegen.
    Dass ein Sozi, Herr Hollande die Homoehe in Frankreich anschiebt ist ja nett (für den ders braucht), aber lenkt nur von den eigentlichen wirtschaftlichen Problemen ab.

  • eine Wiedervereinigung hinter sich.

    Wir haben keine WIEDERVEREINIGUNG!
    Im Gegenteil!
    Uns wurde die Hälfte geklaut!
    Wir haben lediglich eine Teilwiedervereinigung mit der ehemaligen DDR!
    Die kommt uns alle über die "Zwei+Vier-Verträge" allerdings teuer zu stehen!

  • Was macht eigentlich eine Politik, wenn das intelligente Volk nicht mehr wählen geht?!
    Genau das Gleiche, wie jetzt auch schon!
    Sie regiert ohne oder gegen das Volk!
    Trotzdem: WÄHLEN GEHEN!- Wählen Sie eine echte Oppositionspartei, auch auf die Gefahr hin, dass die verlogene Regierungsmischpoke die Wahl schon seit langem fälscht!

  • Ein intelligenter Mensch wählt gar nicht mehr.

    Genau DAS wäre total falsch!

  • Tik tak, die Zeit läuft ab.

    Also nicht mit dummsinn beschäftigen. Mal davon abgesehen das immernoch einige glauben das DE irgendwelche PFIGS mit Billionen unterstützen. Was natürlich falsch ist.

    Die Verbrecher-EU will uns in Zukunft mehr den je vorschreiben das wir nur noch Müll fressen sollen.

    Gegen die Ausrottung unserer gesunden Ernährung welche von der EU initiert wurde (bereits 193.404 Zeichner):
    https://www.campact.de/saatgutvielfalt/appell/teilnehmen/

    Zeichnen und ein Zeichen setzten!

    Zum Schluß.

    Laßt euch nicht für dumm verkaufen. Dieses ganze Geschwafel über Frankreich, Griechenland, Italien und den neuesten Sommerhit sind nur Ablenkung für die Dümmlichen.

    Das Grundproblem liegt im Geldsystem und dem Staat der Hand in Hand geht mit den Eignern des Geldsystems (der Banken).

    Ressentiments sind eine gute Hilfe zur Ablenkung. Wie auch Rassismus (du Nazi), oder Frauenfeindlichkeit (du Emanzenhasser), oder auch Klimaleugner. (du Klimaleugner ? was auch immer das bedeutet - Klima ist toll).

    Wir verlieren uns in gestreuten Kleinkonflikten. Zur Ablenkung! Es soll blos niemand erkennen das wir in dieser Situtaion sind weil das verzinste Schuldgeldsystem gerade kollabiert. Und wir sollen uns um Gottes willen keine Gedanken darüber machen das wir keime Demokratie haben, sondern immer die gleichen "Könige" entscheiden. Keine Demokratie nach dem Subsidaritätsprinzip. Wir sollen uns keine Gedanken darüber machen das alles anders wäre und es nicht ständig zu Konflikten und Krisen kommen würde wenn wir ein gerechtes Geldsystem und eine echte Demokretie hätten.

    Deswegen sagt man uns. "Scheiß Fankreich und scheiß Griechenland und scheiß Italien und scheiß Spanien und...und...und.." Und wenn es garnicht mehr geht dann landen Außerirdische. Nur zur Ablenkung.

  • @itstk

    Bevor sie hier so einen Unsinn posten erstmal schlau machen :-)

    Zitat:

    Ungültige Stimmen haben auf die Sitzverteilung ebenso wenig Einfluss wie nicht abgegebene Stimmen.

    Bei der Parteienfinanzierung wirkt eine ungültige Stimme wie eine nicht abgegebene Stimme:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahlrecht#Stimmenthaltung.2C_ung.C3.BCltige_Stimmen

  • @itstk

    Was macht eigentlich eine Politik, wenn das intelligente Volk nicht mehr wählen geht?! Wenn gar KEINER WÄHLEN WÜRDE?! Ach vergessen Sie es...die Masse ist und bleibt dumm bzw. verkauft sich und spielt den Hofschranz der Reichen...

    Jedes Volk bekommt die Regierung, die es wählt. Und ich wähle keine Schlachter mehr!! Das können gerne andere machen...sie habne ausserdem nicht den Kommentar wirklich verstanden...woran das wohl liegen mag :)

  • Das Gegenteil ist der Fall: Frankreich hat die beiden Kriege genauso verloren, wie Deutschland! Der Blutzoll im ersten Weltkrieg war enorm, die Verwüstungen des Landes ebenfalls! Den 2.Weltkkrieg hat Frankreich schon nach 14 Tagen verloren! Das De Gaulle als Sieger in Paris einziehen konnte, nachdem die Deutschen Paris verlassen haben, ohne diese herrliche Stadt zu zerstören, war eine großmütige Geste der Amerikaner! Dann kamen noch die verlorenen Kriege in Vietnam und in Algerien dazu! Diese Niederlagen haben de Gaulle dazu bewogen den Ausgleich mit der BRD zu suchen! Dafür gehören ihm und Adenauer posthum der Friedensnobelpreis! Hätte Mitterand die Größe und Weitsicht von de Gaulle gehabt, dann wäre uns dieses Kompensationsgeschäft um den EURO erspart geblieben!
    Jetzt verliert Frankreich endgültig, da sie den Konsum und den Staat über alles stellen!

  • "Ein intelligenter Mensch wählt gar nicht mehr."

    Ein intelligenter Mensch wäre in der Lage zu begreifen, daß sein Wahlstreik in seinem Sinne rein gar nichts bewirkt. Weil seine aktiv nicht abgegebene Stimme dann kurzerhand anteilig auf alle Parteien umgelegt wird. Ein Nichtwähler wählt also mitnichten keine, sondern ALLE Parteien. Und damit genau jene Mischpoke, die man selbst gerade NICHT mit seiner Wählerstimme bedenken wollte.

    Noch dümmer sind eigentlich nur noch jene Figuren, die ihren Stimmzettel heimlich als Wettschein mißbrauchen. Um sich wenigstens einmal in vier Jahren für ein paar Tage als Gewinner zu fühlen, bevor's wieder vier Jahre zurück ins steuergemolkene Hamsterrad geht...


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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